Dubcamp 2015 – Reggae Jam Bersenbrück – Ein kleiner Rückblick

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Wenn man die Leute über das Reggae Jam reden hört, fallen meist auch schnell die Begriffe Dubcamp und Roots Plague Soundsystem. Nicht verwunderlich, denn schon seit 2006 sind die Münsteraner mit Sound auf unserem Lieblingsfestival vertreten. Damals gab es allerlei kleinere und größere Sounds die sich, oft ohne Genehmigung oder Anmeldung, am musikalischen Treiben auf dem Zeltplatz und an der Hase beteiligten. Seit 2012 ist das Dubcamp auch offiziell Bestandteil des Reggae Jam´s und hat in den fast 10 Jahren seiner Entstehungsgeschichte ordentlich an Kraft und Umfang gewonnen. Dies ist sicher auch der Entscheidung des Sheriffs zu verdanken, dem mittlerweile unverzichtbaren Bass-Rutschen-Treiben Raum und Infrastruktur (Dixies!!) zu geben. Dafür großen Dank!

Den Hut ziehe ich in diesem Sinne aber vor der scheinbar unzerstörbaren Roots Plague Crew.

Das Durchhaltevermögen der vier Jungs und all ihrer Helfer und Freunde musste sich in diesem Jahr wieder zeigen. Sturmtief „Zeljko“ tat alles um den Bassdruck auch mit Tiefdruck zu begleiten – aber das war Samstag, lasst uns also vorn anfangen.

Als ich mich am Donnerstag bei abendlichen Sonnenschein das erste Mal durch die kleine Siedlung von Zelten an der Hase und durch die anschließende Senke nach oben auf das Dub Camp zu bewegte, war die Session bereits voll im Gange. Zu meiner Rechten sah ich die Massive springen und skanken. Live-Musik stand zur Eröffnung auf dem Programm, was, soweit ich mich erinnern kann, schon zu einem Ritual geworden ist – einem Guten, wie ich finde. Die Band Home to Paris aus Münster verwandelte das Dub Camp mit Ska, Rocksteady und Balkanbeats direkt zu Beginn in einen brodelnden Hexenkessel. Tolle, abwechslungsreiche Einstimmung in ein langes und lautes Wochenende!

Beim ersten Rundgang über das Gelände fielen mir direkt die mir schon vom letzten Jahr bekannten, selbstgebauten Hollywood-Schaukeln und kleinere Sitzmöglichkeiten auf. Natürlich auch das gigantische, selbstentworfene Zelt. Die Holzaufbauten mit Beamerflächen um die neu hinzugekommenen kleinen Boxentürme rechts und links der DJ Area waren ebenfalls ein Eye-Catcher! Neu war mir in diesem Jahr das „Slide System“ von „Roots Platsch“ ! Absoluter Killer für alle Wasserratten und so wurde es auch von Vielen, bei den noch angenehmen Temperaturen, genutzt.

Slide System von Roots Platsch!

Bei anbrechender Nacht kamen dann auch die ersten Selecta an den Start. Rockers Vibration ls. Chalwa Sound & Papa Jason drehten als erste ihre Scheiben. In gewohnt entspannter Art aber mit viel Druck und Erfahrung an den Decks ging das Gezappel vor den Boxen in seine zweite Runde! Besonders für mich, der den Sound der 70s & 80s liebt, war es ein Ohrenschmaus!

Bei meinem zweiten Besuch in dieser Nacht konnte ich noch ordentlich zu brachialen und doch melodischen Dubplates von Roots Plague Soundsystem meine letzte Energie geben. Wirklich gut!

Der Sound war, wegen den zwei weiteren Türmen, sehr gut über das Gelände verteilt. War es einem zu eng unter dem Zelt, so konnte man sich auch an der Bar mit gutem Sound die Füße vertreten.

Roots Plague Tower

Bei Nacht kamen dann auch endlich die schönen Lichtinstallationen und Beamer zur Geltung. Man sieht es sofort: da steckt eine Menge Arbeit dahinter. Apropos „Dahinter“: Dieses Jahr gab es zwei Buden die für die Verpflegung der Gäste zur Verfügung standen. Bei Fräulein Pfefferminza gab es ausgewogene und kreative Mahlzeiten für den oder die hungrigen Dub Steppa – natürlich all night long! Auch an der Bar musste man nie lange warten und wurde zu jeder Zeit freundlich bewirtet! RRRespekt und Danke an alle Helfer die auf der anderen Seite des Tresen standen!

Freitag Nacht kam ich leider erst spät dazu mich in die Höhle des Dubs zu begeben. I-Quality Sound Rockaz lgs. Solid Mojo Soundsystem ft. Mighty Howard am Mikro überzeugten mit fettem Dub und melodischem Steppa. Besonders die Posaune gespielt von Mighty Howard war eine echte Überraschung und gut gelungene Einlage. Zu diesem Zeitpunkt machte sich bereits mit eindrucksvollem Blitzen und Donnern das aufziehende Sturmtief in der Ferne bemerkbar. Das Donnern hörte wohl keiner, die Blitze haben den Vibe aber auf Level 100 gebracht. Lightning & Thunder – Sound & Power! Nice one!

Der Starkregen setzte ein und unser Dubplate Master Dubios und ich trafen die fatale Entscheidung das Dub Camp im Dauerlauf gen Zeltplatz zu verlassen. Nur wenige folgten uns. Als wir schon beim Sandwichmaker völlig durchnässt einsahen, dass es ein Fehler war, das sichere Dach vom Dub Camp zu verlassen, schallten uns die Bässe noch von fern um die Ohren. Auch als ich später meine Augen gegen 4 Uhr auf der anderen Seite des Flusses schloss, umhüllten mich weiterhin dicke Sounds.

Soundstop? Abbruch? Fehlanzeige! Roots Plague Soundsystem plays it proper and tight – no matter di weather!

Big Up auch an alle Selecta & MC! RRRespect!

Den Samstag verbrachten wir bis Abends, wie viele andere, auf dem Zeltplatz und kümmerten uns um unsere Zelte und Habseligkeiten. Das Unwetter über Norddeutschland verpasste dem sonnenverwöhnte Reggae Jam mit Regen und Sturmböen eine apokalyptische Stimmung. Das Dancehall-Zelt wurde geschlossen und abgebaut, auch auf der Hauptbühne war Schluss – eine mächtige Eiche hielt dem Sturm nicht stand und krachte hinter die beiden Bühnen. Glücklicherweise keine Verletzten!

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Das Dach des Dubcamp´s riss an mehreren Stellen entzwei. Wie mir Locke von Roots Plague berichtete, genau an den Stellen an denen es, in Fällen wie diesen, reissen sollte. Seht ihr wie viel Planung und Arbeit in so einem Projekt steckt? RRRespect!

Anschließend wurden das Dach, die Beamerflächen und einzelne Aufbauten aus Holz abgebaut und die Session nahm ungehindert ihren Lauf. Zu dieser Zeit sprangen sicher 80 – 100 Leute gut eingepackt und tanzfreudig weiter gegen Wind! BigUp!

Gegen 22 Uhr machten wir uns mit dem Irie Ites Soundsystem auf den Weg zum Dub Camp. Mit dem Plattenkoffer in den Armen war das Durchkommen bis zu den Drehtellern gar nicht so einfach. Vor unserer Playtime gegen 23 Uhr erwartete ich eigentlich Addis Pablo & The Suns of Dub an den Decks stehen zu sehen – jedoch waren die jamaikanischen Newcomer wetterbedingt fern geblieben. Ihre Session sollten sie am Sonntag Nachmittag nachholen! Ich war wirklich überrascht wie viele Leute nach dem Unwetter mit Energie dort bei der Sache waren! Roots Plague Soundsystem gab den Tanzwütigen ordentliches Material auf die Ohren. Power! Leider wurde ihre Session etwas abrupt von einem Stromausfall beendet, dessen Sound Operator Natty Nils aber schnell Herr wurde.

Unzerstörbar wie das Dubcamp waren auch die Leute. Lange hatten wir uns darauf gefreut unsere Musik dort zu spielen, und daß so viele da waren gab uns die richtigen Vibes! Wir starteten mit ein paar 70/80s Tunes aus meiner Plattenkiste, Selecta Don Mykal glänzte mit dickem Roots Dub und Steppa. Es war für uns etwas schwierig die Menschen draussen, also vor dem DJ Zelt zu sehen. Bei Don´s letzter Platte (Disciples) konnten wir aber beobachten wie ein Mob mit erhobenen Händen von der Bar zur Tanzfläche stürmte. Spätestens da waren wir richtig warm gesteppt und es konnte etwas kräftiger zugehen. Die zweite Stunde eröffnete King Toppa mit ein paar Scheiben seiner Wahl. Später krachten von Toppa & Dubios produzierte, neue Remixes und Dubplates über die Boxenwand. Mit bei der Party waren außerdem natürlich Baba Message am Mikro, Rall-Fi und fast unser ganzes Irie Ites Camp. Unvergesslich: Als ich irgendwann am Ende unserer Zeit mal aus dem DJ Häuschen raustrat und sah wie sich eine wabernde und steppende Menschenmasse vor mir ausbreitete! Wirklich dick!

vibes!

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Aber auch unsere Session war viel zu schnell vorbei. Es musste weiter gehen! Young Veteran Sound ft. Jr Kigwa & Nasop standen schon in den Startlöchern! Leider fehlte Dubiterian, der gerade im Irie Ites Lager sehr beliebt ist. Im Morgengrauen gab es eine Tune-Fi-Tune Selection mit Young Veteran & Roots Plague die beim Frühstück am Sonntag morgen unter den Irie Ites Selecta rege Diskussionen auslöste. RRRespect!

Sonntag ließ sich auch endlich wieder die Sonne blicken. So verbrachte ich fast den gesamten Nachmittag und frühen Abend im Dubcamp. Gegen 15 Uhr startete dann auch endlich die sehr beliebte Open Stage. Diese musste am Vortag leider ausfallen. Eine Band formierte sich aus den Anwesenden mit Schlagzeug, zwei Saxophonen, Bass, Gitarre (gespielt von Phibi), Percussion und auch Keyboard. Am Mikro und auch an den Instrumenten wurde sich abgewechselt und ich war erstaunt wie viele Talente sich dort offenbarten. Anfangs saßen noch viele Leute im Stroh, später war sicher mehr als die Hälfte auf den Beinen! Im Zusammenspiel mit der Band brachte eine junge Sängerin mit toller Soul- und Funkstimme richtig Energie in die Jam Session. RRRespect!

Währenddessen sammelten sich bereits die Suns of Dub im Camp. Zumindest Micah Shemaiah, Exile di Brave und Selecta Ras Jammy konnte ich ausmachen. Gegen 16.30 Uhr wurde die Jam Session unter großem Applaus beendet und es ging mit den Selecta weiter. Wir hatten Exile schon einmal bei uns im Roots Department zu Gast, wo er aber hauptsächlich seine eigenen Songs zum Besten gab. Hier zeigte er, das er auch ein besonders guter Dub MC ist. Im Chor mit den anderen Sängern ging es gut zur Sache!

The Suns of Dub

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Die letzte Stunde des Abends gehörte natürlich Roots Plague Soundsystem. Und da wurde noch einmal richtig aufgedreht. Nish Wadada war ebenfalls zugegen und versüßte die Musik mit ihrer klaren Stimme. Um 24 Uhr sollte Schluss sein, das akzeptierten die Anwesenden allerdings nicht gleich und es wurden etliche Zugaben gespielt bevor die Boxenwände für dieses Jahr verstummten.

Abschlussworte:

Ich hatte ein kleines Interview mit Natty Nils und Locke von Roots Plague Soundsystem in dem sie mir folgende Frage beantworten sollten: Warum das Dubcamp auf dem Reggae Jam?

Natty Nils: „Unverzichtbar!“

Locke: „Weil Mensch braucht Dub und Dub braucht Mensch!“

Dem schließe ich mich an! Noch einmal RRRespect von meiner Seite für die Leistung so ein riesiges und schlüssiges Projekt auf die Beine zu stellen! Ich hoffe, dass es noch viele Jahre so bleibt und natürlich wären wir glücklich auch nächstes Jahr wieder ein Teil davon zu sein!

Das Roots Plague Soundsystem könnt ihr außerhalb von Münster noch zwei Mal auf ihrer High Rise Tour sehen! Don´t miss it!

Bigup,

Sensi

Hier gibt es einen feinen Film von Reggae-Party.de:

httpv://www.youtube.com/watch?v=embed/5IsO_9BMuE0

Sensi I

About Sensi I

Irie Ites Selecta & MC, Radiohost, Promoter and sometimes writer www.mixcloud.com/selectasensi