Akae Beka „Hail The King“ (Higher Bound Productions)

Akae Beka
„Hail The King“
(Higher Bound Productions – 2019)

Beschleunigung, Trends, ständige Erreichbarkeit und audiovisuelle Überflutung, die eine mentale Hygiene unmöglich machen – kurzum, die Lasten der Moderne, ihre ganze Heuchelei und geistige Leere.  All das, und noch viel mehr, wurde im neuen, bereits achtem Album des ehemaligen Midnite-Sängers Benjamin Vaughn, der jetzt solo als Akae Beka unterwegs ist, ganz einfach durchs Fenster geworfen. Stattdessen wird der Hörer in eine mystische Dimension hinein gesogen, wo ohrenbetäubende Bassgitarrenläufe und hypnotische Rhythmen den Ton angeben.

Akae Bekas Chanting-Stil ist unverwechselbar in seiner Wirkung und hat, auch nach so vielen Jahre und Alben, immer noch die gleiche Strahlkraft beibehalten. Er ist hier (wieder mal) der weiße Buschmann, der edle Wilde, der den modernen Lifestyle bis ins letzte Detail durchschaut hat. Einer der Babylons Tücken und Fallen erkannt und allein mit seiner Existenz entblößt hat. In seinen Lyrics umreißt er – auch diesmal wieder – eine ganze Reihe an menschlichen Grausamkeiten gegenüber sich selbst und der Umwelt. Und setzt diese in einen zeitlosen kosmischen Kontext. Ihm ist nichts verborgen geblieben, von der Alpha bis zum Omega – oder er gibt in seinen Texten zumindest den Anschein, dass es so ist. Aber wie soll man einem das alles nicht abkaufen, der mit solch einer Überzeugung auftritt?

Eine Exklusivität im Vergleich zu Akae Bekas früheren Solo-Alben bietet „Hail The King“ auch. Für die Aufnahmen der zehn neuen Songs hat sich die alte Midnite-Crew in dem Higher Bound Studio wieder zusammengefunden. Und es scheint so, als hätte ihnen die Auszeit gutgetan, denn in ihren letzten gemeinsamen Alben haben sie gewisse Ermüdungserscheinungen gezeigt. Was auch nach einer Diskografie mit über sechzig Titeln nicht verwundert. Davon ist hier nichts zu hören und nicht umsonst werden hierbei Parallelen zu ihren ersten Alben wie „Ras Mek Peace“ oder „Unpolished“ gezogen, die mit ihren minimalistischen, Trance induzierenden Paleo-Reggae so anders und diametral entgegengesetzt zu dem waren, was sonst damals um die Jahrtausendwende üblich war.

Auf „Hail The King“ zelebrieren die Jungs von der karibischen Insel St. Croix diese Kunst wieder. Die Rhythmus-Gitarre reibt stetig wie ein hölzernes Guiro-Instrument und die Beats schweben förmlich im Offbeat. In „Estevanico“ zum Beispiel wird ein, ansonsten tanzbares Tempo in einen magischen Rhythmus umfunktioniert – so als wollten sie der Welt selbst die Geschwindigkeit raus nehmen. Ja, die alten Schlitzohren beherrschen alle Stillagen und wissen genau, wie sie etwas anstellen müssen. Die Basslinien wälzen sich währenddessen hin und her in ihrer Schwere. Das Ganze wird gelegentlich mit weichen Bläsersätzen und breiten, gleichmäßigen Keyboardflächen angereichert. Oder aber, es wird beiläufig sanft an der Akustikgitarre gezupft. Es hört sich nicht nach viel an. Und doch ist es mehr als genug, um daraus ein sehr tiefgründiges und inniges Reggae-Album zu machen, das die Welt ein wenig besser erscheinen lässt.

Zvjezdan Markovic

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About Zvjezdan Markovic

Immer auf der Suche nach neuen und alten Sounds, hat aber auch seit über 10 Jahren die schlechte Angewohnheit, darüber zu schreiben. (E-Mail zvjezdan[at]irieites.de)