Gentleman “Diversity” (Island/Universal)

Gentleman
“Diversity”

(Island/Universal – 2010)

Gestärkt aus der Krise. Für sein letztes Album musste Gentleman viel Kritik einstecken – zu lustlos, zu wenig Seele. Eine blasse Nummer! Entwaffnend ehrlich hat der deutsche Reggae-Star mittlerweile selbst zugegeben, dass „Another Intensitiy“ Tracks enthält, die er sich „im Traum nicht anhören“ würde! Dafür ist er mit seinem Neuling „Diversity“ wieder richtig zufrieden und das zu Recht: Die Scheibe besitzt definitiv mehr Leben, Melodie und Inspiration. In der ersten Hälfte schleicht sie zunächst zwar etwas dahin. Mild rinnen die Reggae-Beats, schwer brechen sich digitale, langsame Dancehall-Riddims an der Lautsprecherkante. Darüber legt Gentleman seine typischen, melancholischen Gesänge über Gewalt, Selbstfindung, Liebe und die Verbesserung der Welt. Zwischendrin brausen gelegentlich härtere Dancehall- oder gar Dancefloor-Tracks auf. Nach hinten prescht „Diversity“ mit eher klassischem Gentleman-Reggae dann stärker nach vorne. Hier drängeln sich Combinations mit Tanya Stephens, Patrice, Million Stylz, Sugar Minott und einigen anderen. Hier pulsiert der Sound, treibt das handgespielte Schlagzeug, das bei den Computerriddims sanfter klopft. Mit den Stimmungswechseln, den Aufs und Abs wird „Diversity“ seinem Namen auf jeden Fall gerecht. Es besitzt ein weiteres musikalisches Spektrum als seine Vorgänger, aber bedient die alten Fans ebenfalls sehr gut. Gentleman knüpft an seine besten Zeiten an.

Jürgen “Reggaedoctor” Schickinger

Gentleman ist in Sachen Reggae der Pop-Export-Künstler Deutschlands. Seine Musik wird nicht nur hierzulande abgefeiert sondern schaffte unlängst auch den Sprung über den Atlantik. Kein Wunder, denn er bekommt den Spagat zwischen Massentauglichkeit und Streetcredibility spielend hin. Dabei ist er bekannterweise nicht nur im Rootsreggae heimisch sondern auch im derzeit populäreren Dancehall und anderen Musikgenres. Sein neues Album „Diversity“ vereint ganz passend zum Titel alle Facetten des Künstlers. Ganze 19 Lieder sind auf der Standartvariante des Albums zu finden, die Deluxe Edition wartet mit zusätzlichen 9 Titeln auf – das muss man bei der hohen Qualität erst einmal schaffen! Und allüberall sind seine schönen Melodien zu hören. Sie schmeicheln sich ein und lassen die Sonne aufgehen, auch wenn die Inhalte nicht selten nachdenklich stimmen (u.a. bei der ersten Singleauskopplung “It No Pretty”). Gerade die weiche Seite seines Schaffens mag bei manchen Hörern zu Abnutzungserscheinungen führen, da Ecken, an denen man sich reiben könnte, weitestgehend vermieden werden. Dennoch: obwohl ganz unterschiedliche Produzenten wie Pow Pow, Irievibrations und Don Corleone (als Hauptproduzent) klingt das Album wie aus einem Guss mit Gentleman als Konstante.
Als Gäste hat sich Gentleman u.a. Tanya Stephens, Million Stylez, Patrice und den Veteranen Sugar Minott eingeladen. Unterm Strich bietet „Diversity“ einen überzeugenden Reigen feinster Popmusik. Damit dürfte Gentlemans Position weltweit noch mehr gefestigt werden.

Karsten Frehe

www.gentleman-music.com

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King Toppa - Digital Dub Producer and Musician. i started my music with the irie ites soundsystem in the 90ies going on to produce dub and digital dancehall roots. I am part of the irie ites music label