WARD 21, Zwischenbau, Rostock, 12.12.14

Ward 21 Kunley Pionear Suku

WARD 21, Zwischenbau, Rostock

Wer wie ich in einer Kleinstadt aufgewachsen ist, kennt das: da nahm man gern 30, 60 oder gar 90 Minuten Fahrt in Kauf, zusammengepfercht mit drei bis fünf Gleichgesinnten im einzig verfügbaren Auto, wenn einmal im Monat im Umkreis von 100 km was los war. Dass man nun umgekehrt aus einer Kultur-Metropole wie Hamburg in die hanseatische Kleine-Schwester-Stadt Rostock fährt, um dort ein Konzert zu besuchen, mag befremdlich anmuten, es sei denn man weiß, dass Ward 21 auf ihrer Still-Disturbed-Tour dort für ihre einzige Deutschland-Show aufschlug.

Leider wussten das scheinbar nicht allzu viele Leute, oder aber deren Reiselust hielt sich in Grenzen – auf jeden Fall erschienen im Rostocker Zwischenbau gerade mal um die 50 Fans, um das Dancehall-Urgestein zu feiern (mal abgesehen von der seltsamen Gartenzwerg-Party, die parallel stattfand und deren techno-beschallte Gäste ab und zu den Weg nach nebenan fanden). Das fehlende Gedränge nutzten einige der Anwesenden, um zu dem vielseitigen und durchweg angenehm selektierten Set von Gastgeber Henryk (Smoking Tuna) über die Tanzfläche zu fegen.

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Gegen 2 Uhr hatten es die Stars des Abends dann endlich geschafft, sich trotz akuten Taximangels bis zu uns durchzukämpfen (die Armen standen fast eine Stunde vor ihrem Hotel, bevor das Freunde-Netzwerk Rettung in Form einer Fahrerin brachte), und Tourmanager Pionear (Germaica Digital) übernahm die Controls für die Dauer der Show. Suku, Mean Dawg und Kunley betraten zu den Klängen des Sleng Teng Riddims die Bühne und zogen tapfer ihre Performance durch. Sichtlich angeschlagen vom vorabendlichen Abriss in Sofia spielten sie sich, ganz Profis, durch ihr gesamtes Set (s. u.) und ließen sogar eine Zugabe nicht aus. Respekt für diese solide Leistung trotz fehlender Massive-Energie!

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Befragt nach ihren bisherigen Erfahrungen in Osteuropa sagte Kunley: “It was really good! Eastern Europe is just now opening up to Dancehall and Reggae, so it’s kinda new for them and kinda new for us also because the culture is a little different from Western Europe. It’s nice, but it’s very cold.”

Ja, die Kälte. Die war es auch, die die Jungs nach der Show schnell in Richtung warmes Bett streben ließ, denn am nächsten Tag ging es schon früh wieder weiter nach Italien – hard knock tour life! Ich wollte trotzdem noch wissen, ob es in nächster Zeit etwas Neues aus dem Bada Bada Yard zu hören geben wird. “There is always new stuff coming, a lot of singles, riddims and so on.” Ließ Kunley verlauten. “Ward 21 will never let the people down when it comes to music. Not just a lot, but also high quality music, which is very important for us. Look out for artists like DeeWunn, Marcy Chin or Point O!”

Machen wir! Und auch wenn nicht alles optimal gelaufen ist in Rostock, bereue ich dieses kleine Abenteuer nicht. Abgesehen davon, dass es eh immer einen Heiden-Spaß macht, neue Orte zu entdecken (dis one goes out to all di couch-potatoes out there!), konnte ich Ward 21 endlich mal live erleben. Now I know how you roll!!!

Set-Liste:

  1. Intro (Sleng Teng Riddim)
  2. Mic Magician
  3. Style
  4. Haters
  5. Judgement Day
  6. Bloodstain
  7. War Start
  8. Dis Badman
  9. Petrol
  10. Garrison
  11. Spot The J
  12. Hotta Betta Phatta
  13. Herbs Man
  14. Tek A Whiff
  15. Ganja Smoke
  16. Wife Versus Mate

Encore: Mashup The Dance

Text: Gardy Stein; Fotos: Gardy Stein & Sarah Stracke

Gardy

About Gardy

Gemini, mother of two wonderful kids, Ph.D. Student of African Linguistics, aspiring author...