Life + Debt
DVD (New Yorker Video - 2001)

"'Life and Debt': One Love, One Heart, or a Sweatshop Economy?", überschrieb der Autor Stephen Holden der New York Times 2001 sein Review und beschreibt den Film treffend so: "Stephanie Black's powerful documentary "Life and Debt" illustrates with an impressive (and depressing) acuity, globalization can have a devastating impact on third world countries. The movie offers the clearest analysis of globalization and its negative effects that I've ever seen on a movie or television screen". Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Tatsächlich schafft es die Autorin der Dokumentation, die Verstrickungen Jamaikas in den Schuldensumpf von IWF und anderen beteiligten Institutionen sowie die Macht vornehmlich US-amerikanischer Unternehmen, wie z.B. McDonalds und Dole, als Globalplayer bis in den Alltag der Jamaikaner hineinzuregieren, aus ganz verschiedenen Blickwinkeln zu verdeutlichen. Dabei stellt sie dem durchschnittlichen Touristenbesuch, der mit treffenden Bildern eingefangen wurde, die sich von selbst entlarven, die harte Realität von vielen Jamaikanern entgegen. So tut sich durch das Gegenüber dieser Welten, z.T. direkt kommentiert oder auch durch den Zusammenschnitt von Szenen assoziativ, ein breiter Graben auf. Ein Graben der seine Wurzeln im Kolonialismus hat, durch die Unabhängigkeit 1962 nicht besser wurde und sich heute, wo alles Globalisierung genannt wird, dramatisch verbreitert hat. Wie so viele Länder befindet sich auch Jamaika im Würgegriff von IWF und Weltbank. Die Schulden steigen und die Wege aus der Krise scheinen unmöglich zu sein. So verwundert es auch nicht, dass derart gewaltiger ökonomischer Druck Gewalt hervorbringt. Dabei sind es insbesondere die Auflagen, die der IWF mit der Vergabe von Krediten verbindet, die die Spirale beginnen und über die Jahre ins Unermessliche steigern. So werden Ausgaben für Bildung und andere soziale Leistungen festgelegt, egal ob sie den Bedarf dann noch erfüllen können, oder es wird verboten, Schutzzölle bei der Einfuhr von Waren nach Jamaika zu erheben sowie die eigene Produktion zu subventionieren. Der dadurch entstehende Druck auf die heimische Wirtschaft ist immens. Beispiel Milch: die Produktion in Jamaika lief ganz hervorragend, bis wieder einmal Geld notwendig war und der IWF angepumpt wurde. Die eben erwähnten Auflagen führten dazu, dass die jamaikanische Milch gegenüber dem Milchpulver aus den USA viel zu teuer und die Stellung auf dem Markt erheblich geschwächt wurde. Resultat: Arbeitslosigkeit und öde Weiden. Wenn man bedenkt, dass die Milchwirtschaft in den USA selbst subventioniert wird, kann man den Satz "Capitalism is organized crime" nur unterstreichen! Vergleichbar verhält es sich auch mit anderen Produkten, wie Rind- und Geflügelfleisch sowie Gemüse. Wenn ein Politiker der ärmeren Länder einmal gezwungen ist, Geld beim IWF zu erbetteln, setzt er die Spirale in Gang. Eindrucksvoll schildert Michael Manley sein eigenes Trauma als langjähriges Staatsoberhaupt des Inselstaates in mehreren vielsagenden Interviewausschnitten. Behandelt werden zudem die sogenannten "Free Zones", die ein weiteres Elend in der sogenannten Dritten Welt darstellen. Viele Themen der Dokumentation sind lange bekannt, werden aber durch die erzeugte Dichte und die vielen Beispiele so eindrucksvoll und erschütternd aufgedeckt und erklärt, dass der Film wirklich zu den wenigen Beiträgen gehört, die sich dieser Misere entschieden annehmen. Der Soundtrack ist passend ausgewählt und bekräftigt die Bilder ungemein. Wer die wirtschaftliche und soziale Situation Jamaikas sowie generell die negativen Seiten der Globalisierung verstehen will (denn Jamaika ist nur ein Beispiel von vielen!), wird hier sehr gut informiert und bekommt zudem filmisch gut in Szene gesetzte Bilder zu sehen und gute Musik zu hören. Tipp!

Karsten Frehe

www.lifeanddebt.org

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