Dubvisionist presents The Vision “11 Dubstrumentals” (Perkussion & Elektronik)

Dubvisionist presents The Vision
“11 Dubstrumentals”
(Perkussion & Elektronik – 2024)

The Vision aus Hannover war Mitte der 80er bis Ende der 90er Jahre eine der bedeutendsten Bands des Landes, wenn es um Reggae und vor allem Dub ging. Beeinflusst von der britischen Szene haben sie wegweisende Alben veröffentlicht, die bis heute von vielen Menschen weltweit geschätzt und gesammelt werden. Klanglich hat The Vision Maßstäbe gesetzt, die bis heute nachzuhören sind. Nun, viele Jahre später, hat sich Felix Wolter aka The Dubvisionist mit dem Debütalbum seiner damaligen Band “10 Tracks Of Reggae And Dubmusic” (1987) sowie dem Dub-Nachfolger “Dub Vision” (plus dem Titanic Riddim, der es damals nicht auf das Vinyl von “Dub Vision” geschafft hat) erneut beschäftigt und ein sehr schönes Album erschaffen, das nicht (nur) in Nostalgie schwelgt, sondern die Tracks ins Hier und Jetzt befördert. Die Qualität der Vorlagen hat ihm hierfür sicherlich etliche Steilpässe auf das Mischpult gelegt. “11 Dubstrumentals” heißt der neue Wurf. Zur Bedeutung des Begriffs und zur Entstehung des Albums sagt Felix:

“Die Dubstrumentals sind das, was der Name schon sagt. Instrumentals auf Dub-Basis. Geeignet u.a. auch für Stunden mit sich selber, zum Lesen, Nachdenken etc.. Entstanden ist diese Idee bei mir während des Corona Lockdowns als eine Art der ‘Selbsttherapie’. Es kam ganz natürlich. Ich wollte irgendetwas Sinnvolles machen und so begann ich, mich mit den von 2″ Tonbändern aus dem Staccato Studio digitalisierten Tracks unseres Debutalbums von The Vision zu beschäftigen. Nachdem ich das Material gesichtet hatte synchronisierte ich noch ein Schlagzeug von Marco Baresi drauf und auf einmal klang das Ganze wie unser damaliges Live-Set up”.

Marco Baresi kam also noch hinzu, ein Musiker mit dem Felix schon viele Jahre eng zusammenarbeitet und der selbst ja auch ein großer Teil der Reggaegeschichte in Deutschland ist. Zur Kooperation mit Marco bei dem nun vorliegende Projekt führt Felix weiter aus:

“Mit The Vision arbeiteten wir im Studio meistens mit meinem Emu SP12 Drumcomputer. Um mehr Spuren zu haben wurde der mit einer Sync-Spur angesteuert, sodass wir 23 Spuren vom Tape plus 8 Spuren vom Computer zum Mixen hatten. Die Computerspuren hatte ich jetzt nicht mehr zur Verfügung. Außerdem ist es für mich heutzutage viel interessanter ein ‘live’ gespieltes Schlagzeug zu haben und da kam Marco ins Spiel, den ich für einen der geschmackvollsten Reggae-Drummer in Deutschland halte”.

So viel zu Historie und Genese…. Nun also zum Sound! Den versammelten Dubstrumentals hört man na klar die alten Vorlagen an, allerdings, wie es der Name schon nahelegt, ohne die Vocals von Natalie. Im neuen Gewand kommen die elf Tracks eine Spur wärmer um die Ecke, was sicherlich an den heutigen Möglichkeiten liegen mag oder generell an dem oben von Felix beschriebenen Anliegen, Musik auch für besinnliche Stunden zu erschaffen. Nach dem quirligen, wilderen “Dubstrumental Start” liegen die verbleibenden zehn Tracks etwas tiefer und traben sanft voran. Insgesamt geht es sehr entspannt und elegant zur Sache. Dublemente gibt es auch viel auf die Ohren, nur stehen die weder weit im Vordergrund noch sind sie hart und kantig. Es läuft also wie geschmiert. Für Fans von damals gibt es ein Wiederhören mit den feinen Riddims von “Reality”, “Fear” und “No 4”, um nur einige zu nennen. Grund genug auch, sich die alten Alben von The Vision nochmal zu Gemüte zu führen. Neuankömmlinge werden bei “11 Dubstrumentals” allerdings auch auf ihre Kosten kommen. Und vielleicht ergibt sich ja auch für sie ein Anlass, sich freudig mit der frühen Reggae- und Dubgeschichte im Land zu beschäftigen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Release “Far Away (6 Songs Of Reggae And Dub Music)” von Emotional Rescue (UK), mit sechs remasterten Tracks des Originals.

Karsten Frehe

About Karsten

Founder of the Irie Ites radio show & the Irie Ites Music label, author, art- and geography-teacher and (very rare) DJ under the name Dub Teacha. Host of the "Foward The Bass"-radio show at ByteFM.