Chuck Foster „Love Foundation“ (Catch Me Time Records)

Chuck Foster
„Love Foundation“
(Catch Me Time Records – 2020)

Der Kalifornier Chuck Foster ist so etwas wie die Vorgängerversion von Harrison Stafford, dem Reggae-Professor aus der ebenfalls kalifornischen Band Groundation. Er hat Reggae nicht nur als persönlichen Lifestyle erwählt, sondern es zu einer Wissenschaft für sich gemacht. Als Buchautor, Publizist, Radiomoderator und Musiker/Produzent ist er seit den 70ern in Sachen Reggae unterwegs. Irgendwie hat dieser Big Lebowski des kalifornischen Reggae es geschafft, die Ideale aus der Hippie-Ära zu konservieren und zu uns rüber in die Zukunft zu transportieren. Dabei erwischt man sich immer wieder bei der Frage, ob Chuck Foster es wirklich ernst damit meint. Wie kann jemand so positiv und von der Liebe so überzeugt sein? Und das nach alldem, was in den letzten Jahrzehnten seitdem passiert ist?

Diesen Alt-Hippie, der einfach mal die Welt, wenn schon nicht retten, dann wenigstens umarmen möchte, könnte man glatt als einen alten Träumer abtun, wäre da nicht die Sicherheit und Überzeugung, mit der er in seinem neuen Album „Love Foundation“ auftritt. Mit einer selbstsicheren Stimme, die viel kräftiger und frischer klingt, als es seinem Alter und Aussehen nach zu urteilen wäre, singt er in „Flew Away“: ‚but who’s to say who is crazy / who’s to say who is sane?‘, einer hymnischen Ballade, die in sich melancholisches Country-Storytelling mit treibendem Beat und warm-verspielten Keyboards verinnerlicht. Während sich in „Suspect in Custody“ schneidige Staccati einer Trompete dazu gesellen, fast so, wie in einem mexikanischen (Narco)Corrido. „Simple Man“, mit dieser entrückten Slide-Gitarre und Fosters laszivem Gesang, könnte sogar mit einem Spätwerk von The Doors verwechselt werden, wäre da nicht das typische Reggae-Fundament, den dieser Kalifornier scheinbar mit nahezu jedem beliebigen Musikstil ohne Probleme verbinden kann.

Als wäre all das nicht genug, schmeißt Foster gelegentlich Ska/Rocksteady-Stücke wie „Small Matter“ dazu. Obwohl sich sein Reggae so klassisch anhört, dass es klassischer vermutlich nicht mehr geht, ist er doch sehr stark mit (genauso klassischem) Blues und Rock verfärbt, die ständig mit ihrem Siebziger-Beigeschmack einem um die Ohren sausen. Das Ganze mag sehr naiv, kitschig und sogar überflüssig klingen. Oder aber als eine amüsante – und dazu versiert gespielte – musikalische Reise in die (vermeintlich bessere) Vergangenheit. Je nachdem, wieweit die eigene Hoffnung in die Menschheit noch erhalten geblieben ist.

Zvjezdan Markovic

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About Zvjezdan Markovic

Immer auf der Suche nach neuen und alten Sounds, hat aber auch seit über 10 Jahren die schlechte Angewohnheit, darüber zu schreiben. (E-Mail zvjezdan[at]irieites.de)