Kalles Kaviar “Probably The Next Big Thing” (Bag-A-Boo-Records)

Kalles Kaviar
„Probably The Next Big Thing“
(Bag-A-Boo-Records – 2020)

Es gibt Länder, in denen die Szene viel kleiner, aber dadurch auch oft feiner ist. Kalles Kaviar aus der schönen Schweiz machen seit 1996 Rudeboysounds. Sie haben sich immer wieder neu erfunden und auch als Band wieder gefunden. Mit ihrem neuen Longplayer beweisen sie genau dies, nämlich, dass sie sich immer wieder neu aufstellen können.  12 sehr sauber produzierte Tracks – hier trifft “All-killer-no-filler” richtig zu. Schöner Ska, der sehr traditionell daher kommt und gleichzeitig ihre Neunziger-Wurzeln aufzeigt – hier und da fliegt sogar ein Dub ein. Das Album ist abwechslungsreich ohne eine klare Linie zu verlassen. Musik, die den Sommer etwas früher kommen und die derzeitige Coronakrise für einen Moment vergessen lässt.

Textlich stechen einerseits gut erzählte Geschichten hervor, wie im Titelstück “Probably The Next Big Thing”. Hier geht es um einen Boxer, der immer wieder als der nächste große Star gehandelt wird. Er bekommt dann aber einen Knock Out in der ersten Runde. Durchaus als Metapher zum Ska zu sehen, der auch immer wieder als “nächstes großes Ding” gehandelt wird. Die große Skawelle kommt dann aber immer doch nicht. In meinem persönlichen Favoriten “Wake Them Up” beschäftigen sie sich auch sehr wortgewandt mit dem Trend, Hass-Postings im scheinbar anonymen Internet loszulassen. Da denken die Texter offensichtlich sehr viel nach.

Letztendlich ist festzustellen: “Probably The Next Big Thing” ist ein sehr gutes, tanzbares Album, das große Lust auf die sich wohl in den Herbst verschiebende Festivalsaison macht. Das Artwork ist auch sehr schick und macht den Kauf als Hardcopy unausweichlich. Ich tanze dazu, momentan nur in meiner Wohnung, und das kann ich, wie das Album auch, nur weiterempfehlen!

Georg von Ungern-Sternberg

Georg (Red Baron)

About Georg (Red Baron)

Legt Platten bei Regensburgs dienstältestem Soundsystem Red Baron & Dr.Till auf. Ansonsten vorher schreibend bei BSE 96-Fanzine und RockingSteady. Verfiel dem Offbeatvirus im zarten Alter von 12 und das soll sich auch nicht mehr ändern.