New Kingston beim Reggae Jam 3.-5.8.18

New Kingston im Line Up in Bersenbrück – diese Auswahl überrascht? Das RJ Festival stand in den Jahrgängen 2015, ’16, ’17 doch mehr für die Future Generation of Jamaica und für die ganz langlebig aktiven Bands und Sänger.

Was machen sie?

Doch diese Gruppe lässt auf einer Grundstruktur von Stepper Style ihre Jojo-Beats auf und ab schwingen, ohne sich um die Geschichte der Musik groß einen Kopf zu machen. Eine Party-Band? Auf keinen Fall einseitig das, denn auf dem aktuellen Longplayer “A Kingston Story” geht es auch um “Meditation”, darum “Negativity” beiseite zu lassen und den “head up to the sky” zu richten, wie eine weibliche Stimme in einem Jazz-Intermezzo auf afrikanischem Trommelrhythmus uns in die Ohren flößt. Wir fühlen uns gut auf der Yoga-Decke beim Zuhören.

“Inhale exhale inhale exhale exhale”, das bezieht sich hier hoffentlich nicht nur auf Kräuter und Gräser, sondern allgemeiner. Vielleicht ein frommer Wunsch meinerseits. Das Thema Hanf ist ihnen in vielen Songs einige Zeilen wert. Andererseits frage ich mich, wie dieser “überproduzierte”, glatte Studio-Sound live funktioniert.

Sind sie live gut? (Video s.u.)

Das Interessante ist, dass die Band live beim Ostróda-Festival letztes Jahr einen sehr guten Eindruck gemacht haben soll, wie hier auf Irie Ites berichtet. Die leicht überproduzierten Studio-Sounds kann ich mir live nicht vorstellen, deshalb bin ich auch erst mal online gegangen und habe nach Auftritts-Videos geschaut.

Haben sie coole Songs?

Ja, ein paar (ein Bsp. s.u.). Aber auch ein paar unentschlossene Songs…. Was sie gut können, ist à la Raging Fyah ein Bass- & Beats-Korsett über viele Minuten lang aufrecht erhalten und eine trance-artige Stimmung zu erspielen. Was sie besser können als Raging Fyah, ist Zusatzeffekte in die Musik hinein zu komponieren, die das Ganze fluffig und überraschungsreich machen. Und melodiös.

.Sie klingen fetter und härter, wenn man sie z.B. mit Mellow Mood vergleicht. Sie klingen eine Spur nach Common Kings, nach Morgan Heritage, diese Richtung. Eine Parallele gibt es da schon nach Jamaika: Blvk H3ro, Royal Blu, Leno Banton, zumindest darin, wie sie “verscratcht” klingen wollen.

“A Kingston Story” ist das dritte Album und erschien vor Kurzem.

Einige junge Jamaikaner drängt es nach New York – New Kingston zieht es von New York nach Kingston.

“Righteous is the way, People want you follow us? Break down every day, break down every barrier!”

heißt es auf dem aktuellen Album.

Der Vorgänger “Kingston City”, in dem sie zwar ebenso explizit auf Kingston Bezug nahmen ohne dass man davon Spuren in der Musik findet. Ich müsste ihre Musik als Funk-Fan super finden, wenn man manche Tracks heranzieht.

Ich bin zwar gespannt, wie viele Teile des restlichen Publikums das genauso empfinden wie ich –

Das Album “Kingston City” erschien Ende 2015.

für mich ist die Entscheidung des Sheriffs von Bersenbrück super, diese Band herzuholen. “Love is the only solution, it’s the healing of the Nation” – textlich bieten das viele Bands an, aber es wird wohl musikalische und organisatorische Gründe geben, die den Ausschlag für die eine oder andere Band geben.

Text: Philipp Kause / Fotos: reggaejam.de / Karsten Frehe

Mehr Info: https://www.reggaejam.de/artists2018/new-kingston/

Philipp Kause

About Philipp Kause

Philipp hat Musikethnologie studiert und verschiedenste Berufe in Journalismus, Marketing, Asylsozialberatung und als kaufmännischer Sachbearbeiter ausgeübt – immer jedenfalls stellt er Menschen Fragen. Er lebt zurzeit in Nürnberg, wo er die Sendung „Rastashock“ präsentiert, die seit 1988 auf Radio Z läuft.