Manjul „Dub to Mali Season 3 – Douba“ (Baco Records)

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Manjul
„Dub to Mali Season 3 – Douba“
(Baco Records – 2019)

‚Where is Manjul?‘ – erschallt aus dem Off die Frage aller Fragen gleich zum Beginn der neuen, mittlerweile dritten Folge seiner „Dub to Mali“-Serie. Ja, wo ist er denn? Die Antwort folgt kurz danach: ‚Inna Africa!‘ Der malisch-französische Produzent und autodidaktischer Multiinstrumentalist Julien Souletie alias Manjul hatte irgendwann genug davon, nur über die Rückkehr nach Afrika zu singen. Also packte er seine sieben Sachen und zog nach Mali. Geführt von Bob Marleys Vorhersage, dass wenn Reggae einmal Afrika erreicht, wird es in eine ganz neue Dimension übergehen, eröffnete er nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Hauptstadt Bamako ein Tonstudio. Ein analoges achtspuriges Aufnahmestudio, das er auf den Namen Humble Ark tauft und machte sich daran, Marleys prophetische Worte in die Tat umzusetzen – vor Ort quasi.

Julien Souletie AKA Manjul

Er arbeitete seitdem mit afrikanischen Reggae-Größen wie Tiken Jah Fakoly und Takana Zion, aber auch mit malischen Musik-Legenden wie Amadou & Mariam. Auch europäische Künstler und Bands wie die französische Band Danakil, griffen schon mal auf seine Produzenten- und Mischkünste zurück. In dieser dritten Folge der „Dub to Mali“-Reihe, die den Titel „Douba“ trägt, wird der Schwerpunkt auf Gesang und Texte gelegt um Manjuls exotischen Mix aus jamaikanischer und west-afrikanischer Musik für breitere Hörerschaft noch zugänglicher zu machen. Neben den Manjul selbst, treten hier auch einige lokale Sänger und Sängerinnen auf. Es wird über die Doppelmoral der Politik hergezogen („Politricks“), dem Rastafari gehuldigt („If You Don‘t Feel No Pain“) oder eine Lobeshymne auf Mali eingestimmt („Oh Mali“) und auf die brenzlige politische Lage des Landes verwiesen („Timbuktu“).

Dabei wird Manjul auch von vielen einheimischen Musikern unterstützt, die die traditionellen Saiteninstrumente wie N‘goni und Kora oder Flöten, Balafon und verschiedene Schlaginstrumente besetzten. Lediglich die Bläserparts wurden in Paris von Fyah Horns aufgenommen. Zusammen veranstalten sie wieder eine gewagte, sich überlappende und ziemlich andersartige Klangmasse, die vom Prinzip her, vielleicht nur mit der des Dub Colossus vergleichbar wäre. Das fängt von stark afrikanisierten Rhythmen und atmosphärischen Trommel-Grooves an bis zu den typisch-malischen Melodien in denen auf große tonale Sprünge verzichtet wird und die somit sehr hypnotisch und mitziehend erscheinen. Die Mystik, die immer wieder aus den Stücken hervorquillt, wird beispielsweise durch den Sound einer uralten malischen Flöte wie in „Guede Dub“ erzeugt. Oder durch die charakteristischen Gesänge der malischen Sänger in ihrer Wirkung verstärkt.

Nicht minder treten zugleich Reggae und Dub zutage. Sehr rootsig drängen sich in den Vordergrund vollmundige Bässe und die dominanten Offbeat-Drums werden zu einer rituellen Bewegungsmusik verschmolzen. Allerdings funktioniert Manjuls Stil-Akrobatik nicht immer auf demselben Niveau und sein unkonventioneller Mix klingt stellenweise bemüht. Es ist eben nicht leicht, der Tiefe beider Musik immer gerecht zu werden. Dafür, dass es einer allein schon versucht und dabei die Grenzen immer ein wenig mehr verschiebt, sollten wir umso dankbarer sein.

Zvjezdan Markovic

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About Zvjezdan Markovic

Immer auf der Suche nach neuen und alten Sounds, hat aber auch seit 10 Jahren die schlechte Angewohnheit, darüber zu schreiben.