The Skints, Special Guest: Hollie Cook, Hafenklang, Goldener Salon, Hamburg, 9.4.15

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The Skints, Special Guest: Hollie Cook
Hafenklang, Goldener Salon, Hamburg, 9.4.15

Für mich schon jetzt DAS Club-Konzert des Jahres 2015! Was blieb zu wünschen übrig? Hollie Cook und The Skints im Doppelpack auf der Bühne. Geht nicht besser! Beide Bands/Artists haben in der letzten Zeit 1A Produktionen zusammen mit Prince Fatty hingelegt. Und alles was erschienen ist (und sicher erscheinen wird!) hat in Sachen Qualität einen verdammt hohen Standart. Gewundert hat mich persönlich lediglich, dass es nicht in einer viel größeren Location stattgefunden hat. Was mögen die Gründe hierfür sein? Möglicherweise Ignoranz in der Reggaeszene, weil Jamaika hier lediglich als musikalische Quelle oder Herkunft eine gewichtige Rolle spielt? Beide Bands, Hollie Cook wurde von der grandios aufspielenden General Roots-Band begleitet, haben die Wurzeln des 80er Jahre Reggaes und vor allem den Dub tief eingeatmet. Und auf jeden Fall eine Prise Punkattitüde hinzugefügt. Genau das, was Reggae/Dub in dem Vereinigten Königreich in den End-70er-Jahren verdammt groß und agil gemacht hat. Man denke da z.B. an die Specials, The English Beat oder The Clash.

Und so gab es Brit-Reggae at it’s best! Direkt auf die Gehörmuscheln aller Anwesenden und wunderschön.

Das “wunderschön” lag vor allem daran, dass hier in beiden Fällen extrem sympathische und integre Menschen auf der Bühne standen, die ihre Musik lieben und eben genau das verkörpern. Kein gelangweiltes Herunterspielen der Setlists, keine falschen Attitüden: ehrliche Musik – verdammt gut dargeboten.

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Während Hollie Cook und General Roots etwas ruhiger daherkamen, wurde bei den Skints das Feuerwerk gezündet. Hollie Cook ist lyrisch und von der Bühnenpräsenz her eher eine Spur entrückt gewesen, während Jamie Kyriakides (Gesang und Drums), Joshua Waters Rudge (Gitarre und Gesang), Jonathan Doyle (Bass) und die zauberhafte Marcia Richards (Gesang, Keyboards, Melodika, Effekte etc.) mächtig loslegten. Interessant war hierbei vor allem die musikalisch Vielfalt und das Können aller Beteiligten.

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Etwas persönliches: in frühen Jahren habe ich mich selbst mal an der Gitarre versucht. Akkorde raufschaffen und dann singen. Und schwupps wurden mir meine Grenzen bewusst. Akkorde stimmig greifen und dann auch noch akzeptabel singen ging mit meinem Hirn nicht! Überforderung pur, schwitzen, dann Aufgabe.

Ganz anders bei den Skints. Marcia bediente mal so nebenbei zwei Keyboards, diverse Effekte und bei einigen Tunes auch noch die Melodika. Zudem hat sie verdammt gut gesungen. Und bei all dem sah sie auch noch sehr gut aus. Nicht minder imposant war der Auftritt von Jamie Kyriakides: wie kann man komplizierte Drumpatterns spielen und gleichzeitig vorm Mikro glänzen!?

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Auch die andren beiden Mitstreiter, Joshua Waters Rudge und Jonathan Doyle, haben ihren Beitrag zu einem gelungenem Abend geleistet. Während Joshua mit seiner Gitarre sowohl den Reggaepart bediente als auch mächtig die Punkelemente einbrachte, war Jonathan die Ruhe selbst, wie es sich für einen Bassisten gehört. Zudem glänzte Joshua als dritter Sänger und übernahm die Parts von Horseman, Rival und Tippa Irie des Albums “FM” (Easy Star Records).

Fazit: geht nicht besser!

Tipp: alles von Hollie Cook (aktuelles Album “Twice”), alles von The Skints und von Price Fatty sowieso für das heimische Soundsystem besorgen!

Text: Karsten Frehe, Fotos: Dorothee Georg

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Karsten

About Karsten

Founder of the Irie Ites radio show & the Irie Ites Music label, author, art- and geography-teacher and (very rare) DJ under the name Dub Teacha. Host of the "Foward The Bass"-radio show at ByteFM. And, most of all, father of three wonderful kids.