Ostroda Reggae Festival 2017 – Highlights #2

Ostroda Reggae Festival

Nachdem in Teil 1 des Highlightberichts Donnerstag und Freitag beschrieben wurden, geht es nun mit Samstag und Sonntag weiter. Das Festival ist einfach zu vielseitig und gut, um es kurz umreißen zu können. Wichtig ist vor allem der Samstag, denn hier werden beim Ostroda Reggae Festival gerne internationale Headliner präsentiert, die mächtig Publikum anziehen.

Samstag 12.8.17

In diesem Jahr standen neben Shaggy u.a. The Skints und Dreadzone auf der Mainstage. Jemanden wie Shaggy einzuladen macht sicher auch Sinn, um Urlauber als Tagesgäste anzuziehen, die zu dieser Jahreszeit in der Gegend um Ostroda unterwegs sind. Dabei dürfte es vor allem sein Megahit “Boombastic” sein, der seit Mitte der 90er Jahre außerhalb der Szene in den Köpfen herumschwirrt. Zu seinem Auftritt komme ich später.

Eine persönliche Neuentdeckung war für mich die australische Band Kingfisha. Klanglich sind sie in der Schnittmenge zwischen Fat Freddys Drop und The Black Seeds angesiedelt: “Pacific Soul” kann also gerne als Etikett herangezogen werden. Kingfisha verbinden gekonnt Reggae, Dub und Soul. Ihr Album “Offered It Up” aus dem vergangenen Jahr sei jedem Fan der beiden oben genannten Referenzen mächtig ans Herz gelegt. In Ostroda verzauberten sie vor allem durch ihre unaufgeregte Leichtigkeit. Selten habe ich so mächtige Sounds derart entspannt präsentiert bekommen.

Auf der “Green Stage” tobte sich zu dieser Zeit Mack aus. Als Labelbetreiber von Moonshine Recordings hat er ein facettenreiches und nicht selten experimentelles Repertoire von Artists wie Bukkha, Radikal Guru und Violinbwoy im Kasten. Mächtige Bässe selbstverständlich inbegriffen!

Direkt nach Kingfisha betraten die Skints aus London die Bühne und verzauberten im Handumdrehen das Publikum. Wer Irie Ites öfter besucht, dürfte schon bemerkt haben, dass ich ein absoluter Fan dieser britischen Band bin. Dabei überzeugt neben der stilistischen Bandbreite vor allem die Ausstrahlung und das Können der vier Bandmitglieder. Im Zentrum des Auftritts stand das herausragende Album “FM”, das ihnen weltweit eine immer größer werdende Anhängerschaft beschert.

Shaggy lieferte genau das ab, was man von ihm erwartet. Zentraler Satz seines Auftritts war: “I want a polish woman in my bed”. Und so schmeichelte er sich vor allem beim weiblichen Publikum mächtig ein und lieferte Hit an Hit ab. Musikalisch war das alles nicht besonders anspruchsvoll, aber egal. Er wurde frenetisch vom zahlreich erschienenen Publikum gefeiert. Insofern ging die oben angeführte Strategie, mit seinem Namen Tagesgäste anzuziehen, offensichtlich auf.

Viel spannender war allerdings der parallel stattfindende Auftritt von Rootsman meets Inspirational Sound auf der kleineren Bühne. Der britische Dubveteran hatte ein Kaleidoskop an Tunes aus seiner über 30 jährigen Karriere zu bieten. Mal mehr und mal weniger Dub. Schade war nur, dass gemunkelt wurde, er würde nach dieser Show mit Liveauftritten aufhören. Insgesamt war sein Set die ideale Einstimmung auf den absoluten Headliner des Abends: Dreadzone.

Mit ihrem Album “Dread Times” meldete sich die britische Formation um Greg „Dread“ Roberts kürzlich zurück. Die Mischung aus Dub, Elektro und Reggae begeistert schon seit über 20 Jahren die Szene. In Ostroda überzeugte vor allem die Kombination von dem ekzentrisch auftretenden Greg „Dread“ Roberts und Earl 16. Die beiden Stimmen passen einfach prima zusammen. Auffällig war bei diesem Auftritt auch der hervorragend abgemischte Sound der Band. Tunes wie “Rootsman” und “Mountain” vom neuen Album wurden so, nebst anderen, zu psychedelischen Erfahrungen. “When you reach the top, don’t stop… start again”!

Sonntag, 13.8.17

Am Sonntag standen mit Vavamuffin, Tabu und Mesajah gleich drei hochkarätige polnische Acts auf dem Programm. Die Auftritte von allen drei Bands wurden vom Publikum frenetisch gefeiert. Wer nicht dabei war, wird sich das kaum vorstellen können. Lauthals wurden die Lieder mitgesungen und bis in die letzten Reihen auf dem Platz dominierte ein breites Grinsen die Gesichter aller anwesenden großen und kleinen Fans.

Nach dem Auftritt von Tabu stand mit Big Youth das internationale Highlight des Tages auf der Mainstage an. Der Deejay-Veteran aus den 70er Jahren hat bis heute nichts von seiner Kraft verloren. Besonders interessant an seinem Auftritt war, dass er die Band in Sachen Lautstärke und Wucht fast die ganze Show hindurch reduziert hat. Dadurch entstand nicht nur das leiseste Konzert, was mir je auf einer Hauptbühne begegnete, sondern auch eine der intimsten Performances. Weniger ist eben doch manchmal sehr viel mehr. Beeindruckend!

Wichtig ist zum Abschluss auf jeden Fall ein Eingehen auf die Reggae-Universität (“Uniwersytet Reggae”) die von Freitag bis Sonntag für jeweils ca. drei Stunden im Amphitheater der Stadt angeboten wird. Das Programm beinhaltete in diesem Jahr jeweils einen Vortrag sowie einen Dokumentarfilm pro Tag. Eine gute Idee, um dem Ganzen eine inhaltliche Unterfütterung zu geben. Am Freitag wurde in diesem Rahmen die Ausstellung “The 19th Art Of Reggae” mit Plakaten eröffnet, die weltweit entstanden sind. Zudem gab es Vorträge über die Geschichte des Reggaes in Deutschland und einen Gastauftritt von Carolyn Cooper, der allerdings etwas oberflächlich ausfiel. Besonders in Erinnerung bleiben wird aber sicher das Screening der Doku “Kingston Crossroads”. Im Anschluss ergab sich im Beisein von Jonas Schaul und Stephen Newland eine lebhafte und inhaltlich tief gehende Reflektion über die Entstehung und Inhalte des Films sowie über mögliche Perspektiven. Hier war vor allem das von Stephen Newland mit initiierte Projekt “Chant And Plant” von großem Interesse. Ein großer Dank gebührt Bartosz Wójcik, der als Host souverän und inhaltlich versiert die Reggae-Universität erneut zu einem bedeutenden Bestandteil des Festivals gemacht hat.

Text und Fotos: Karsten Frehe

 

Karsten

About Karsten

Founder of the Irie Ites radio show & the Irie Ites Music label, author, art- and geography-teacher and (very rare) DJ under the name Dub Teacha. Host of the "Foward The Bass"-radio show at ByteFM.