Gregory
Isaacs "Live @ The Rocket"
(Charm/Jet Star/EFA - 2003)
Gregory Isaacs gehört
zu den Urgesteinen des Reggae. Der "Cool Ruler" zählt
dabei zu den Entertainern im Geschäft, die nicht nur Frauenherzen
dahinschmelzen lassen. So er denn überhaupt zum Konzert erscheint!
In London ist er gekommen. Wie man lesen kann, an einem regnerischen
Tag. Merkwürdigerweise scheint sich die graue Atmosphäre des
Londoner Schietwedders auch auf den Aufnahmen niedergeschlagen zu haben,
denn diese sind etwas diesig. Da hätte man sich angesichts der
Bedeutung des Künstlers und der Tatsache, dass es sich hierbei
um die erste offizielle DVD handelt, ein saubereres Vorgehen gewünscht
(Titel und Menü sind sogar ein wenig unscharf - das kennt man von
Videos nicht aber von DVD, wollen diese doch digitale Hochglanzbilder
liefern). Die Backingband lässt auch an Präsenz zu wünschen
übrig. Musikalisch zwar sehr sauber, wirken Artist und Musiker
nicht wie eine Einheit. Wie im Reggae leider sehr häufig üblich
wurden die Leute wahrscheinlich in England rekrutiert um mal eben die
Tour zu begleiten. Manches Mal erkennt man in den Gesichtern ein ganz
klein wenig Unsicherheit über das was Gregory gerade so veranstaltet
und wann denn der nächste Einsatz wohl kommen wird. Ein wenig mehr
Rehearsal oder ein späterer Termin auf der Tour wären da für
eine DVD vorteilhafter gewesen. Doch will ich die DVD nicht gänzlich
verreißen. Gregory Isaacs weiß was er macht. In einem hellen
Anzug mit hellem Hut steht er auf der Bühne, wirkt charmant und
kann mit seinem nasalen Gesang durchaus das eine oder andere Mal glänzen.
Die Zahl seiner klassisch zu nennenden Tunes ist fast endlos. Einige
von ihnen, wie etwa "Night Nurse" und "Mister Browne"
gibt er hier zum Besten. Im Zentrum des Auftritts stand allerdings das
neue Album "Here
By Appointment" (finde den Titel ja vor dem Hintergrund seines
häufigen Fehlens trotz Verabredung ganz witzig), das insgesamt
ja nett ausgefallen ist. Als Extras gibt es ein Interview mit Mr. Cool
Ruler himself (gut!) und ein weiteres mit Tony "Ruff Cut"
Philips, den Produzenten des letzten Albums, sowie etwas überflüssige
Aufnahmen mit einigen Fans und ein Glossar. Wie bereits beschrieben:
angesichts der Rolle, die Gregory Isaacs in der Reggaewelt spielt, hätte
ich persönlich mir ein wenig mehr Aufwand gewünscht. Die Liveatmosphäre
eines real erlebten Konzerts vermag diese DVD nicht widerzugeben.
Karsten Frehe