Jumbie

Germany's Dancehallqueen 2007

Am 9.11.2007 war es so weit. Zum ersten Mal sollte die German Dancehall Queen in Nürnberg gekrönt werden. Als Kontrahentinnen waren Jara, Maggi, Steffi, Miss Munchy und Dani aus dem Süden des Landes sowie Abi (Erlangen) und Jumbie (Hamburg) am Start. In der Jury saß u.a. die amtierende französische Dancehallqueen Amzone. Nach etlichen Runden ging Jumbie aus Hamburg als Siegerin und somit amtierende Dancehallqueen aus dem Rennen. Damit fiel sie nicht urplötzlich vom Himmel, denn Jumbie aka Jamilah Sundance ist nicht nur in der Reggaeszene in Hamburg schon lange unterwegs, sondern ließ es sich in der Vergangenheit nicht nehmen, ihre Tanzkünste auch in anderen Regionen zu zeigen. Kann mich noch gut daran erinnern, wie gerne sie bei Seeed-Konzerten im Rahmen der von ihnen gehosteten Mini-Contests die Bühnen enterte. Nun verdientermaßen der Sieg in Nürnberg.

 


Wie bist Du überhaupt zum Tanz gekommen, was hat Dich fasziniert?

Mich faszinierte schon als Kind vor allem Orientalischer Bauchtanz und auch bei Vorführungen unterschiedlicher afrikanischer und karibischer Tänze war ich immer Feuer und Flamme – aber als Zuschauerin! Es hat gedauert, bis ich mich getraut habe, selbst die Hüften zu schwingen. Selbst bei harmlosen Schulpartys war ich zu schüchtern zum Tanzen. Als ich im Alter von 16 Jahren endlich meine Musik gefunden hatte (Dancehall und Soca), hat sich das mit dem Tanzen aber von ganz allein ergeben.

Mit welchen Tanzstilen hast Du vor Dancehall angefangen, Standarttänze werden es sicher nicht gewesen sein?

Ich habe eigentlich nie nennenswerte Tanzkurse besucht. Einen kleinen Standarttanzkurs na klar, wie fast jeder Mal in seinem Leben. Aber die Bewegungen waren mir da einfach zu steif und die Musik sprach mich überhaupt nicht an. In den letzten Jahren habe ich aber hier und da ein bisschen Salsa getanzt und mich auch in afrokubanischen Tänzen versucht. Daran habe ich auch wirklich Spaß, aber den Zugang dazu habe ich mehr oder weniger parallel zu Dancehall gefunden und nicht vorher. Eigentlich habe ich erst mit Dancehall richtig angefangen zu tanzen und bin dann auch ziemlich schnell zu Soca gelangt.

Was macht für Dich die Faszination von Dancehall aus?

Vielleicht die Tatsache, dass ich bei Dancehall einfach nicht still sitzen bleiben kann? Meine Faszination in Worte zu fassen empfinde ich als sehr schwer. Karibische Musik ist für mich einfach viel tanzbarer als z.B. R&B oder Hip Hop. Ich finde dabei das Zusammenspiel von Riddim und DJ sehr wichtig und ausschlaggebend für einen guten Tune. Und ein guter Tune ist für mich eben einer, zu dem ich mich gut bewegen kann.

 

Ich gehe mal davon aus, dass hinter Deinem aktuellen Erfolg eine Menge Arbeit steckt. Wie oft und wie lange übst Du in der Woche?

Ernsthaft angefangen zu trainieren habe ich erst im Mai 2007, als mir die Teilnahme für den Contest bestätigt wurde. Ich hatte allerdings keine regelmäßigen Übungszeiten und leider auch keine Räumlichkeit, die für mein Vorhaben geeignet gewesen wäre. Das hat sich jetzt aber geändert! Ich trainiere jetzt 1-2 mal wöchentlich zwei Stunden in der Roten Flora in Hamburg und werde wohl auch bald anfangen, regelmäßig ins Fitnessstudio zu gehen. Ich hoffe, dass ich diese Regelmäßigkeiten einhalten kann und das Training sich auszahlt!!

Früher hast Du viel unter dem Namen Jamilah Sundance gemacht. Warum hast Du Dir für das Tanzen den Namen Jumbie zugelegt und bist nicht bei dem Vorherigen geblieben?

Den Namen Jamilah Sundance habe ich mir ausgedacht, als ich 14 war. Ich hab einfach einen Nickname fürs Internet gesucht. Aber dieser ganze Internet-Foren Kram ist nicht mehr mein Ding und eigentlich hat der Name auch nur wenig mit mir selbst zu tun. Fürs Tanzen brauchte etwas Aussagekräftigeres, einen Namen, in dem ich mich selbst sehen und mit dem ich mich ausdrücken kann. Jumbie hat sich aus meiner Leidenschaft für Soca einfach ergeben. In der Kultur der West Indies sind Jumbies Geister, mysteriöse Schattengestalten, manchmal auch böse oder verlorene Seelen. Ihnen haftet etwas Spirituelles und Mystisches an und sie sind immer wieder Gegenstand von Liedern, Tänzen, Gedichten und unheimlichen Geschichten. Ich bin nicht der Typ Tänzerin, der sich auf High Heels wohl fühlt oder sich gern viel mit Glamour schmückt. Ich wühle lieber tanzend im Schlamm, male mich selbst an, werfe mich winend vor Autos und falle generell immer mal ganz gern aus dem Rahmen. Jumbie passt viel besser zu mir. Das bin ich auch – ein kleiner Tanz-Dämon.

Kannst Du für Neulinge kurz schildern, wie so ein Dancehallqueen Contest abläuft?

Je nach Land, Veranstaltungsart und Lust und Laune der Veranstalter läuft so etwas natürlich unterschiedlich ab, genau wie bei Sound-Clashes auch. Immerhin geht es um einen möglichst großen Unterhaltungsfaktor für alle Beteiligten. Es gibt zunächst einmal die Kontrahentinnen, die im Rahmen des Wettbewerbs in mehreren Runden tänzerisch gegeneinander antreten. Wenn die Zahl der Teilnehmerinnen sehr groß ist, kann es natürlich auch einen Vorentscheid geben. Getanzt wird beim Contest entweder zu einem der Tänzerin unbekannten und unvorbereiteten Tune oder zu einem selbst zusammengestellten Mix bzw. einem selbst ausgesuchten Tune, zu dem etwas vorbereitet wurde.
Damit das Ganze möglichst fair abläuft gibt es in der Regel bei größeren und wichtigeren Veranstaltungen eine Jury, die die Tänzerinnen nach unterschiedlichen Kriterien bewertet und Punkte vergibt. Für was genau es Punkte gibt, ist ebenfalls unterschiedlich. In Nürnberg war es so, dass nicht nur die Tanzmoves, sondern auch Ausstrahlung, Musikauswahl und die Outfits bewertet wurden und es gab Kreativpunkte, wenn jemand etwas ganz besonders Originelles zu bieten hatte.

 


Vor welcher Konkurrentin hattest Du in Nürnberg am meisten Respekt?

Da kann ich mich eigentlich nicht festlegen. Auf jeden Fall haben mich die Mädels schon beim Warm Up mit ihrer Gelenkigkeit und so manchen Moves ziemlich beeindruckt. Respekt hatte ich wahrscheinlich am Meisten vor Abi. Sie war spontan für eine Freundin eingesprungen, die am Contest nicht teilnehmen konnte. Sie hatte nichts vorbereitet und ich finde es mutig, sich im Angesicht von sechs Mädels, die seit Monaten für den Contest trainieren, dennoch vor ein Publikum zu stellen und zu tanzen! Als ernsthafte Konkurrentinnen habe ich aber eigentlich alle Teilnehmerinnen wahrgenommen. Schade ist nur, dass kurzfristig drei Mädels abgesagt hatten, auf die ich natürlich ebenfalls sehr gespannt war.

Dancehallqueens gibt es in unseren Breiten ja noch nicht besonders lange. Gibt es dennoch Sounds und/oder Veranstalter, die Tänzerinnen für ihre Dances booken?

Ach, Tänzerinnen gab es in Deutschland eigentlich schon immer. Es war nur lange Zeit nicht üblich, ihnen im Rahmen von Dances eine Bühne zur Verfügung zu stellen. So weit ich das mitbekomme, sind Bookings für Tänzerinnen inzwischen aber keine Seltenheit mehr. Seit ca. einem Jahr gibt es auf Dances auch des Öfteren „Dancehall Queen Showcases“. Ich freue mich sehr, dass es so eine Entwicklung gibt und es gibt auch von „Nicht-Tänzern“ viele positive Rückmeldungen. Allerdings ist das Publikum dem Neuen nicht immer so positiv aufgeschlossen. Ohne das hier zu sehr vertiefen zu wollen, aber einige werten das, was die Mädels da machen, immer noch als „billigen Go-Go Style“ oder als „erniedrigend“ ab! Aber erniedrigend? Weil eine Frau da oben steht und voller Stolz ihren Körper zur Musik bewegt? Erniedrigend allein sind die Kommentare von Leuten, die so etwas behaupten. Ich möchte dazu gern eine Freundin zitieren, deren Meinung ich vollkommen teile: „Dancehall ist eine hoch sexualisierte Musikrichtung, die in Jamaica sehr wohl zur Kultur gehört und in der Slackness (und nicht erst seit gestern) ihren festen, und meines Erachtens berechtigten, Platz hat.“ Die Leute müssen nur mal etwas lockerer werden und begreifen, dass die Frau, die da oben tanzt, das nicht tut, um am Ende einen Mann abzugreifen der weil sie leicht zu haben wäre, sondern weil es ihr einfach Spaß macht, sich die Seele aus dem Leib zu tanzen.

2008 wirst Du Deutschland international vertreten. Gibt es da schon erste wichtige Termine und Entscheidungen, die anstehen?

Am 5. April 2008 steht zunächst einmal der Europaen Contest in Italien an. Dies wird mein erster internationaler Wettbewerb sein und noch dazu ein sehr wichtiger, von dem auch abhängt, ob ich im Sommer an der International Dancehall Queen Competition in Montego Bay (Jamaica) teilnehmen werde. Das müsste Ende Juli nach dem Reggae Sumfest sein, glaube ich.

Aber das ist noch weit hin. Ich nehme einfach, was kommt und mache mir erstmal um Italien Gedanken. Schließlich möchte ich Deutschland würdig repräsentieren.

Wenn Du jetzt aus dem Stehgreif Deinen aktuellen Top-Tune mitsamt dazugehörigem Tanz nennen solltest, welcher wäre das?

Oh, es gibt soooo viele!!! Hmm, aber der Tic Toc ist seit Jahren mein Lieblingstanz. Gleichnamige Tunes dazu gibt es einige, wie beispielsweise Tic Toc von Vybz Kartel oder Tic Toc von Elephant Man…


Interview: Karsten Frehe (12/2007) / Fotos: Mickey Kodak (www.rebel-radio.org)

Eine Dutty Uncut Raw Full-Lengh Version vom 9.11. mit insgesamt 86min Spieldauer
gibt es ab dem 10.Januar 2008 als DVD bei www.rebel-radio.org.
Kosten 10€ inkl. Post and Packaging worldwide!