Skaramanga im Interview

Skaramanga

Skaramanga

Francisco Scaramanga hieß der von Christopher Lee verkörperte Widersacher von James Bond in “Der goldene Colt” von 1974. Ein düsterer und zugleich smarter Antagonist, den man gerne als Namensgeber heranziehen kann. Also wird das “C” zu “K” und die Grundstimmung wandelt sich ins Genegenteil: Skaramanga! Die Band aus Hamburg ist seit mehr als 15 Jahren unterwegs und versorgt vor allem den Norden mit kraftvollem, buntem Ska. Wer sie einmal live erlebt hat, kann sich ihrem Charme kaum entziehen. Ein Interview mit Flo (Keys) und Christian (Drums).

Wie kommt eine Band aus Hamburg auf Ska? Was waren eure unmittelbaren musikalischen Vorbilder?

Flo: Die Ursprungsbesetzung ist quasi bei einer „Schnapsidee“ vor fast 20 Jahren entstanden. Der damalige Frontmann war und ist Rudeboy, was den Überlieferungen zu Folge dafür sorgte, Ska zu machen.
Über die Jahre sind immer wieder Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen dazu gekommen und mit diesen Menschen natürlich auch verschiedenste Einflüsse. So sind einzelne Musiker zwischenzeitlich immer mal wieder u.a. mit Roger Cicero, Xavier Naidoo, Samy Deluxe oder Sarah Connor im Studio oder auf Tour aktiv. Unmittelbare musikalische Vorbilder sind also schwer einzugrenzen.
Da wir uns nicht als „klassiche Skaband“ verstehen, und man das auch in den Songs hört, sind wir sehr dankbar und auch immer wieder über die Offenheit der Szene und das positive Feedback überrascht.

Insgesamt dominiert bei euch der 2 Tone Ska britischer Prägung. Worin liegen aus eurer Sicht die Stärken dieser Spielart gegenüber der originalen, jamaikanischen Version?

Flo: Ist das so?! Vielleicht ist uns die Kultur einfach näher als die der Freunde von der Karibikinsel. Es geht doch immer um Authentizität. Wenn du machst worauf du Bock hast und was dich berührt, dann merken das die Hörer bzw. das Publikum. Wir machen uns nicht viel Gedanken, was wem wie gefallen könnte und ob man Dieses oder Jenes machen darf oder kann. Wir sind alle große Kinder! Alles ist erlaubt und der Ska bietet durch seine Toleranz und die Nähe zu anderen Musikstilen einen großen Spielplatz.

Anders als bei vielen anderen Skabands habt ihr es nicht so mit politischen Botschaften. Woran liegt das?

Christian: Mein Interesse und Blick auf die Welt ist der Mensch, das Menschliche. Die Sorgen, Fehleinschätzungen und verborgenen Motivationen für Verhalten. Politik ist nur eins der Spielfelder auf denen wir uns bewegen (und nicht immer unbedingt das Interessanteste). Der Spielmacher in der Politik ist überwiegend nur das persönliche Interesse Einzelner. Und da sind wir wieder beim Menschen. Politische Botschaften hätten wir durchaus, aber wir überlassen das lieber Anderen. Im Übrigen ist Ska-Musik schon eine Art politische Aussage. Oder wie heißt es doch gleich in „Ska Ska“ : „People black and white, proudly unified they all are dancing to the beats..“.

Skaramanga ist schon seit mehr als 15 Jahren unterwegs. Eine lange Zeit! Wird man da nicht auch mal müde und möchte das musikalische Genre komplett wechseln?

Christian: Ska ist die Musik, die wir spielen wollen. Da wir immer auch andere Einflüsse zulassen und umsetzen, besteht bei niemandem der Wunsch nach einem Genrewechsel.

Ihr mischt immer wieder gerne Einflüsse anderer Musikstile in euren Mix mit ein. So kracht bei „Life Got A Plan In You“ ein mächtiges Gitarrensolo in den Song, der insgesamt eh viel Rock enthält. Purismus ist also nicht unbedingt eure Sache, oder?

Christian: Unsere Musikrichtung ist, wie gesagt, Ska. Darauf fußt unsere Musik. Das ist die Basis. Von der Basis kann sich die Musik auch mal entfernen. Aber sie kehrt immer wieder nach Hause zurück.
Unser Stil ist es nicht, unbedingt andere Musikrichtungen einzubinden: So nach dem Motto: „Oh, das ist ja ein reiner Ska-Song. Lasst uns unbedingt irgendwie noch Rock und Jazz unterbringen“. „Life Hot A Plan In You“ ist tatsächlich, was Stilbindung angeht, ein gewagter Song. Ein Experiment. Aber uns ist es wichtig auch mal etwas zu wagen. Der Ska hält das aus!

Wie läuft es bei euch, wenn neue Songs entstehen? Gibt ein Bandmitglied die Richtung vor oder entsteht alles im Kollektiv?

Christian: Die meisten Songs schreibe ich, die ich dann mit Florian vorproduziere. Von diesem Demo ausgehend erarbeitet die Band dann die finale Version.

Was hat es mit dem roten Anzug auf sich, den Redman bei Auftritten trägt? Immerhin habt ihr der Klamotte mit „Man With The Red Suit On“ einen Song gewidmet.

Florian: Hier ist natürlich Platz für große Geschichten und fantastische Anekdoten. Gibt aber keine. „He´s the man with the red suit on“…das wars.

Die Basis der Band ist in und um Hamburg. Was war das am meisten entfernte Konzert eurer bisherigen Bandgeschichte?

Florian: Das steht uns noch bevor. Wir planen derzeit beim Northern Ska Festival zusammen mit u.a. „The Selector“ und „The Beat“ in Manchester zu spielen. Was nach Gigs mit den Busters, Mark Foggo und No Sports der nächste Meilenstein wird.

Christian: Also war es Kiel…!?

Gerne frage ich nach Anekdoten, die während des Tourens entstanden sind. Gibt es bei euch skurrile oder lustige Geschichten zu erzählen?

Florian: Eigentlich bei fast jedem Konzert, wenn man mal ehrlich ist und eine Kamera aufstellen würde, gäbe es sicher jedes mal etwas zu lachen. Kennst du das Buch „Fleisch ist mein Gemüse“…bestimmt oder!?

Euer aktuelles Album „Hey You!“ stammt von 2015. Ist aktuell ein neues Werk in Mache? Was ist in der Pipeline für 2017?

Florian: Wir haben genug neue Songs für zwei neue Alben. Allerdings haben wir das Gefühl, dass „Hey You!“ gerade live noch potential hat und noch von einigen Ohren und Augen genossen werden muss. “Hey You!” ist ja auch nur ein Teil unserer Liveshows… Neue Songs sind ebenfalls immer dabei. Dazu kommt die eine oder andere Hommage an Bands aus der Szene. Wer also etwas Neues hören will, hat live immer die Möglichkeit. Dazu kommt, dass Skaramanga für uns alle ein großes Hobby ist. Deswegen gestaltet sich die Studioarbeit auch zeitlich sehr schwierig. Immerhin hat die erste Platte gute 15 Jahre gedauert. Aber keine Angst, wir haben ein gutes Gefühl dass der Nachfolger nicht so lange auf sich warten lässt…


Interview: Karsten Frehe (12/2016), Foto: Frank Schwichtenberg

www.skaramanga.de

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About Karsten

Founder of the Irie Ites radio show, author, artteacher and (very rare) DJ under the name Dub Teacha. Host of the "Foward The Bass"-radioshow at ByteFM.