Gentleman, Chronixx, Dre Island, Kelissa, Fabrik, Hamburg, 20.4.2014

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Gentleman & The Evolution – Chronixx, Dre Island, Kelissa & Zinc Fence Redemption – Silly Walks Discotheque – Torch
Fabrik, Hamburg, 20.4.2014

Text: Karsten Frehe, Fotos: Dorothee Georg

Was für ein spektakulärer Abend in der Fabrik! Beim Reggaeville Easter Special wurde mit einer ganzen Reihe von Ausnahmekünstlern ein wahres Feuerwerk gezündet, das es in dieser geballten Intensität und Qualität wohl selten gibt. Doch wo anfangen, wo aufhören, um diesem Abend eine entsprechende Würdigung zu geben? Am Anfang – bietet sich an.
Zinc Fence Redemption sind erst sehr knapp vor ihrem Auftritt in die Fabrik gestürmt, um fast ohne Pause an die Instrumente zu springen. Das wirkte sich etwas auf das Set von Kelissa aus. Die Künstlerin schien leicht gehetzt, die Band noch nicht tight genug. Schade, denn die junge Jamaikanerin hätte unter anderen Umständen deutlich mehr punkten können. Nach 3,4 Liedern fand sich die Band mental auf der Bühne zusammen und spielte fortan geschlossener auf. Davon profitierte auf jeden Fall Dre Island, der nach Kelissa an der Reihe war. Sympathisch spielte er mit dem Publikum und zeigte, dass er einer der Artists sein wird, die man in Zukunft noch mehr auf dem Zettel haben muss.  Mittlerweile war das Publikum auch warm gelaufen und feierte mit, sicher aber auch in Erwartung der Artists, die noch kommen würden. Und sie kamen!

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Schon bei den ersten Takten von Chronixx wurde klar, dass Zinc Fence Redemption “seine” Band sind. Das Miteinander der Musiker wirkte noch geschlossener, verspielter und energiegeladener als zuvor. Dazwischen ein ruhiger, etwas zu cool wirkender Chronixx mit dunkler Sonnenbrille im Gesicht. Trotzdem: die Art und Weise, wie er sich präsentierte, zeugte von einem großen Star, der genau weiß, wo seine Qualitäten liegen! Zudem hat er inhaltlich etwas zu sagen, was an diesem Abend für ihn selbst wohl eher im Vordergrund stand. Selbstverständlich musste sein Hit “Smile For Me Jamaica” mit dabei sein. In Hamburg, der Silly Walks Hochburg, war fest davon auszugehen. Vom Publikum wurde das Lied mächtig gefeiert. Ebenso die anderen Hits, allen voran “Here Comes Trouble” bei dem es ein paar Pull Ups gab.  Hier war Chronixx für ein paar Augenblicke näher am Publikum dran.

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Doch das Highlight des Abends waren zweifelsohne Gentleman & The Evolution. Lange hatte ich den deutschen Vorzeige-Reggae-Künstler nicht mehr live gesehen – und mit der jetzigen Zusammensetzung der Evolution-Band schon gar nicht. Von Anbeginn an machten die Musiker Druck und rockten die Fabrik. Doch bevor Gentleman die Bühne ausgiebig in Besitz nahm, waren zunächst Tamika und Treesha an der Reihe, mit eigenen Liedern auf sich aufmerksam zu machen. Zieht man einen Vergleich zu Kelissa, so wurde klar, dass ein ausgewogenes, dichtes Gesamtpaket dazu führt, gesanglich das Beste abzurufen.

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Gentleman zeigte sich hoch motiviert und war von all den versammelten Sängern am präsentesten. Zudem hat er das Publikum immer wieder angeheizt, mitgenommen und zum lauten Mitsingen gebracht. Bei den vielen Hits, die er mittlerweile verzeichnen kann, war das auch eher ein Kinderspiel: “Dem Gone”, “Intoxication” und “Superior”, um nur mal drei zu erwähnen, brachten die Fabrik zum Kochen. Was für eine Energie! Gentleman selbst strotzte nur so vor Kraft, sprang herum, motivierte, sang hervorragend und war offensichtlich gut gelaunt. Zwischendurch bat Gentleman, für viele sicher unerwartet, Torch auf die Bühne, der ebenfalls in Hamburg verweilte. Torch sang seinen Hit “Good Reggae Music” und wurde dabei, als Duettpartner, von Gentleman begleitet. Ein sehr schönes Erlebnis, was Torch offensichtlich auch gut getan hat.

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The Evolution waren als Band treffsicher und sehr versiert dabei. Bewundernswert war hier vor allem das Schlagzeugspielt von Josie, der enorm Druck nach vorne lieferte und jeden Tempowechsel souverän trug. Und so war es besagtes Gesamtpaket, das die Performance so außergewöhnlich gemacht hat. Schön war auch, dass sich Gentleman zwischendurch die Zeit nahm, um von den Erlebnissen der Band in Äthiopien zu berichten, wo es vor allem eine große Wasserknappheit gibt. Sein Aufruf Viva Con Agua zu unterstützen dürfte nicht im Leeren verhallen.

Der Abschluss einer ganzen Reihe von Zugaben war der gemeinsam mit dem Publikum gesungene “Redemption Song” von Bob Marley. Ein schöner, verbindender Moment und ein gelungenes Ende der Show.

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Last but not least muss na klar Silly Walks erwähnt werden. Sie haben zur Zeit einen verdammt guten Lauf. Silly Walks Produktionen sorgen weltweit für Aufhorchen. Vor dem Konzert, in der Umbaupause und vor allem nach der Show heizten Olli und Joscha der Massive mächtig ein. Sehr schön war u.a. auch ihr kleiner Exkurs in die Vergangenheit jamaikanischer Musik (Keith & Tex, Toots and The Maytals etc.)

Ein Danke an alle Beteiligten auf und hinter der Bühne, an Reggaeville und Revelation Concerts für diesen tollen Abend.

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Karsten

About Karsten

Founder of the Irie Ites radio show & the Irie Ites Music label, author, art- and geography-teacher and (very rare) DJ under the name Dub Teacha. Host of the "Foward The Bass"-radio show at ByteFM.