Yellowman „No More War“ (YellowBaby Records)

Yellowman
„No More War“
(YellowBaby Records – 2019)

Durch all die Jahre und über fünfzig veröffentlichte Alben, war man schon einiges gewöhnt von ihm. Er war das Sex-Monster, der Dancehall-Rambo, der Reggae Fitness-Trainer. Und natürlich, das Albino-Waisenkind, das als solches eigentlich in Jamaika gleich am Start die schlechtesten Karten überhaupt hatte. Ganz zu schweigen von seiner Krebserkrankung, in deren Verlauf ihm die Hälfte vom Kiefer entfernt werden musste. Es ist viel um Yellowman geschehen, seit er Anfang der 80er zum größten DJ aufstieg und dessen Popularität eine Zeit lang nur von der Bob Marleys überboten wurde.

Yellowman (Quelle kat_geb – Flickr / Wikimedia)

Unvergessen sind auch seine Rub-A-Dub Seifenoper über Heiraten und Scheidungen, die er ausführlich in seinen Songs dem Publikum dargeboten hatte. Aber dass er in seinem ersten Album nach sechzehn Jahren Hiatus The Clashs Song „Justice Tonight“ in „No Woman Tonight“ covert, das hätte man ihm nun doch wirklich nicht zugetraut! Überhaupt, es liegen Welten zwischen seinen frühen, von Henry ‚Junjo‘ Lawes produzierten, Alben wie „Zungguzunggugguzungguzeng“ (huh!) und „Nobody Move Nobody Get Hurt“ und diesem neuen, mit dem Titel „No More War“. Die einen waren damals innovativ und neuartig, mit einem Ausnahme-DJ, der zugleich schockieren und unterhalten vermochte und auch den neuen 80er-Zeitgeist geprägt hatte.

Heute ist der Winston Foster, wie er bürgerlich heißt, älter und weißer geworden. Hatten doch früher einschlägige Slackness-Lyrics in seinen Songs die Oberhand, sind es heute größtenteils Conscious-Lehren, die mehr als je zuvor einen tieferen Einblick in die Seele dieses Enfant terrible der jamaikanischen Musik gewähren. Und diese ist durch und durch humanistisch und altruistisch. Songs wie das Titelstück „No More War“, „Love Who You Want“ oder „Better Days“ zeigen, was für ein angenehmer Zeitgenosse Yellowman eigentlich ist. Er wird dabei von seiner Tochter K‘reema unterstützt, die auch in die Fußstapfen ihres Vaters getreten ist. Ihr wird auch die Produktion von diesen vierzehn neuen Songs zugeschrieben, unterstützt von ihrem Sohn, also Yellowmans Enkel, Kemo. ‘Its a family affair’ – singt K’reema im gleichnamigen Song und es macht den siebenfachen Vater Yellowman bestimmt besonders stolz. Sollte es auch.

(Quelle kingyellowman.com)

Doch Yellowman ist nicht mehr der potente Showman, den man vielleicht erwartet hätte. Ihm reicht jetzt ein Kuss („Kiss Me Each Morning“), statt eines morgendlichen Quickie („Morning Ride“) wie früher. Er kann nicht mehr die Lyrics hinausschießen wie ehemals. Seine Stimme ist tiefer und weniger melodisch geworden. Die Krankheit und Jahre haben doch ihren Zoll gefordert und Spuren an ihm hinterlassen.

Sein Stil ist jetzt eher in Spoken-Word zu verorten. Auch wenn sein Gefühl für Rhythmus und Flow unverändert geblieben ist. Geschickt platziert er in „Sex Education“ versteckte Grüße an seinen verstorbenen Kollegen General Echo (‚teacher fi di class‘). Die Musik aber ist eine in Roots Reggae und Pop verwurzelte Fahrstuhlmusik wie z.B. in “Rubber Rubber”, die sogar weniger inspiriert daher kommt, als Yellowmans Alben aus den 90ern. Die Stücke plätschern gemächlich vor sich hin, ohne auf sich größere Aufmerksamkeit zu ziehen. Hier ein schön verpackter Bläsersatz, dort eine bunt verspielte Piano-Miniatur müssen genügen. Es ist im Großen und Ganzen ein behutsames Album, das den Yellowman als eine Vaterfigur zeigt, dem nun das Wohl der Welt mehr am Herzen liegt, als deren Sex-Leben.

Zvjezdan Markovic

Zvjezdan Markovic

About Zvjezdan Markovic

Immer auf der Suche nach neuen und alten Sounds, hat aber auch seit 10 Jahren die schlechte Angewohnheit, darüber zu schreiben.