
Lee Perry & White Belly Rats
Fabrik, Hamburg, 23.5.2008
Lee „Scratch" Perry, Dub Creator, Jamaican ET, Mighty Upsetter und Grammy Award Winner,
um nur einige seiner zahlreichen Betitelungen zu nennen, blickt mittlerweile auf über 50 erfolgreiche Jahre im Musikgeschäft zurück. Er ist eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Entwicklung des Reggae, Ska und vor allem des Dub in Jamaika. Der Mann, der mittlerweile neben dem Status einer lebenden Legende ebenfalls den Ruf eines Künstlers eingeheimst hat, der etliche Mythen um sich schart, gab sich am 23.5. zusammen mit den White Belly Rats aus der Schweiz in der Fabrik in Hamburg die Ehre. Und es war gut, diesen alten Zausel einmal mehr in seinem ureigenen Element zu erleben. Mit seiner unvergleichlichen Art, völlig entrückt und zugleich anwesend zu wirken nahm er gefangen - so man sich darauf einlassen konnte. Zeilen wie "go to the supermarket and park it, and walk ... into the supermarket and get a salad" sind inhaltlich nicht gerade tiefgründig, auch wenn es im besagten Song um Vegetarier ging, wirken aber, oft wiederholt und punktgenau auf die Riddims gesetzt, mit Perry vor Augen durchaus phasenweise hypnotisch. Lee Perry ist einfach einzigartig. Ganz besonders gut erwies sich erneut die Kombination mit den White Belly Rats. Die Schweizer spielten souverän auf ohne sich in den Vordergrund zu spieln. Ohne auf dicke Hose zu machen bieteten die drei Musiker ein mehr als solides Fundament, vor bzw. auf dem der deutlich schillerndere Perry für was auch immer er vor hatte freie Fahrt bekam. Eine derartige Zurückhaltung bei gleichzeitig bester Performance deutet auf den Respekt hin, den die Musiker für einen der wichtigsten Personen im Reggae haben. Dennoch versahen sie den Auftritt auch mit ihrer eigenen, angedubbten Note und einem dichten, treibenden Sound. Auch wenn es in Sachen Dubechoes etwas mehr hätte sein können, war der Abend gelungen. Schade war jedoch, dass die Show recht kurz war, was wohl mittlerweile auch an dem recht hohen Alter von Perry lag. Nett wäre es auch gewesen, wenn die Fabrik einem Sound der Hansestadt die Möglichkeit gegeben hätte, vor dem Konzert das Publikum zu unterhalten und einzustimmen. Vielleicht wäre das eine Anregung für das nächste Reggaekonzert: Sounds, ob alteingesessene oder junge und aufstrebende gibt es genug in der Stadt. Ihnen die Möglichkeit zur Präsentation zu geben wäre für alle Beteiligten ein Plus gewesen!
Text & Fotos:
Karsten Frehe

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