20 Jahre Reggae Jam – Der Jubiläumsbericht

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20 Jahre Reggae Jam – Der Jubiläumsbericht

Zum 20-jährigen Jubiläum haben wir uns was Besonderes überlegt. Da die Sänger, Musiker und sonstigen Repräsentanten dieser wunderbaren Musik schon gut abgedeckt sind (auf www.irieites.de und www.reggaeville.com sowie www.soundbwoy.tv erhaltet ihr diesbezüglich alle Informationen, die eure Herzen begehren: Interviews, Videos, Fotos, Reviews…), blickt der folgende Bericht mal auf all jene, die sonst nicht oder nur am Rande erwähnt werden. Es war eine großartige Erfahrung, mit offenen Augen und Ohren über das Gelände zu schlendern und zu versuchen, so viel wie möglich des ganzen “Drumherum” einzufangen. Hier nun das Resultat: exemplarische Geschichten, die so oder ähnlich sicher noch hundertfach hätten gesammelt werden können (falls ihr noch eine habt, die unbedingt erzählt werden sollte, schreibt sie einfach als Kommentar auf!). Und auch wenn meine Eindrücke natürlich subjektiv sind, findet sich hoffentlich jede/-r ein wenig wieder in diesem Gesamthochgefühl namens REGGAE JAM!!!

Donnerstag, 24.07.2014, 12:31

Ein Büro irgendwo in Hamburg: Zum Einläuten der Mittagspause drucke ich mir schon mal die Running Order aus, die seit gestern online steht. Gut, dass ich grad allein im Raum bin, denn ich kann das ein oder andere freudige Jauchzen nicht unterdrücken. Samstag 19 Uhr: NO MADDZ! Sonntag 15:15 Uhr: RAGING FYAH! Dazu noch Torch, Luciano, L.U.S.T., Shaggy… Aaaaah! Vorfreude ist überhaupt mein ständiger Begleiter in diesen letzten Tagen und setzt in den unmöglichsten Situationen Endorphin, Serotonin oder sonst was frei und sorgt für ganze Wagenladungen Schmetterlinge in meinem Bauch. Noch sieben Mal schlafen!!!

Mittwoch, 30.07.2014, 00:12

So, fertig gepackt. Nun muss ich nur noch zusehen, dass ich irgendwie überhaupt die Augen zukriege. Ein letzter Blick auf Facebook zeigt auch hier freudig-erregte Aktivitäten. Leute kommentieren Bilder vom Vorjahr, posten die Tunes ihrer Lieblings-Artists oder finden sich zu Last-Minute-Fahrgemeinschaften zusammen. Ich hab zum ersten Mal sowohl vor als auch nach dem Jam-WE ein paar Tage frei, so dass ich insgesamt fast eine Woche bleiben kann. Woohoo!

12:55

Wir rollen aufs Gelände. Laut Ankündigung können wir uns in 5 Minuten über die begehrten Plätze an der Berufsschule hermachen. Zwei Stunden später steht unser Zeltdorf und Basislager. Nun erst mal essen. Und trinken und so. Dann ab in die Hase (so heißt der durch Bersenbrück führende Fluss), von dessen bräunlicher Farbe wir uns nicht abschrecken lassen. Nach dem erfrischenden Bad kaufen wir noch schnell im örtlichen Netto ein – heute schaffen wir es sogar noch, uns mit dem vollen Einkaufswagen davonzustehlen; ab morgen tritt ein Türsteher in Aktion, der eben dies verhindert. Zurück bei den anderen bereiten wir ein gemeinsames Essen vor, wärmen Geschichten vom letzten Jahr auf und haben nur noch ein Ziel: Einstimmen!

Einstimmen auf ein Festival, das so viel mehr ist als die Aneinanderreihung von Show-Acts… das Reggae Jam, das vor 20 Jahren als Schützenfest-Warm-Up in Talge begann, ist schon eine Familientradition. Wer einmal hier war, kommt immer wieder. Und wenn man mit Leuten zusammen ist wie jene, mit denen ich grad am Tisch sitze, ist das musikalische Rahmenprogramm fast egal, so schön ist das jetzt schon.

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23:30

Da ist es, das Festival-Feeling! Unser Zeltdorf ist noch weiter gewachsen, auf dem Tisch stehen Kerzen, Knabberkram und Getränke, im Hintergrund wummert der Ghettoblaster, an den sich jeder im Turnus anstöpseln darf. Die Freunde wollen noch mal los, feiern. Auf die Frage wohin sagt Olli “Na da wo ‘ne Feier ist!”. Das gemeinsame Rumziehen macht Spaß. Überall wuseln Leute hin und her, tragen Camping-Ausrüstung von A nach B, lachen, reden, begrüßen sich… Die meisten Stände sind auch schon aufgebaut, und beim Sandwichmaker ist richtig was los. Wie sich noch zeigen wird, ist der Stand inzwischen berühmter für seine Star-gespickten Jam-Sessions als für die kulinarischen Genüsse, die Inhaber Steffen Prase schon zweimal in Buchform veröffentlicht hat (Moa Fire I und II). Wir setzen uns kurz dazu, kriegen aber schnell Heimweh und kehren zurück zum Rest der Bande, um ausreichend Schlaf zu tanken – der wird in den kommenden Tagen Mangelware sein!

Donnerstag, 31.07.14, 13:40

Während ich vor dem Pressebüro warte, bescheren die eintrudelnden Festival-Besucher den heimischen Läden ein Umsatzhoch. Flip-Flops, Klappstühle, Sonnencreme, Kartoffelstuten… Letztere übrigens eine süße lokale Brötchen-Spezialität, die aber leider schon ausverkauft ist, als ich danach frage. Die freundliche Verkäuferin der Herkenhoff-Bäckerei gibt zu, dass es nur einmal jährlich einen so großen Ansturm auf Nahrungsmittel gibt und dadurch alle ein wenig mehr zu tun haben als sonst. Kein Wunder, wenn sich die Einwohnerzahl des beschaulichen Städtchens (liegt so um die 8.000) mal eben verdreifacht. Aber, so stellt sie lächelnd fest, “Ihr müsst ja auch was essen! Wir finden das schön, wie viele verschiedene Leute dann immer hier sind.”

Inzwischen sind die Türen der Brahmschen Straße 13 offen und das Desk füllt sich. Hier bekommen Crew-Mitglieder und Presseleute Backstage-Pass & Bändchen – die Künstler haben eine eigene Anlaufstelle.

Und immer wieder gibt es diese rührenden Szenen der Wiedersehensfreude. Nicht nur privat trifft man auf Freunde und Bekannte, auch die mehr oder weniger feste Orga-Crew freut sich über das jährliche Rendezvous: “Jööööörg, wie schön, darauf hab ich mich ja 12 Monate lang gefreut!” (Umarmung, Küsse, Schulterklopfen, lachende Gesichter…). Während sich das vor meinen Augen abspielt, bekomme ich eins der Bändchen verpasst, die es in fast jeder Farbe gibt: orange für die Presse, blau für die Kinder, braun für die Crew, schwarz für die VIPs, gelb (Detailverliebte würden wohl eher sand- oder senffarben sagen) für die Besucher. Auf dem Rückweg ins Camp mache ich noch einen Abstecher zum Festival-Gelände. Bühne, Bühnenvorplatz und Stände sehen noch nicht ganz fertig aus, sind aber doll in Arbeit. Jeder scheint genau zu wissen, was zu tun ist, und ich trolle mich lieber, bevor ich jemandem im Weg rumstehe. Die gesamte Organisation ist überhaupt bewundernswert. Alle paar Meter weisen zum Beispiel laminierte Schilder penibel durchnummerierte “Security Points” aus, zu denen die Sanitäter im Notfall gerufen werden können. Die entsprechende Handynummer steht direkt darunter. Auch sonst ist an so ziemlich alles gedacht, wie weiter unten noch zu lesen sein wird.

16:20

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Es wird voller, lauter, bunter. WUMM! Nun scheint auch das nicht weit von uns entfernte Rootsplague-Camp in Betrieb genommen zu werden. Soundcheck! Nach einem erneuten Bad in der Hase und einem gemeinschaftlich sowohl gekochten als auch verzehrten Abendessen herrscht Aufbruchstimmung. Wir ziehen los in Richtung Dub-Tent, um ja nichts von den deutlich vernehmbaren good vibes zu verpassen. Gut, dass es noch nicht ganz dunkel ist, denn die schlammverschmierte Kuhle auf dem Weg dorthin lädt fröhlich zum Ausrutschen ein. Aber nix passiert, wir kommen heil an und mischen uns unter die Leute, die sich verzückt der Bassmassage hingeben.

21:40

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Das erste Konzert des diesjährigen Reggae Jam bahnt sich an – iLLBiLLY HiTEC! Longfingah on the mic, Alex on drums and Selekta Bony on the controls bauen eine Stimmung auf, die immer mehr Leute in ihren Bann zieht, so dass der kleine Hügel am Ende voll ist (an eben dieser Stelle wird übrigens am Samstagnachmittag die traditionelle Open-Jam-Session stattfinden, zu deren musikalischer Ausgestaltung mit Instrument, Stimme oder Bodypercussion jede/-r herzlich eingeladen ist). Wieder und wieder fasziniert mich die wilde Mischung der Festival-Besucher, die hier friedlich neben- und miteinander feiern. Jeder tanzt, wie er oder sie will, niemand guckt die anderen schräg an – das ist bezaubernd! Nach der Live-Show geht es direkt weiter mit dem Rootsplague-Sound und einem Fackel-Tänzer. Wow wow wow.

22:52

Stromausfall! Das ist lustig, auf einmal ist es stockfinster und man sieht nur noch Glowsticks. Fast fünf Minuten lang hört man den Sound von El Presidente International, die auf dem Feld ein paar Meter weiter 10-jähriges Bestehen feiern, dann ist das Licht wieder da, Ton natürlich auch, und die Menge setzt sich erneut in Bewegung. Bewegen tut sich auch ein seltsames Gebilde, das ich zuerst nicht einordnen kann. Sitzen da 4 Leute in einem Einkaufswagen? Nein, viel zu groß. Als sie näher kommen, stellt sich das Ding als fahrendes Sofa heraus. Komplett mit Lenkung, Scheinwerfern, Rücklichtern, Unterbodenbeleuchtung und Bierflaschenhalterung. Das Hallo ist groß, die Konstrukteure Paul und Martin (die Sofa-Crew!) gabeln laut hupend kichernde Mädels auf. Zwischendurch wird aus der mobilen Couch ein stehendes Hüpfburg-Podest, von wo aus sich problemlos alles überblicken lässt. Das nenn ich Erfindergeist! Nun müssen wir aber langsam mal los zum Dancehall-Zelt.

Freitag, 01.08.2014, 00:18

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Ankunft grade rechtzeitig, um den Höhepunkt von Dubmatix’ Set mitzuerleben. Holla die Waldfee! Jesse steht schweißüberströmt an den Reglern und bespielt die nicht minder schweißüberströmte Massive, während Longfingah uns eine zweite Live-Performance beschert (gut für all jene, die vorhin nicht am Rootsplague-Zelt waren). Sogar der Sheriff lässt es sich nicht nehmen, zu diesen Beats die Bühne zu rocken und die versammelten Tanz- und Feierwütigen persönlich zu begrüßen. Und alle spüren irgendwie, dass dies hier grade der inoffizielle Reggaejam-Kick-Off-Moment ist.

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Bass Odyssey, die direkt und exklusiv aus Kingston eingeflogen wurden, haben somit leichtes Spiel. Der schon erreichte Siedepunkt geht zum Kochen über, und als die Soca Twins gegen 2 Uhr die Bühne stürmen, herrscht Abriss! Trotz leichter Schräglage im Zelt (diverse Quellen bestätigen, dass das nicht an mir liegt) klappt das Palancen hervorragend – mir ist jetzt noch schwindlig. Franky Fyah & Boone Chatta halten die Zügel fest in der Hand, bis der Curfew-Gong läutet.

03:15

Bezugsgruppentreffen am Ausgang, der von dem absolut fehl am Platz wirkenden Riesenrad hell erleuchtet wird. Wenigstens hat irgendjemand dem Betreiber eine mehr zum Event passende CD aufgezwungen, die allerdings in den nächsten Tagen viel zu oft hoch und runter läuft.

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Für den Heimweg schauen wir noch am Stand von Mariama vorbei, die neben afrikanischen Gerichten auch Paff Paff verkauft, süße frittierte Teigbällchen, fünf Stück für 2 Euro. Am Zeltdorf werden Neuankömmlinge begrüßt, Anekdoten des Tages ausgetauscht und Pläne für den Rest der Nacht geschmiedet. Ich bin raus, es wird schon langsam hell und morgen bzw. heute steht noch jede Menge an!

14:50

Ausschlafen, Frühstück, Hase, Netto, Dusche. Und nun stehe ich vor dem Bowle-Paradies, das gegenüber vom Kassen-Container nicht nur Wespen anlockt. Ich bekomme leider trotz charmanten Lächelns und dezent getragenen Presseausweises keine Kostprobe geschenkt, erfahre dafür aber, dass die Fruchtmischer aus Ahlen angereist und seit zwei Jahren auf dem Jam sind. Was haben wir davor nur ohne Bowle gemacht?

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Mein nächstes Ziel: Pelican. Auf dessen Ackee & Saltfish habe ich mich schon die ganze Zeit gefreut. Der Mann weiß wie es geht, hatte er doch früher auf Jamaika schon ein eigenes Restaurant, bevor er vor fünf Jahren beschloss, die europäischen Reggae-Festivals zu bekochen. Seine Frau Kat erzählt nicht ohne Stolz, dass viele der jamaikanischen Künstler lieber bei Pelican als im Backstage essen, und dass im letzten Jahr sogar ein Shuttle für die krüschen Jungs eingerichtet wurde. Tatsächlich treffen wir am nächsten Abend Fantan Mojah und Gefolge genau hier wieder.

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Die Sonne brennt, und da Schattenplätze rar gesät sind, machen wir uns wieder auf den Weg. Gleich nebenan muss ich noch mal bei Mr. T stöbern, der in seinem “Jamaican Shop” so ziemlich alles für das perfekte Jam-Outfit verkauft: Klamotten, Flaggen, Schmuck… Damit verdient er seit inzwischen fünf Jahren in ganz Europa seinen Unterhalt, aber auf Bersenbrück freut er sich immer besonders: “The line-up at Reggae Jam can’t compare to others. For me, it’s THE festival!” Er spricht mir aus der Seele.

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Bevor wir zu den Hauptbühnen weiterziehen, begeben wir uns erneut in die bassigen Gewässer des Rootsplague-Camps, wo sich grade Bass Tea und Crucial Vibes austoben. Blacky on the controls!

17:25

“Love shines brighter than the morning sun!”

Und los geht’s. Mit Songs von Gyptian, Chaka Demus & Pliers, Tarrus Riley und Chronixx begrüßt Lion Teeth die vorne stehenden und hinten sitzenden Besucher. Beim Cover von Israel Vibrations’ “We all gonna sing the same song” sind dann fast alle am Tanzen, und ich verliebe mich in der strahlenden Nachmittagssonne aufs Neue in diese Massive. So schöne Menschen, die mit ihren individuellen Styles dieses Fest der Sinne bereichern… Das selige Grinsen gerät zum Dauerzustand.

18:05

Die Spezialbühne füllt sich mit dem 9-köpfigen Ensemble des Berlin Boom Orchestra. Mit äußerst tanzbaren, ska-lastigen Stücken machen die Berliner ordentlich Dampf und stellen sich nach ihrem Auftritt am Merchandise-Stand den Fans zur Verfügung. Von dort entführe ich Sänger Filou kurz darauf zu meinem ersten Video-Interview, das in den angenehm kühlen Schulräumen des extra für diese Zwecke eingerichteten Pressebereichs stattfindet.

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Dadurch verpasse ich zwar Yellow Umbrella (Eltern-Band des Reggaehasen Boooo), bin aber rechtzeitig zu D-Flames Reggae-Jam-Geburtstagsständchen zurück, das allerdings nur wenige Mitsänger findet. Vielleicht liegt das ja an seiner Tonlage, die gefühlte zwei Oktaven tiefer als die des Durchschnittsmenschen ist und uns in den kommenden Tagen in seiner Funktion als Co-Moderator noch öfter begegnen wird.

21:03

Nach dem famosen Auftritt der Skatalites inklusive einer lebhaften Doreen Shaffer (für mindestens 3 meiner Gesprächspartner war deren Show Kommensgrund) gibt es einen überraschenden Gänsehaut-Moment. Christian Klütsch, Bürgermeister der Stadt Bersenbrück, betritt die Bühne und richtet herzliche Grüße vom Rat der Stadt aus: “Schön dass ihr da seid und unser Leben ein wenig bunter macht! Das Reggae Jam ist eins der friedvollsten Festivals überhaupt, und Bersenbrück zehrt das ganze Jahr davon. Deshalb haben wir uns überlegt, dass wir euch offiziell für drei Tage das Stadtrecht abtreten!” Mit diesen Worten übergibt er dem perplexen Sheriff ein Ortsschild, auf dem die Buchstaben “Bersenbrück – City of Reggae Jam” prangen. Ich bin sicher nicht die einzige, die vor Rührung feuchte Augen bekommt. Leider wird dieser schöne Augenblick von irgendeinem Idioten getrübt, der kastaniengroße Objekte auf die Bühne wirft, von denen das dritte den Bürgermeister am Hinterkopf trifft. Shame on you! Hoffentlich hat derjenige nun lebenslanges Hausverbot in dieser gastfreundlichen Stadt.

21:42

11

Der für den verhinderten Terry Linen eingesprungene Vido Jelashe ist am Ende seiner Show angelangt. In der zunehmenden Dunkelheit zücken die Leute ihre Feuerzeuge und stimmen lauthals in “One love, one heart…” ein. Hach, wie schön. Der akkurat eingehaltene Zeitplan ruft als nächstes I-Fire auf die Bühne, gefolgt von einem offenbar grandiosen Little Kirk, den ich aber leider verpasse. Trotz der angenehm milden Temperaturen muss ich unbedingt mal kurz zum Camp, Flip-Flops gegen tanztauglichere Sneakers eintauschen, was essen und so. Ich hab mich zwar beeilt, kriege von RDX aber nur noch den letzten Song mit, dafür dann einen in Hochform auflaufenden Jesse Royal so ziemlich ganz. Erstmalig nutze ich dafür das Privileg des Backstage-Zugangs und schaue mir die Show ganz ohne Gedränge von der Seite aus an. Da gute Musik bei mir immer in die Beine geht, komme ich mir allerdings bald ein wenig fehl am Platz vor, denn Hüpfen, Jubeln und tänzerisches Ausrasten scheint sich nicht mit der absoluten Coolness der dort befindlichen Artists und VIPs zu vertragen.

Also geselle ich mich wieder zu meiner Bezugsgruppe vor der Bühne und mache zusammen mit tausend anderen genau das: Hüpfen, Jubeln, Tanzen. Dafür sind wir ja hier, gell?

02:10

Von Gyptian bin ich ziemlich enttäuscht. Ich hab ihn bisher noch nie live gesehen, dabei aber offensichtlich nicht viel verpasst – das Wort “Studiosänger” drängt sich auf. Das trübt aber keine Sekunde lang unsere Stimmung, und in bester Partylaune ziehen wir weiter ins Dancehall-Zelt, um uns für den Rest der Nacht dem kollektiven Sauna-Wahnsinn inklusive feinster Beschallung von Supersonic, Herb-A-Lize It, Jugglerz und Co zu ergeben.

Samstag, 02.08.2014, 13:38

Boah, ist das voll, und das zu so früher Stunde!!! Ich muss gestehen, dass ich mir in den vergangenen Jahren lieber ein paar zusätzliche Minuten Schlaf gegönnt habe, als das Samstags-Opening mitzumachen, aber erstens hab ich diesmal einen Auftrag, zweitens ist Jubiläum und drittens gibt es immer ein erstes Mal. Die legendäre Frühstücksshow von und mit Ganjaman ist wirklich sehens- und hörenswert. Fast fühlbar schwebt eine positiv geladene Energie über den Versammelten, die bei jedem Song mitgehen. Überraschungsgast Fiyah T bringt dann noch mal richtig Schwung in die Sache und teilt folgende Weisheit mit uns: “Zeit ist das kostbarste, was wir haben. Lasst euch keine Angst machen und nutzt jede Sekunde davon!”.

Obwohl dann etwa die Hälfte der Leute abzieht, bleibt noch genug Publikum für Trixstar und Goldi übrig. Letzterer wird bei seinem Abschluss-Song von Fans mit einer Kanonen-Ladung goldenem Glitter überrascht, der sich im Laufe des Tages auf dem gesamten Festival-Gelände verteilt (ich hab so ein goldenes Fitzelchen sogar noch zu Hause in der Waschmaschine gefunden!). Im Anschluss an die Interviews mit diesen beiden sympathischen Künstlern schlendere ich zur Fotoausstellung “20 Jahre Reggae Jam”. Aus über 30.000 Bildern von 15 verschiedenen Fotografen haben die Macher Boris Riedel und (wie sollte es andere sein) Bernd Lagemann am Ende knapp 630 Bilder ausgewählt, die hier thematisch sortiert bestaunt werden können. Von Zeltplatz-Impressionen über Tanzszenen, Besucherporträts und natürlich Künstler-Fotos ist da alles zu finden. Und wer es nicht zur Ausstellung geschafft hat, kann alle Pics in einem parallel entstandenen Jubiläums-Bildband bewundern.

17:37

RC und Loyal Flames haben ihre Auftritte schon hinter sich und schauen dem Kollegen Torch vom Bühnenrand aus zu. Der lässt sich nicht lang bitten und sprüht vor Energie, mit der er die Leute natürlich in erster Linie bei Good Reggae Music ansteckt.

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Nach seiner Show gönne ich mir eine Pause bei Kaffee Mob. Thilo und Chris sind schon das fünfte Jahr hier und ihr knallroter Ape beziehungsweise die gemütliche, mit Perserteppichen und Schaffell ausgelegte Sitzecke ist ein beliebter Anlaufpunkt, wenn sich ein kleiner Durchhänger ankündigt oder die Füße vom vielen Stehen und Tanzen weh tun. Gleich nebenan kühlt Marcel aus Köln mit seinem Yodelicious-Stand die erhitzten Körper, und eigentlich kann man nicht hier gewesen sein, ohne sich mindestens einmal durch die köstlichen Zutaten, die zur Auswahl stehen, zu schlemmen. Ich entscheide mich für eine Portion mit Melone, Kinderschokolade und gebrannten Sonnenblumenkernen samt Karamell-Sauce. Yummie!

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Während Sylford Walker altbekannte Songs trällert, halte ich einen kleinen Plausch mit dem Einsatzleiter der örtlichen Feuerwehr. Christian erläutert die 2 Sicherheitskonzepte (eins für das Festivalgelände und eins für den Camping-Bereich) und erwähnt, dass insgesamt 50 Aktive in 8-Stunden-Schichten im Einsatz sind. Neben dem Freihalten von Fluchtwegen, dem Löschen offener Feuer und der gelegentlichen Erstversorgung von verletzten Barfüßlern haben die Jungs aber zum Glück nicht viel zu tun und so genießen Christian, Stefan und Tobias entspannt das bunte Treiben.

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18:59

Meinen Preis für den besten Bühnenabgang bekommt Prince Alla. Wie der sich über seinen Auftritt und die Reaktion der Massive freut, ist einfach göttlich! Gleich im Anschluss verzaubern mich No Maddz, die sich auf weniger ausgetretene Pfade in diesem Dschungel namens Reggae begeben. Ihr Harmoniegesang ist große Klasse, und ich bedauere zutiefst, dass ich ihre Sonntagnachmittagsshow am Sandwichmaker, bei der auch noch Exile di Brave mit von der Partie war, verpasst habe (das war nicht die einzige – auch Sarah Lugo, Ray Darwin, Chris Toppa und Trixstar gaben sich dort von mir unbemerkt das Mikro in die Hand).

Die Auftritte von den Viceroys, Derajah und George Nooks fallen meinem knurrenden Magen zum Opfer, den ich erneut mit einer Portion Ackee & Saltfish bei Pelican zu beschwichtigen suche. Um diese Zeit, so erfahre ich später von Smart, herrscht grade auch High Life im extra eingerichteten Dubplate-Recording-Studio. Die Hamburger Jungs vom Massaya Sound ermöglichen im um- und ausgebauten katholischen Pfarrhaus (unter den neugierigen Blicken der dort ansässigen Kolping-Jugend) seit 10 Jahren die Zusammenführung von Top-Artists und aufnahmewilligen Soundsystems. Momentan sind sie grad mit L.U.S.T. im Gange, die heut Abend auch noch auf dem Bühnenprogramm stehen, und haben wohl insbesondere mit Lukie D. jede Menge Spaß.

21:55

Pinkelpause. An dieser Stelle mal ein riesiges BIG UP an alle Mitarbeiter der Sanitäranlagen, die uns davor bewahren, das Wochenende in Dreck und Gestank zu verbringen. Obwohl die Dixi-Klos regelmäßig abgepumpt und gereinigt werden, gehe ich lieber zu einem der Toilettenwagen, um Udo mit den Hosenträgern einen Besuch abzustatten. Er hatte es nicht leicht im Leben, erzählt er, und ist stolz wie Bolle, dass er sich in dem kleinen Unternehmen seines Stiefbruders hocharbeiten konnte und nun die rechte Hand vom Chef ist.

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Das Ende des Auftritts von Kabaka Pyramid erlebe ich in der relativen Abgeschiedenheit hinter dem Zaun und freue mich über Gerd an der Backstage-Bar. Völlig unbeeindruckt von Name und Fame macht er seinen Job – Durst löschen – und ist dabei immer zu einem Scherz aufgelegt. Bis auf einige Ausnahmen (die Security am Dancehall-Zelt machte sich irgendwie keine Freunde) sind alle Mitarbeiter so gut drauf, was der allgemeinen Festival-Stimmung ungemein zuträglich ist.

Nach den schon erwähnten L.U.S.T., die Boygroup-Feeling verströmen, begebe ich mich wieder in die brodelnde Menge, die in den kommenden vier Stunden Konzerte von Anthony Cruz, Der Island, Lutan Fyah, Chronixx und Fantan Mojah verschlingt. Der obligatorische Besuch im Dancehall-Zelt fällt heute kürzer aus (auch wenn mit Silly Walks, Soundquake und Sentinel die Meister ihres Fachs auflegen), und noch vor dem Curfew um 5 Uhr morgens bin ich im Reich der Träume angekommen.

Sonntag, 03.08.2014, 12:33

Nach dem Aufstehen stolpere ich noch ein wenig schlaftrunken zum Freibad, wo man sich für 2 Euro eine warme Dusche gönnen kann. Und Kaffee vor dem Ausgang. Derart erfrischt bereite ich den Freunden im Camp einen Chai zum Frühstück und warte darauf, dass irgendjemand mich zum Festivalgelände begleitet. Ray Darwin & Keishera James, Grooving Smokers, Magic Touch & Saralène müssen leider ohne uns auskommen, aber zu den Klängen von Jah Bouks marschiere ich dann mit Jaap, Nele und Jonna ein. Wir bleiben kurz bei Candy Zuckerschock stehen und ich beobachte fasziniert, wie sie mit flinken Fingern bunte Strähnchen in die Haare ihrer Kundinnen zaubert. Sie ist zum dritten Mal beruflich hier, sagt sie, und genießt die familiäre, entspannte Atmosphäre. “Das ist wie ein großes Straßenfest. Als Besucher würde ich auf kein anderes Festival gehen!”

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Nach den ersten Shots verabschiedet sich unser 13-jähriger Fotograf mit starken Kopfschmerzen ins Backstage. Als wir kurze Zeit später nach ihm schauen wollen, hat Doro schon die Sanitäter gerufen, da es ihm zusehends schlechter geht. Innerhalb von vier Minuten sind die Helfer da und nehmen ihn mit in den perfekt eingerichteten Sani-Raum, wo er sich im kühlen Halbdunkel hinlegen und ausruhen kann. Diagnose: Sonnenstich. Wir wünschen gute Besserung und lassen ihn schlafen.

15:44

Da ist er, mein goldener Moment: Raging Fyah auf der vom Sonnenlicht gefluteten Bühne, alle Freunde versammelt und ein aus tausenden Kehlen schallendes “Yeeeeooo, yeeeoo yeeeoo yeeeoooooo!” Dieser emotionale Overkill schnürt mir die Kehle zu, und bevor ich in Glückstränen ausbreche, setzte ich schnell die neue Weedy-G-Sonnenbrille auf, um die anderen nicht zu verunsichern. Kumar trägt mit seiner samtenen Stimme seinen Teil zu dem Zauber bei und singt “I see dem chasing money, I choose life, I live forever more!” Behold! Das sind so Augenblicke, die ich am liebsten in eine Flasche stecken und an Leute verschenken würde, die solch positive Intensität nicht erleben oder grad mal ein wenig Upliftment vertragen können… Die vorbildliche Einhaltung der Running Order bedauere ich nun. Keine Zugabe, kein Pull-Up, dabei haben die mein Lieblingslied noch gar nicht gespielt!

Pünktlich erscheint Errol Dunkley, direkt gefolgt von Lady Saw (da Mad Cobra noch im Verkehr feststeckt). Das für ihre extravaganten Bühnenshows bekannte “Bad Girl” des Dancehall enttäuschte das Publikum auch diesmal nicht. Nach den ersten paar Songs nimmt sie ihre Perücke ab, holt einen King und eine Queen auf die Bühne, die zu ihrem Song “Let Me Love You With My Heels On” eine möglichst realistische Schlafzimmerszene spielen sollen. Die zweite Runde übernimmt die Sängerin dann höchstpersönlich, und so mancher Mann hätte sicher gern mit dem Auserwählten auf der Bühne getauscht.

18:18

Während Mad Cobra wie ein junger Hüpfer über die Bühne fegt, brauche ich erstmal eine Erfrischung. Der 13-jährige Marlon bereitet mir am Stand seiner Mama Petra einen kühlen Fruchtshake zu – ein Traum! Die beiden kommen aus dem Harz und sind seit zwei Jahren dabei. Schade eigentlich, dass ich keine Zeit habe, alle Stände abzuklappern und nach dem woher und wohin zu fragen. So viele interessante Geschichten… Aber das würde wohl den Bericht hier sprengen – allein auf dem Festival-Gelände habe ich mindestens 60 Stände gezählt! Am besten nehmt ihr euch im nächsten Jahr selbst die Zeit, den Mann hinter der Jerk-Chicken-Tonne oder die Frau am Kunsthandwerkspavillon kennen zu lernen!

Ein Gespräch möchte ich aber doch noch führen und gehe rüber zum HELP-Jamaica-Stand, wo Kai Eckold sich meiner annimmt. Seit vier Jahren ist er mit 6-7 Leuten beim Reggae Jam und wird in seinem Anliegen kräftig unterstützt. Nicht nur in Jamaika selbst, wo der Verein als NGO offiziell registriert ist und z.B. Sachspenden ohne Zoll einführen darf, sondern auch direkt hier in Bersenbrück. So wurden alle VIPs und sonstige Gästelistenplatz-Inhaber vehement gebeten, 5 Euro oder mehr zu spenden, zudem bekommt der Stand immer den prominenten Spot direkt vor dem Backstage-Eingang und darf die komplette Infrastruktur für seine Belange nutzen. Kollege Hannes überreicht nebenbei dem glücklichen Tombola-Gewinner Jonas mit der Losnummer 414 ein Protoje-T-Shirt. Helfen lohnt sich halt! Alle weiteren Infos zu diesem tollen Projekt findet ihr hier: www.helpjamaica.org

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19:05

Es hat etwas Surreales, barfuss durch die leeren Straßen von Bersenbrück zu laufen, vereinzelt adrett gekleideten Sonntagsspaziergängern zu begegnen und dabei vom Klostergarten her Lucianos Stimme zu lauschen. Ich hab mir noch die Zeit genommen habe, den obligatorischen Backflip des Sängers auf der Bühne zu bewundern, muss jetzt aber wirklich mal kurz zum Zelt zurück. Mit dem schwächer werdenden Licht macht sich ein wenig Melancholie breit, denn der letzte Abend bricht nun an. Aber noch ist das Fest nicht vorbei, und ich beeile mich, zurück zu kommen.

Zu den Klängen einer E-Gitarre verabschiedet sich grade I-Octane von den Zuschauern. Wieder ist der gesamte Platz gefüllt mit friedlich feiernden, seifenblasenpustenden und händereckenden Menschen. Mehr als im letzten Jahr, so mein Eindruck. Um die 20.000, schätzt die lokale Presse – sobald es genauere Zahlen vom Veranstalter gibt, nenne ich die hier. Eine Frau mit Kuscheltier im Arm fackelt das rot-weiße Absperrband ab, das um den uralten Baum (über 900 Jahre steht der schon hier!) gewickelt ist. Seine weit ausladenden Äste haben unbestreitbar etwas Magisches, insbesondere in Augenblicken wie diesem, wenn die untergehende Sonne ihre letzten Strahlen durch seine Blätter schickt.

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Ky-Mani Marley beglückt diejenigen, die Reggae immer noch hauptsächlich mit seinen Papa verbinden, mit vier Cover-Songs. Ich hätte ja gern mehr seiner eigenen Sachen gehört… Erstmalig hinken wir dem Zeitplan ein wenig hinterher, und während Midnite das musikalische Karussel etwas entschleunigt haben, dreht Red Fox den Pegel wieder hoch. Ich nutze seinen Auftritt, um noch mal kurz ins Backstage zu huschen. Wie cool ist das denn: viele Artists sind noch geblieben und verfolgen die Darbietungen ihrer Kompatrioten. Ich entdecke Dre Island, Anthony Cruz, Fantan Mojah und die L.U.S.T.-Jungs. Es herrscht reges Treiben, Meet & Greet, Foto-Sessions, Autogramme… Dennoch zieht es mich wieder raus – Shaggy möchte ich unbedingt in der Menge erleben!

23:47

Realization hits: dies ist das letzte Konzert auf diesem Jam. Was? So schnell vorbei? Und jetzt wieder ein Jahr warten? Naja, sofern man in einer größeren Stadt wohnt, lässt sich das ja ganz gut aushalten, da die Dichte der stattfindenden Reggae-Events in den letzten 10 Jahren stark angestiegen ist. Trotzdem… Shaggy ist gut drauf, scherzt und schauspielert sich durch seinen Auftritt, an dessen Ende natürlich Sheriff auf die Bühne gerufen wird.

Er übernimmt das Mic und dankt zuallererst dem Team, ohne das es das Reggae Jam nicht geben würde: allen voran Security-Chef Ashraf, der Backstage-Crew unter Martina und Sven sowie dem Büro-Team um die dunkelhaarige Dame, deren Namen ich nicht weiß. “Dieses Jahr war eins der perfektesten Festivals überhaupt. Ich danke euch, Reggae Jam, dass ihr….” Der Rest des Satzes geht im tosenden Applaus der so Angesprochenen unter. Dann gehen alle in die Knie, um auf 3 gemeinsam in die Höhe zu springen. Herr Lagemann lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die linke Bühne, wo sich der gesamte Musikverein “Rote Heide” versammelt hat. Dort spielte Bernd früher selbst Trompete, und zum 20-jährigen Jubiläum möchte er eine Art Wettschuld einlösen. Unter dem ohrenbetäubendem Jubel der Menge stimmen die Musiker “Could you be loved” an, zu dem alle noch einmal die letzten Energiereserven mobilisieren und wie verrückt tanzen. Dann zerstreut sich die Menge endgültig und feiert grüppchenweise über den Zeltplatz verteilt weiter, zum Teil die ganze Nacht durch.

Montag, 04.08.2014, 20:47

Sonnenuntergang an der Hase. Außer mir sind nur noch zwei der ursprünglich fast 50-köpfigen Camp-Crew hier. Die Stille ist ungewohnt nach vier Tagen Dauerbeschallung, gar nicht so unangenehm eigentlich. Vorsichtig erobert die Blesshuhn-Familie ihr Revier zurück, das bis kurz zuvor von Badegästen belegt war. Ein Ball schwimmt vorbei, und das scheint der perfekte Moment, um die mitgebrachte Flasche Wein anzubrechen. Bersenbrück hat nun wieder Ruhe bis zum nächsten Jahr.

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Nur auf Sheriffs Hof finden heute und morgen noch die Aftershow-Partys für Künstler (da viele direkt und exklusiv aus Jamaika eingeflogen wurden, haben sie bis zum Rückflug am Mittwoch noch Zeit zum Verweilen) und Helfer statt. Wir feiern etwas bescheidener vor dem Wohnwagen von Kalles Kochstudio, direkt vor der Brücke. Kalle ist nicht nur erster und letzter auf dem Platz, er ist auch von allen Befragten am Längsten dabei. Seit 12 Jahren versorgt er die Feiernden mit Kaffee, Rum-Punsch, Maiskolben und anderen Leckereien. Wir kommen in den Genuss eines vorzüglichen Linsencurrys und leeren gemeinsam die Punsch-Reste. Andere gesellen sich dazu, zum Beispiel die Sofa-Crew (ihr erinnert euch an Paul und Martin?) und eine verzweifelte Claudia, die beklaut wurde und nun kein Geld zum Heimfahren hat. Kalle kennt sie und verspricht, am nächsten Tag zu helfen, zur Not wird er ihr das Geld “leihen”. Ich könnte ihn knuddeln, schön zu sehen, dass Hilfsbereitschaft lebt. Irgendetwas an der Frau macht mich stutzig, bis mein Blick auf das Kuscheltier fällt, das sie fest umklammert hält. “Du warst gestern auf dem Gelände und hast das Absperrband angebrannt, oder?” frage ich. “Ja. Ich habe den Baum befreit!” nickt sie stolz und lädt mich ein, denselben noch einmal zu besuchen. Aber meine Füße streiken, und so bleiben wir einfach sitzen. Und obwohl es morgen wieder nach Hause geht und ab Donnerstag der Arbeits- und Familien-Alltag auf mich wartet, bin ich selig und strahle sowohl innerlich als auch äußerlich vor mich hin. Ich freue mich aufs Schreiben. Auf die Fotos. Und aufs nächste Jahr. DANKE FÜR DIESE WUNDERBARE ZEIT, REGGAE JAM!!!

Mein persönliches Fazit: Ich bin überwältigt von den Erlebnissen dieser letzten Tage und zugleich tief beeindruckt von der logistischen Meisterleistung, die die Organisation und der reibungslose Ablauf des Festivals darstellen. Den Machern rund um Bernd Lagemann, die sich jedes Jahr aufs Neue auf Papierkrieg mit Behörden, zähe Verhandlungen mit Managern und komplizierte KünstlerInnen einlassen, gebührt Hochachtung. Und jeder, der sich über Serverprobleme, kleinere Übertragungspannen oder spontane Änderungen im Zeitplan aufregt, sollte mal gaaanz tief Luft holen und den Gesamterfolg auf sich wirken lassen. Und wo wir schon beim “sollen” sind: jeder einzelne Besucher sollte verdammt noch mal seinen Müll mitnehmen und die Gegend so sauber verlassen, wie wir sie vorgefunden haben. Wir sind gut beraten, uns dieses kleine Paradies zu erhalten!

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Last but not least: Für mich sind mehr als alles andere die Menschen, mit denen ich diese wunderbare Musik, dieses fantastische Festival, feiern durfte, Highlight und Kommensgrund zugleich. Sarah, Easy, Moe, Olli, Tosh, Karsten, Imsa, Carina, Blacky, Steppa, Louise, Nele, Doro, Jermain, Jaap, Jesse, Jonna, Toppa, Finn, Jan, Malte, Andre, Yasmin, Lars, Jonas, Ephia, Andres, Lukas, Annabelle, Judith, Uljana, Laura, Chrissy, Goldi, Toddy, Chris – I love you all!!!

Text: Gardy Stein, Fotos: Jaap Frehe, Dorothee Georg, Oliver Becker und Nele Frehe

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Gardy

About Gardy

Gemini, mother of two wonderful kids, Ph.D. Student of African Linguistics, aspiring author...