Boozoo Bajou
Gut Ding will Weile haben!

Das Debütalbum von Boozoo Bajou - "Satta" - erschien 2001. Ganze 4 Jahre sind seitdem vergangen. Eine lange Zeit zwischen zwei Alben, die jedoch den Titeln und der Ausrichtung des neuen Albums "Dust My Broom" (!K7) gut getan haben. Gut Ding will eben wirklich Weile haben! Und lieber ein durchgereiftes Werk als einen Schnellschuß aus der Hüfte, der schnell in den Weiten der Musikwelt verhallt. Mehr Gesang ist zu hören, vielseitigere Rhythmen und Tempi sind anzutreffen - kurzum: "Dust My Broom" ist keine bloße Kopie des erfolgreichen Vorgängers, sondern ein weiterer Schritt des Duos. Besonders bei den Gästen haben sie ein Händchen für eine gute und zum Teil ungewöhnliche Auswahl bewiesen. So hört man gleich im ersten Titel Tony Joe Whitem, den man eher von seinen verruchten Country-Liedern her kennt. Mit dabei sind zudem u.a. Joe Dukie (Fat Freddys Drop) zusammen mit U-Brown und Top Cat. Dabei erweist sich die Kombination von Joe Dukie's Soulstimme und dem Deejay Style des Veteranen und an U-Roy geschulten U-Brown als Glücksgriff! Doch auch Top Cat kann auf dem viel schnelleren Dancefloorfiller "Killer" glänzen. Und so gelingt trotz der unterschiedlichen Herkunft aller Beteiligten ein rundum tolles Album, dass sich zwischen Dub und Downbeat seine Wege sucht. Zeitlos und wunderbar. Peter Heider und Florian Seyberth sprachen mit Ralf Summer....

Was liegt euch an Sümpfen, an Sumpfgeräuschen, weil sowohl euer Debüt "Satta" als auch das neue Album "Dust My Broom" mit Sumpfgeräuschen anfangen?

Peter: Die Atmosphäre von der alten Platte haben wir schon irgendwo übernommen. Zumindest jetzt mal gleich beim ersten Stück, weil wir nicht gleich in diese "Vokal" orientierten Gesangsstücke reinknallen wollten. Weil dann doch die ersten drei Stücke, wenn man die hört vom neuen Album, zuerst mal erschrecken könnten, dass es sich in eine andere Richtung bewegt. Aber ich glaube, dass es ein ganz guter Kompromiss war von den Atmosphären her. Von dem ersten Stück und dann auch in Verbindung zu Tony Joe White (TJW) da doch eine kleine Verbindung zu schaffen zu "Satta".

Was sagt Tony Joe White am Anfang des Stückes?

Florian: TJW sagt: Dass wir nicht aus der Gegend hier sind.

Peter: Das ist im Prinzip auch eine Wegbeschreibung: To the Swamps. Er ist jetzt vielleicht auch so ein Art Scout für die Leute, die die Sümpfe besuchen wollen, aber es ist in gewisser Weise vielleicht auch... Weil er ja weiß wo wir herkommen. Auch so eine Metapher das wir aus einer ganz anderen Gegend kommen und mit ihm zusammen Musik machen.

Er ist also ein Führer durch den Sumpf?

Florian: Mann kann so sagen, dass er der Führer ist der einen durch den Sumpf führt... Vor allen Dingen ins Album hinein führt. Das ist eigentlich der springende Punkt. Deswegen steht's ja auch als erstes vorne dran.

Wie kommt man an so Musiker ran? Leute wie TJW machen sich ja relativ rar... Da gibt's nicht so viel Kooperation mit anderen Musikern. Wie seid ihr da vorgegangen?

Florian: Um an solche Leute ranzukommen wie TJW oder auch Willie Hutch, die halt auf unserem Album drauf sind, waren auch monatelange Recherchen im Vorfeld nötig. Ob das jetzt über das Internet war oder überhaupt ausfindig zu machen: Wo wohnt der Gute. Das war eigentlich die Hauptarbeit von Leuten die uns unterstützend zur Seite stehen, wie der Uli Nefzer (einer der zwei Manager von BB), die dann wirklich gucken wo treibt man die Leute auf, um einen Kontakt herzustellen.

Peter: Man muss aber jetzt schon noch dazu sagen, dass wir mit TJW schon länger in Kontakt stehen. Wir haben für den, das ist schon über 2 Jahre her, für seinen Klassiker "Rainy Night in Georgia" einen Remix gemacht. Für Warner Brothers auf dieser Compilation "What is Hip?". Da hat er dann erstmals Kontakt zu uns bekommen über die Version. Das hat ihm ziemlich gut gefallen und er hat halt gefragt ob es irgendeine Möglichkeit gibt, dass wir mehr zusammen arbeiten. Das war eben gerade am Anfang der Produktion von unserem neuen Album, und jetzt ist auch aktuell noch die Anfrage da, ob wir für "Homemade Icecream", was wir eh immer schon mal machen wollten, covern wollten von ihm. Ob wir das noch mal in einer neuen Version mit ihm machen wollen und da gibt es bestimmt auch noch mehr zu tun mit ihm.

Wie geht ihr überhaupt bei der Auswahl von Gastmusikern vor? Wie sucht ihr die Vokalisten/Sänger aus?

Florian: Die Stimmen für unser Album haben wir eigentlich so ausgesucht... Es kommt schon aus dieser Fan Sichtweise heraus. Das was man persönlich halt eigentlich mag und wo man sich denkt: Das wäre ja eigentlich super mit dem was zu machen.

Die Gastmusiker auf eurer Platte sind über die Welt verstreut: Neuseeland, USA, Jamaika, London.
War das Absicht aus der ganzen Welt Musiker zu holen oder eher ein Zufall?

Florian: Also das ist jetzt Zufall, dass wir uns die Leute aus der ganzen Welt geholt haben. Da gab es jetzt keinen Plan wie man jetzt Kontinente irgendwie abklappert und sagt; von da brauchen wir jetzt einen. Das hat sich so ergeben.

Habt ihr alle Gastmusiker bekommen oder gibt es einige mit denen es dann beim nächsten Mal klappen soll?

Peter: Also es gab eine ziemlich lange Liste von Wunsch-Sängern jetzt in dem Fall oder Sängerinnen. Also wie gesagt, wir haben bestimmt über ein Jahr, bis zu 2 Jahre, versucht in Kontakt zu treten mit allen von der Liste. Das ist das was übrig geblieben ist am Ende. Wo es überhaupt möglich war auch persönlich mit denen in Kontakt zu treten. Gerade über Management in Amerika, wenn man da versucht über Geld schon zu reden, da gibt's im Vorfeld schon sehr große Probleme, wo man sich überhaupt nicht einigen kann und leider dann über den Weg übers Management gar keinen persönlichen Kontakt zu den Musikern findet. Was eigentlich für uns immer total wichtig ist auch. Da soll ja irgendwie nicht 'ne Auftragsarbeit abgeliefert werden, sondern es wäre ja gut wenn man immer schon einen persönlichen Kontakt vorher hat.

Geld spielt also doch eine nicht unwesentliche Rolle?

Peter: Das fängt natürlich damit schon an beispielsweise... Die Idee war auch da dass man eventuell Texte von jemandem schreiben lässt... Das geht immer schon gar nicht mehr weil doch viele sagen... Wenn dann wollen wir schon die Rechte an unseren eigenen Texten haben. Man lässt sie dann auch gerne machen weil es dann, denke ich mir, letzten Endes dem eigenen Charakter entspricht. Wenn jetzt Joe Dukie, Willie Hutch oder Dallas Tamaira jetzt Love Song Lyriks schreiben, dann nimmt man es denen auf jeden Fall eher ab in der Art wie sie singen, als wenn das jetzt jemand von hier schreiben würde.

Ihr habt gerade Texte angesprochen. Wie läuft die Zusammenarbeit? Werden die Songs, also die Lyrik, geschnitten oder müsst ihr versprechen sie im Original zu übernehmen?

Peter: Also wir hatten ja beim letzten Album nur Vokalfetzen verwendet. In diesem Fall war es wirklich so; wir übernehmen wirklich komplett die Vokals. Wir schneiden nichts raus, wir nehmen nur die besten Takes und wir setzen die Phrasen gut zusammen, so das es rhythmisch gut passt. Aber wir bauen das nicht um oder löschen Sachen raus. Bei Ben Weaver würde das gar nicht gehen, weil das ist auch ein so extrem guter Text, das wäre schon ziemlich...

Florian: Leichenfledderei

Peter: Leichenfledderei, da eigenmächtig rumzupfuschen.

Was könnt ihr zu der Up-Tempo Nummer der Platte, zu Killer mit Top Cat, sagen?

Florian: Die Zusammenarbeit mit Top Cat kam eigentlich so zustande, dass wir gedacht haben: Wir haben ein schnelles Stück und das man dann natürlich etwas braucht, was richtig Dampf von unten her macht. Da ist so ein ehemaliger, oder sagen wir mal so...ist er ja immer noch, so ein Jungle Veteran;
der wäre da der richtige Mann der so was noch einen richtigen Punch geben kann.

Die erste Single wird das Stück mit Top Cat. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?

Peter: Der Kontakt zu ihm persönlich war zwar noch nicht da aber wir hatten, wie sagt man...

Florian: Eine Connection über Sonar Kollektiv. Meinst du das?

Peter: Nein es war schon irgendwie mehr als das. Als wir vor drei vier Jahren "Midnight Marauders" gehört hatten, das war damals in Portugal lustiger weise, im Radio. Das war so vom ersten Augenblick an; das ist ein richtig guter Track was die da gemacht haben. Es ist auch seitdem immer noch in unserer Plattenkiste drin. Als Dallas Tamaira (Joe Dukie) hier war, im Studio, ging es ihm eigentlich ähnlich. Er hat gesagt, als er damals "Satta" gehört hat mit seinem Partner zusammen, der die Sache produziert, auch bei Fat Freddy's Drop; das war für die auch eine Initialzündung an dem Album zu arbeiten. Es war schon so eine Verbindung da und als er in Berlin war bei Sonar Kollektiv, haben wir das mitbekommen über den Uli (Anmerkung: Uli Nefzer, einer der beiden Manager von Boozoo Bajou) und sofort angerufen ob er kommen kann, kurzfristig, und er hat gesagt: Ja sofort. Er war gleich am nächsten Tag da und hat auch schon während des Fluges einen Text geschrieben, und es ging dann auch total schnell und sehr gut.

Wie läuft das technisch ab? Ladet ihr die Leute hier nach Nürnberg ein und oder fahrt ihr auch in andere Studios um mit ihnen zu arbeiten?

Peter: Ja, beides. Also wir fahren soweit es möglich ist, zwar war Willie Hutch nicht möglich. Bei Top Cat waren wir in Stuttgart, er hat dort gerade Dub Plates aufgenommen. Mit Ben Weaver sind wir zusammen nach Amsterdam geflogen, weil er dort ein paar Konzerte hatte, und haben mit ihm dort aufgenommen. Joe Dukie war hier bei uns.

Florian: Wir haben aber auch einige Sachen zugeschickt bekommen.

Peter: Genau, ein paar haben wir zugeschickt bekommen.

Florian: Aber was wir jetzt nicht mehr machen werden; auf jeden Fall wollen wir jetzt immer dabei sein. Wir haben nämlich auch zwei, drei Stücke bekommen, die wir dann einfach nicht genommen haben. Weil wir gesagt haben, dass uns das alles vom Text und so weiter nicht gefallen hat. Also so eine eigene Präsenz ist schon wichtig, dass man das zusammen macht eigentlich.

Könnt ihr euch noch erinnern, an den Augenblick, ab dem das Album "Dust my Broom" hieß?

Florian: Der Album Titel "Dust My Broom", das kam eigentlich ehr so schleichend daher. Ich bin mal irgendwann über ein Stück von Elmore James gestolpert, das so heißt: "I belief I Dust My Broom". Ich hab eine Vorliebe für so Blues Metaphern, weil das sehr viele Bedeutungen haben kann. Man hat halt so noch überlegt; mein Gott es gibt so viele Möglichkeiten wie man ein Album nennen kann. Aber wie gesagt, gerade diese Vielschichtigkeit; jeder kann es sich ja für sich selber zurechtlegen, was der Sinn der Sache sein soll und das gefällt mir dabei. Es war nicht so wie ein Blitz, es waren so mehrere Optionen und das hat sich dann herauskristallisiert.

Was ist für dich die Hauptbedeutung von "Dust My Broom" wenn du sagst es ist für alles offen?

Florian: Am passendsten finde ich den Titel "Dust my Broom" für mich; man kehrt so seine Festplatte zusammen. Man hat dann die ganzen Musik oder Teile, die man so über die Zeit gesammelt hat am Besen hängen, so wie Staubfusseln. Das finde ich eigentlich eine ganz schöne Interpretation der Sache. Wir haben unseren Besen, wie sagt man...

Peter: Entstaubt

Florian: Entstaubt und das ist da hängen geblieben im letzten Jahr.

Gab es bei dieser Platte einen anderen Ansatz als bei der ersten Platte? Wolltet ihr anders rangehen an dieses Projekt?

Florian: Der Ansatz der Platte war auf jeden Fall anders als bei der ersten Platte auch. Erst mal war es zeitmässig gedrängter, und es ist natürlich auch immer ein Wandel im Bezug des eigenen Geschmacks ist ja auch noch da. Es war für uns eigentlich klar, nein nicht klarů Man redet eigentlich gar nicht offensichtlich drüber. Man hört nur Sachen, die einem gefallen. Es hat auf jeden Fall eine soulig, bluesigere Komponente und weniger so dubbig wie jetzt das Album davor. Weil halt Gesang mit dabei ist. Aber das sind Sachen, die man sich nicht so bewusst vornimmt. Das ist alles ein Prozess, so sehe ich das. Es wird nicht alles generalstabsmässig aufgeschrieben und dann machen wir das so. Die Sachen kommen ja so irgendwie zutage.

Peter: Das war überhaupt nicht klar letzten Endes, wo es wirklich dann lang geht. Unsere persönliche Vorgabe war auf jeden Fall, nachdem wir ein paar Remixes gemacht haben für Sänger auch; wo wir mehr mit Gesang gearbeitet haben, das wir auf dem Album auch mit mehr Gesang arbeiten wollen. Auch mal probieren wie das eigentlich funktioniert. Instrumentale Musik, die ja doch nach wie vor auf "One Chord" Basis funktioniert. Viele denken es ist viel mehr Song-Struktur da als früher - ist aber gar nicht. Es ist genau die gleiche Art und Weise wie vorher auch... als wir Instrumentalstücke produziert haben, nur dass sich die Sänger da viel mehr darauf eingelassen haben. Auch auf dieses Schweben von der Musik. Es ist immer sehr schwierig für Sänger auf eine nicht Gesangs-Struktur zu singen. Das heißt also keinen Vers zu haben, keine Bridge, keinen Refrainpart usw. Das hat eben dann doch letztendlich sehr gut funktioniert, zwar nicht immer, aber in den meisten Fällen gut funktioniert. Wir wollten das auch so halten und nicht einfach quasi "ABC" Musik machen.

Der Anspruch an die Sänger muss recht hoch gewesen sein, da ihr ihnen relativ wenig vorgegeben habt. Konnten sie die Musik auch richtig formen mit ihrem Gesang?

Peter: Sicher werden viele Sänger damit Probleme haben aber wenn du mal überlegst was Top Cat normalerweise macht oder eben Joe Dukie, die eigentlich alle in der Richtung arbeiten. Wir wussten schon, dass das ungefähr funktionieren könnte. Es ist selbst bei Willie Hutch so, oder bei Ben Weaver, dass die oft so "One Chord" bluesartige Sachen machen, von der Basis her also von der musikalischen Basis her. Da war schon ein Glaube daran, dass es funktioniert, aber man kann das nicht mit jedem Sänger machen. Was übrigens schade ist; wir hatten einige Sängerinnen auf der Liste mit denen keine Zusammenarbeit zustande gekommen ist. Was wir aber auch auf jeden Fall in der Zukunft noch gerne machen würden.

Das Album vermittelt, wie auch das erste, eine gewisse Erdung - eine Mitte. Wie habt ihr das geschafft?

Florian: Dass das Album so geerdet ist, hat damit zu tun - das ist das Gleiche wie beim ersten Album gewesen: Was nervt, fliegt raus. Wenn man was über Stunden hört und es nervt, oder soweit kommt es gar nicht, das fliegt dann nach ein paar Minuten raus. Das ist eigentlich das Auswahlverfahren. Was man lange hören kann, hat ein gewisses Wohlgefühl dabei, und das bleibt dann auch drin. Das ist glaube ich auch so eine Art und Weise, da wird sich auch wenn man so weiter Musik macht nicht viel dran ändern.

Braucht ihr keine musikalischen Ausbrüche?

Peter: Also es gibt da auch andere Sachen, die wir ausprobiert haben. Musikalische Ausbrüche, wie du es nennst, die wir dann vielleicht auch in Zukunft für andere Nebenprojekte verwenden. Also unter einem anderen Namen gibt's natürlich klar auch andere Ansätze. Es kann auch sein, dass es das nächste Mal wirklich etwas kantiger wird. Es ist wirklich letzten Endes eine Chemiesache zwischen uns, wie wir... zu welchem Zeitpunkt, zu welcher Jahreszeit wir hier zusammen sitzen und Musik machen. Man schlägt dann doch oft wieder in die gleiche Kerbe, aber es ist letzten Endes auch so... Es trägt unser beider Gesichter irgendwo und es hat auch, denke ich, ein Niveau, was wir beide auch nach außen vertreten wollen. Also jetzt wirklich herumexperimentieren, andere Sachen machen, denke ich, werden wir unter einem anderen Namen machen und veröffentlichen, unter anderen Umständen.

Florian: Genau (Lachen)

Wie hoch ist denn die Durchschnittsgeschwindigkeit von den Songs im Vergleich zum letzten Mal? Oder wie niedrig?

Peter: Ja, also es ist schon alles etwas... Nach wie vor, es hat schon einen entspannten Charakter bei manchen Stücken, aber es sind auch auf jeden Fall ein paar Stücke dabei die nicht schneller sind aber trotzdem viel mehr Energie haben, denke ich, als beim ersten Album. Oder auf jeden Fall viel energievoller rüberkommen. Wir haben ja auch schon ein paar Sachen im Club im letzten Jahr instrumental ausprobiert, bevor wir mit Gesang gearbeitet haben.

Florian: Aber es passiert alles natürlich, es ist nicht gewollt. Dass man sich da bewegt: Das ist so, das ist einfach so. Es geht nicht um Geschwindigkeit, oder jetzt Musik zu machen, um jetzt da verschiedene Tempis zu bedienen. Oder man macht da jetzt eine 200er Nummer mit 100 BPM und dann 110 BPM. Das kommt halt so raus wie man so auch seine Leibgerichte hat.

Was für Platten gab es, die in der Zeit zwischen "Satta" und "Dust My Broom" für euch wichtig waren?

Peter: Platten, die ich gehört hab zu dem Zeitpunkt als wir an "Dust My Broom" gearbeitet haben, waren gerade Willie Hutch Tracks, "The Mack" hab ich gerade da entdeckt. Also Willie Hutch Scheiben, das war zu jener Zeit auf jeden Fall ein Ding. Willie Hutch ist eigentlich, sagen wir mal so, der Vergessene. Der in Curtis Mayfields Schatten stehende, so sehe ich's. Er hat etwas sehr orchestrales, 70-er Soul Sound.

Florian: Das gibt jetzt nicht so Phasen wo ich jetzt speziell nur das oder das höre. Wirklich wichtig ist bei mir Stimmungsabhängig zwischen Jazz / Soul, altem Jazz und altem Soul. Auch Hip Hop irgendwie. Ich hör mich auch schon um, was es an neuen Produktionen gibt, in jeder Richtung. Ob des jetzt, was weiß ich von "Bugs in the Attic", irgendwie so englisches Zeug oder amerikanischer Hip Hop. Ich hör mich da gerne um und da bleiben dann immer so vereinzelte Tracks übrig, die man sich auch dann rauspickt zum Auflegen oder so mitnimmt. Letzten Endes ist das schon im großen Bereich Soul anzutreffen. D'Angelo hat ja jetzt in den letzten Jahren keine neue Platte herausgebracht. Das waren aber immer sehr wichtige Platten für mich.

Wird es in Zukunft Boozoo Bajou live geben oder wird es weiter beim DJ-ing bleiben?

Peter: Also ob es uns Live geben wird, war über die letzten 5 Jahre immer ein Thema. Wir hatten jetzt auch interessante Gespräche mit Kollegen, die an Live Projekten rumprobieren, beziehungsweise da jetzt Part X machen und wir wollen uns das jetzt auch bei denen anschauen, wie das bei denen funktioniert. Das große Problem ist einfach nach wie vor, dass in der Szene in der wir uns aufhalten; es ist ja doch noch ein bisschen im Independent Bereich. Eigentlich kann kein Veranstalter eine 8-Mann Band bezahlen, beziehungsweise wir wissen nicht, wie wir das finanzieren sollen. Ein halbes Jahr zu proben und dann auf Tour zu gehen, und heimzukommen und hier nahtlos im Studio zu arbeiten. Wir haben uns doch da entschlossen letzten Endes wieder mehr im Studio zu arbeiten, und als DJ Team und mit erweitertem Soundsystem, also mit Gesang, mit Gastsängern oder Gast MC's zu arbeiten, als sich da jetzt wirklich so reinzuhängen. Es sieht nicht so aus in den nächsten 1-2 Jahren, dass wir als Live Band unterwegs sind.

Was habt ihr in letzter Zeit so beim DJ-ing erlebt?

Florian: Was wir erlebt haben so auflegemässig, es ist natürlich immer sehr verschieden, je nachdem in welchen Örtlichkeiten man das auch macht. Was uns jetzt vor gut einem Jahr sehr gut gefallen hat war, bei Francois Kevorkian im Deep Space in New York, der immer Montags diesen Club hat. Das ist diese ganze Atmosphäre in diesem Laden, wo man merkt das da eigentlich so was wie... Also es gibt keinen Druck das da was passieren muss. Das jetzt sofort die 120 oder 130 Beats ausgepackt werden müssen, damit irgendwelche Reaktionen kommen. So ein Gefühl von absoluter Freiheit, bei dem was jetzt laufen könnte. Das war eigentlich so eins der
herausstechendsten Erlebnisse so in letzter Zeit.

Peter: Wir waren ja jetzt vor 2 Wochen auch noch mal da und es ist schon immer sehr schön da. Speziell die Veranstaltung von Francois. Der hat natürlich auch sein Publikum dahin erzogen alles zu spielen, ohne Angst davor, dass es jetzt irgendwie einen Tempoeinbruch oder Soundeinbruch oder sonst was gibt. Man kann wirklich seine Musik spielen die einem wirklich gefällt, und es wird auch entsprechend honoriert. Das ist schön. Es gibt immer wieder Abende wo das manchmal nicht so gut funktioniert, wo sich die Leute bestimmte Unterhaltung erwarten, oder so was. Es ist uns in der Regel eigentlich egal. Es gibt jeden Abend DJ Gigs und man kann hingehen wo man will. Bei uns geht es einfach darum, dass wir Platten auswählen, zu denen wir selber auch einen Bezug haben. Ohne jetzt darauf Bezug nehmen zu wollen, ob das funktional ist.

Welches Genres sind es, die ihr auflegt: Blues, Hip Hop, oder ist da Soul dabei?

Florian: Möglich ist alles. Man hat da natürlich seine Vorlieben. Mir gefällt momentan echt viel Hip Hop aber es können wie gesagt auch alte 70er Dub Schleicher sein oder alte Soul Nummern.

Peter: Vor allem die Hip Hop Nummern, die du dabei hast sind eben dann auch blueslastig oder soullastig. Es hat immer einen Bezug eben zu ... Wie du sagst, es ist sehr blues oder soullastig. Ich würde schon sagen, egal ob das jetzt moderne, aktuelle Produktionen sind oder wir alte Sachen auflegen. Es ist schon soul- oder blueslastig.

Wird es beim neuen Album wieder so sein, dass ganz viele Sachen auf Compilations landen, wie beim letzten Mal? Es gab ja angeblich über 100 Compilations die Boozoo Bajou Tracks vom Album "Satta" hatten?

Florian: Ob die Stücke jetzt wieder auf Compilations kommen wie beim ersten Album, das können wir jetzt nicht einschätzen. Dazu muss erst mal das Album heraus kommen und...
Ich weiß es nicht es ist schon wieder so lange her, 2001 kam das Album raus, das letzte, und jetzt ist 2005 und da hat sich einiges getan. Das ist für uns auch spannend zu sehen, wie sich das jetzt entwickelt, oder wie Leute das überhaupt... Wie das ankommt ganz einfach.

Peter: Ich glaub auch, ohne da jetzt schwarz malen zu wollen, oder so was. Ich bin da ja immer etwas... ich geh da ja immer etwas pessimistischer an die Sache ran und freu mich dann wenn es sich besser entwickelt. Aber diese guten Zeiten vor 3 - 4 Jahren, wo es eben auch so viele Compilations gab...
Ich glaub nicht das es in den nächsten Jahren noch so viele geben wird. Es werden noch ein paar auf dem Markt bleiben, die sich gehalten haben über die letzten 10 Jahre, wo wir da schon hoffen, dass wir da das eine oder andere Stück drauf haben. Keine Ahnung, das entscheidet ihr dann.

Könnt ihr was zur Bereinigung des Down-Beat Marktes sagen, der über die letzten Jahre stattgefunden hat?

Florian: Auf jeden Fall hat die Reinigung des Marktes etwas für sich. Es ist natürlich auch eine Trend Geschichte. Jetzt schreit jeder nach Gitarre und 80-er Elektronik... solche Geschichten. Ich sehe so was sehr wellenförmig. Ich sehe da jetzt keinen Grund mich da jetzt mal zu verbiegen. Es kommt alles früher oder später wieder zurück. Wenn mir was gefällt; so wie ich es mach, muss ich das nicht ändern nur weil von außen es jetzt irgendwelche Leute sagen: das ist jetzt nicht so gefragt ist. Dann würde ich das nicht so als künstlerischen Aspekt sehen, wenn ich mich nach dem Markt richten würde.

Wer ist bei euch sozusagen ein "geschätzter" Kollege?

Peter: Was jetzt auf jeden Fall ganz aktuell ist... worauf wir uns alle gefreut haben, ist das Fat Freddy's Drop Album. Was eigentlich schon so geworden ist wie man es sich erhofft hat. Eben auch jenseits jeglicher Trends, sehr atmosphärisch, fast jazziger...Also ich hab gehofft, dass es so wird. Es ist sehr schön geworden. Das ist auf jeden Fall ein sehr schönes Album.

Florian: David Holmes ist da jemand. Auch wenn es da kein aktuelles Album gibt. Aber jetzt diese Soundtracks, das ist absolut etwas was mir und auch uns sehr gut gefällt. Wo eigentlich auch schon... der hat natürlich auch so ein 60-er Jahre Faible...hat es sich da einverleibt und probiert es auf seine Art und Weise umzusetzen. Ich finde das sehr gelungen.

Interview: Ralf Summer (07/2005)
Foto: Tibor Bozi