Peter Schlacks im Interview

Neues aus Berlin! Mit dem Danger Mouse Riddim meldet sich Hardy Digital von GuerillJah Productions zurück. Ein digitaler Riddim der ganz und gar in die Zeit passt – reduziert und direkt. Auf der A-Seite ist Longfingah zusammen mit Tonto Addi zu hören. Mit “Raggamuffin Authority” setzen sie eindrucksvoll ein Zeichen für die Tanzhallen der Welt. Auf der B-Seite debütiert Peter Schlacks auf Vinyl. Sein Tune “Frische Luft” dreht sich um das Fahrrad-Fahren und präsentiert den Berliner frisch mit kecker Schnauze. Hinter Peter Schlacks verbirgt sich Nils Kersten, Kopf von Houseofreggae.de. Zuvor hat er bereits als Socialdread vor dem Mikro gestanden. Anlässlich des Vinyl-Debüts haben wir ihm ein paar Fragen gestellt.

Du hast eine ganze Weile als Socialdread am Mikro gearbeitet. Warum jetzt die Änderung des Alter Ego zu Peter Schlacks?

Na ja, als Socialdread habe ich vor allem für meinen Blog geschrieben und weniger am Mikro gemacht. Irgendwann kam ich auf den Trichter: Hey, du brauchst einen coolen Namen, den sich die Leute merken. Dann hab ich mich Socialdread genannt, angelehnt an meinen verstorbenen schwedischen Freund Internal Dread. Über die Jahre habe ich festgestellt, dass ich kein Socialdread bin. Das klingt einfach zu mächtig. Da passt so ein selbstironischer deutscher Name wie Peter Schlacks halt besser. Wer mich kennt, weiß und sieht das. Ich hätte auch meinen eigenen Namen nehmen können, aber das klingt wie Liedermacher mit Gitarre. Das bin ich nicht.

Auf deiner Seite Houseofreggae.de habe ich gesehen, dass es gerade in Berlin anscheinend in letzter Zeit einen enormen Push in Sachen digitaler Riddims und Rub-A-Dub-Toasting gegeben hat. Wie erklärst du dir das?

Wir haben einfach enorm viel Potential hier. Hotta Henne und Hardy Digital produzieren dufte Riddims und haben eigene Labels, Hotta Riddims und Guerilljah Productions. In keiner Stadt gibt es so viele talentierte MCs und Sänger wie in Berlin. Spezielle Anfrage an Longfingah, Tonto Addi, Likkle Ferguson, Yugo, Mehdiman. Und ich bin ganz sicher, dass hier noch mehr Talente schlafen. Zumindest tauchen ab und an welche bei den Sessions auf, wie neulich O.B.1. Der hat schon vor Jahren mit Ganjaman Mucke gemacht und hatte halt mal wieder Bock. Seit ein paar Monaten veranstaltet Hotta Henne mit ein paar Jungs die „Hotta Riddims & Friends“-Reihe, zu der er schon Tenor Youthman aus Moskau und George Palmer aus Spanien eingeladen hat. Das findet sich gerade alles und ich hoffe, dass es weiter wächst. Wichtig ist natürlich, dass das dokumentiert wird und verbreitet wird, und da komme ich mit meinem Blog ins Spiel. Und manchmal greife ich auch zum Mikrofon, wenn ich in Stimmung bin beziehungsweise mich traue.

In deinem Song geht es um das Fahrrad-Fahren. Ist der Drahtesel dein persönlicher Favorit, wenn es um die Fortbewegung geht?

Absolut. Ich hab schon vor 20 Jahren in der Abi-Zeitung mit meinem Diamand-Rad posiert. In Berlin fahr ich fast überall mit dem Rad hin, auf jeden Fall jeden Tag zur Arbeit. Anfang des Jahres musste ich wegen einer Knie-OP längere Zeit U-Bahn fahren. Das hat mich fertig gemacht. Raus aus der Wohnung, rein in die U-Bahn, rein ins Büro, rein in die U-Bahn. Kein Tageslicht, alles eng. Die U-Bahn ist toter Raum. Nach acht Stunden im Büro muss ich mich bewegen und frische Luft haben, soweit die Luft in Berlin frisch ist. Auf dem Fahrrad fühl ich mich frei. Da kommen mir die besten Textideen, da singe ich auf dem Weg nach Hause auch mal laut. Wunderbar.

Was sagt denn dein Kumpel Pupa Sock zu deinen Ausflügen als Peter Schlacks?

Der versteht vollkommen, dass sich sein Manager auch mal ausprobieren will. Hauptsache, ich vernachlässige sein Management nicht, sagt er.

Wie fühlt es sich an, das erste Vinyl mit einem eigenen Song in den Händen zu halten?

Irre. Das fühlt sich irre an. Es ist ja nicht einfach nur mein erstes Vinyl. Auf der A-Seite ist Longfingah drauf, mein Deejay-Idol. Durch ihn habe ich diesen Rub-a-Dub-Stil erst kennengelernt. Das war in den 2000er Jahren, als er regelmäßig mit Wood In di Fire im Schokoladen in Berlin gespielt hat. Und jetzt teile ich mir mit ihm und dem großartigen Tonto Addi eine 7inch. Wahnsinn. Außerdem freu ich mich riesig über das Vertrauen, das mir Hardy Digital entgegengebracht hat, als er den Tune mit mir gemacht hat. Und über die Unterstützung von buyreggae.com, die die Pressung erst möglich gemacht haben. Das ist alles nicht selbstverständlich.

Was steht nach dem Song „Frische Luft“ an? Sind weitere Projekte in der Pipeline?

Es gibt schon zwei etwas konkretere Projekte, über die ich aber noch nicht viel sagen kann. Wenn ich in letzter Zeit etwas gelernt habe, dann, dass du als Künstler sehr viel Geduld brauchst. Grundsätzlich hab ich Bock drauf, neue Sachen auszuprobieren. Instrumentale zu reiten, auf denen du eher selten deutsche Künstler hörst. Auf jeden Fall wird es deutsch bleiben. Das ist meine Muttersprache, darin kann ich mich am besten ausdrücken und das Potential ist noch lang nicht erschöpft.

Interview: Karsten Frehe (08/2018)

GuerillJah Productions

Karsten

About Karsten

Founder of the Irie Ites radio show & the Irie Ites Music label, author, art- and geography-teacher and (very rare) DJ under the name Dub Teacha. Host of the "Foward The Bass"-radio show at ByteFM. And, most of all, father of three wonderful kids.