RIVER GANG
"BUMM TUNES RADIO"

(Big River - 2007)

Dancehall eins zu eins ins Deutsche zu übertragen, hat seine Tücken. Nicht allein, weil Flow und Sound der deutschen Sprache halt ein anders sind. Kratziger, abgehackter, monotoner holpert es über die Lippen der meisten Landsleute. Nur wenige können die Silben wirklich kullern lassen. Viele, die es versuchen, befürchten offenbar, dass ihre Stimme dann zu schlaff klingt und beginnen die Töne zu pressen. Das hört sich eher bemüht und verzweifelt an, ja manchmal sogar lächerlich. Den zweiten Punkt, den es zu knacken gilt, stellen die Texte dar - Verbalposing, Sexgeprotze, Kanonenpoesie, Tanzanleitungen, Partyanfeuerungsparolen. Auf Deutsch kommt das für Einheimische viel unmittelbarer. Man muss ja nicht einmal richtig hinhören, um mitzubekommen, worum es geht. Anders ausgedrückt: Es gibt kaum ein entrinnen vor der Banalität. Also ist es genau genommen eine Gnade, dass der Kram beim jamaikanischen Dancehall für non-native Patois-Listeners deutlich gedämpfter ausfällt.
Vor diesem Hintergrund ist es löblich und mutig von der Wormser River Gang, dennoch diesbezüglich Anstrengungen zu unternehmen. Bevor aber ein falscher Eindruck ihres Debüts "Bumm tunes radio" entsteht: Hier wogt auch Reggae, mal verliebt, mal betroffen. Doch die härtere Gangart hat leichtes Übergewicht, und da geht es eben um Mädels, Partys und die ganze Charge. Und da wird es dann halt auch zuweilen einmal prollig, gepresst, so als ob der Groove mit Kraft erzwungen werden soll. Das hört sich nun alles weniger rühmlich an, als die Scheibe des Wormser Trios ist. Sie hat Beat, sie hat Tempo, sie hat auch Witz, schöne Melodien und Wumms. Wer es deftiger mag, wird es nicht bereuen, das "Bumm tunes radio" einzuschalten.

Jürgen "Reggaedoctor" Schickinger


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