Mono & Nikitaman im Interview

Mono & Nikitaman

IrieItes trifft vor ihrem Konzert am 02. Dezember in Hamburg Mono & Nikitaman, die den eigenen Anspruch an ihre Musik erklären, darüber berichten worauf es ihnen bei Live-Gigs ankommt und über BluRay-DVD’s, die Toten Hosen sowie die Position, dass Konzerte politische Statements sind, sprechen.

1. Erst mal Respekt, „Unter Freunden“ ist sowohl musikalisch als auch von der Message her  extrem gelungen. Wie war für euch die Arbeit am neuen Studioalbum und was war anders als bei den letzten drei?
Mono: Wir sind nach Berlin gezogen und haben dieses Album in Berlin aufgenommen, die letzten beiden Alben sind in Österreich entstanden und das davor in Köln und es war natürlich wieder eine Weiterentwicklung. Wir haben auf jedem Album versucht, etwas anders zu machen, haben die ersten Produktionen ausgearbeitet und haben auch Bandaufnahmen gemacht und haben uns noch ein Jahr länger Zeit genommen. Am Ende haben wir es mit Olsen abgemischt und das war echt so ein großer Traum, der in Erfüllung ging, dass er Zeit hatte und Bock da drauf. Und so ist das dann fertig geworden!
Nikitaman: Na ja, anders ist glaube ich erst mal, dass man immer so eine Entwicklung macht. Es ist glaube ich so, dass wir uns zu zweit, was die Sprache angeht, noch mehr perfektioniert haben und uns noch mehr da reingefunden haben.

2. Ich hatte den Eindruck, dass die letzten zwei Alben von den Beats und den Vibes her viel weniger aggressiv oder energisch klingen als die ersten beiden. Wie seht ihr das selber?
N: Ja das kann natürlich sein. Das liegt vielleicht daran, dass wir uns gerade bei den ersten Alben noch mehr ausprobiert haben und auch einfach so einen Drang hatten, wirklich alles zu sagen und das mit der Musik zu unterstreichen. Wir haben halt auch da unseren Style so ein bisschen erschaffen und uns, wie gesagt, ausprobiert. Und da steckte dann aus musikalischer Sicht ein bisschen mehr Power drin, wobei ich nicht finde, dass das jetzt irgendwie schlechter geworden ist. Wir haben uns halt einfach weiterentwickelt.

3. Da ihr  nur singt – ist es dann einfacher sich auf das „wesentliche“, zu konzentrieren und sich nicht gleichzeitig noch um ein Instrument kümmern zu müssen?
N: Für mich ist neben dem Singen ein zweites Instrument auch das Entertainen der Leute. Es gibt ja nun auch die Leute, die wirklich auf einem Barhocker singen mit Augen zu, was auch sehr gut sein kann. Aber ich habe immer Spaß daran, mit den Leuten eine Interaktion zu schaffen und die zu entertainen. Und dabei kann ich es mir nicht vorstellen, meine Texte auch noch mit ner Gitarre zu begleiten. Wenn ich auf der Bühne von links nach rechts springe dann wäre die da nur im Weg.
M: Ich finde auch, dass die Stimme schon ein sehr wichtiges Instrument für sich ist und sie zusätzlich auch noch mit Sprache arbeitet und so versucht, das gut rüber zu bringen, dass die Leute das verstehen. Die Message mitkriegen, die man zu sagen hat. Auch der im Ausdruck im Gesicht. Ich denke, ein Instrument zu spielen wäre vielleicht einfacher. Aber als Frontmann oder Frontfrau vorne zu stehen ist voll erfüllend für mich.
N: Ich weiß nicht, ob es einfacher wäre. Aber wir kommen ja aus dem Dancehall und wir haben früher nur auf Dancehall Shows gespielt. Und da kam dann die Musik halt komplett vom DJ und so haben wir das mit der Band eigentlich weiter geführt.

4. Im Album „Für Immer“ stellt euch die Frage, ob es in Zeiten von Recycling überhaupt noch Neues gibt. Der Song „Schlag Alarm“ beginnt da mit einem Cover von Hit The Road Jack. Ihr scheißt drauf und „macht‘s einfach gut und gediegen“ –  könnt ihr den Unterschied zwischen denen, die dieser „Neuverpackung“ entsprechen und euch erklären?
M: Mit dem Song „Neu“ wollten wir halt die ganze Kommerzialisierung von Musik ansprechen und eben diese ständige Wiederkehr von Dingen  beschreiben. Uns hat halt einfach dieses ganze „als neu verkaufen“ genervt. Und  der Song ist nicht aus dieser kommerziellen Sicht entstanden.
N: Also in dem Lied „Neu“ geht’s ja ganz klar darum, dass uns uns bei Produkten von der Industrie halt oft suggeriert wird: „Das ist jetzt was völlig Neues. Jetzt hast du die BluRay DVD – So hast du den Film noch nie gesehen.“ – Der Film bleibt der gleiche. Und im nächsten Jahr kommt halt wieder was Neues raus, beziehungsweise es wird einem als neu verkauft. Der Unterschied ist natürlich, dass wir unsere Sachen nicht als Neu verkaufen. Und abgesehen davon ist das Cover von Hit The Road Jack ja etwas völlig anderes. Aber ich weiß schon was du meinst, auf jeden Fall. Wir nehmen ja auch immer gerne, live vor allen Dingen, Remixe oder Beats, die uns gefallen. Da greifen wir immer tief in die Kiste und auch weiterhin gerne (lacht).

5. Ich hab mich schon öfters gefragt, wo ihr bloß all die Ideen für die Songs herkriegt, die textlich teilweise sehr komplex und anspruchsvoll sind. Versuchen da manchmal Leute ihren Senf bei zu tun und wenn ja, nervt das auch manchmal, gerade von der Fan-Seite aus?
M: Also wir schreiben unsere Texte erst mal so, dass keiner seinen Senf dazu gibt und wir schreiben das, worauf wir Lust haben. Und wenn das Album fertig ist, hören es erst Leute, die ihren Senf dazugeben können. Und ich meine, Meinungen gibt’s so viele, wie es Menschen gibt und da kann sich auch jeder austoben. Ich muss für mich nur wissen, dass ich das beste abgeliefert habe und das gesagt habe, was ich sagen wollte. Und manchmal ist es vielleicht nicht so platt, dass man es sofort versteht. Manchmal muss man eben zwischen den Zeilen lesen und dann kann es schon mal passieren, dass Leute kritisieren, dass man weniger politischer geworden ist. Wobei ich finde, dass das letzte Album viel politischer ist, als das davor. Man muss halt ein bisschen mehr reinlesen. Aber das sind dann eben Sachen, die mich auch gar nicht mehr beeinflussen, weil ich die künstlerische Arbeit schon abgeliefert habe.
N: Mono und ich diskutieren sehr viel über unsere Texte und tauschen uns da aus. Aber ansonsten gibt’s keine weiteren Einflüsse. Es ist auch so, dass ich versuche, nicht drauf zu hören, was an Kritik von außen kommt und auch was sich Fans wünschen, weil ich mich in dem Maße eben auch weiterentwickeln will und mich verwirklichen will, ohne jetzt jemanden bedienen zu müssen.

6. Mono, uns ist aufgefallen, dass gerade auf der neuen Platte einige Texte schwierig zu verstehen sind. Gibt’s da einen bestimmten Grund für?
M (lacht): Oh, das ist schwierig zu sagen. Diese Kritik habe ich schon öfters gehört. Also es gibt da nicht einen bestimmen Grund für. Es ist einfach so, dass ich mich eben auslebe und das so singe, wie mir gerade danach ist. Ich glaube es liegt oft an Betonungen und vielleicht liegt’s auch daran, dass ich aus Österreich komme und manchmal Sachen anders betone als andere. So genau weiß ich das nicht. Manche finden das total spannend und andere  haben Schwierigkeiten damit, wenn man nicht alles direkt versteht.
N: Also das passiert natürlich nicht mit Absicht, und ich muss auch sagen, dass ich Monos Texte alle sehr gut verstehe, aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich beim Entstehungsprozess dabei bin. Allerdings gibt es natürlich auch ganz klar die Meinung, vor allem im Major-business, dass man da alles ganz genau verstehen muss. Und das sind auch Sachen, wo wir unsere Lieder eben nicht zuordnen wollen. Das ist nichts, wo wir dann mitmachen müssen. Aber klar, wenn man unsere Texte versteht, wäre das natürlich super! Aber das ist eine Kritik, an der wir auch weiterhin dran arbeiten werden, dass unsere Sachen eben noch verständlicher werden, auf jeden Fall.

7. Irie Revoltes, goldenes Handwerk, vielleicht i-fire und ihr werdet derzeit zu etwas wie dem Soundtrack für eine kritische Jugend, die sich vermehrt engagiert oder zumindest mal von einer anderen Seite her denkt. Auch ihr engagiert euch außerhalb eurer Musik in Projekten wie etwa „Schule ohne Rassismus“. Welche Rolle spielt Politik und Gesellschaft in eurer Arbeit?
M: Mir ist es ganz wichtig, mich auszudrücken. Mich auch ausdrücken zu können durch meine Musik. Ich habe nicht den Anspruch, andere Menschen zu belehren. Ich möchte keinem sagen, dass ich’s besser weiß, oder wie irgendwas geht. Ich habe auch eher den Anspruch, Fragen zu stellen, als Antworten parat zu haben. Ich glaube, ganz wichtig ist es, Leute zum Hinterfragen zu animieren, ohne ihnen zu sagen, wie man hinterfragt. Mir gefällt in meiner Musik der Anspruch von Freiheit und ich sehe mich auch als Künstlerin als freie Person, das sein zu können, was ich denke. Ich lese mir alle möglichen sozialkritischen Bücher durch und es ist mir ein Anliegen, über die Welt nachzudenken. Deshalb singe ich in meinen Texten darüber.
N: Und ich finde auch das Zusammenkommen von Menschen auf einer Party oder einem Konzert hat auch schon ein politisches Statement. Mit der gleichen Energie dahin zu kommen, einen Nenner zu haben und sich mal auslassen zu können und einfach einen schönen Abend miteinander verbringen zu können, ohne dass jetzt die ganze Zeit inhaltliche Sachen gewälzt werden. Auch das ist für mich ein Ausdruck und ein wichtiger Punkt als Ritual für uns Menschen als Gesellschaft.

8. Wie wichtig ist euch die Independence durch Root Down Records bei eurem zunehmenden Erfolg?
N: Sehr, sehr wichtig. Also es ist so, dass wir immer selbstbestimmt gearbeitet haben und das auch weiter wollen. Root Down sind unsere Kollegen, mit denen haben wir die Alben rausgebracht und es ist immer eine Frage der Vertriebswege. Es gibt natürlich auch Bands, kleine Independent-Bands, die gerade im Bereich Booking mit großen Booking-Agenturen zusammenarbeiten. Also ich finde, heutzutage gilt dieses drohende Major, so nach dem Motto „Das ist major, das ist böse“, das gibt es in der Form gar nicht mehr, wenn man mal ein bisschen Einblick ins Business hat. Aber es wäre für uns überhaupt keine Option nach vier Alben, dass wir unsere Meinung abgeben und dann schreibt uns jemand die Texte und macht uns dann ein Album. Und man kann sich  dann ein Video von uns angucken, wo wir dann ein Liebeslied singen oder so (lacht).  Das wird so nicht passieren. Diese Unabhängigkeit ist uns sehr, sehr wichtig.
M: Und selbstbestimmt arbeiten zu können. Ich merke es an mir, ich lass mir ungern was sagen. Und ich will auch nicht, dass mir andere Leute meinen Koffer tragen und meine Sachen organisieren. Diese Freiheit habe ich und das will ich mir auch nicht nehmen lassen.

9. Wie auch die Toten Hosen bist du, Nick, in Düsseldorf aufgewachsen – was verbindet euch mit der Band und mit deiner Heimatstadt?
N: Also es war so, dass ich mit meiner Mutter und meiner Schwester, als ich so sechs war, in besetzte Häuser in Düsseldorf gezogen bin. Da gab’s dann später den komplett besetzten Straßenzug, die Kiefernstraße. Da wohnt heute noch meine Schwester und meine Freunde wohnen da. Und als ich ein kleines Kind war, haben die Toten Hosen da vorm Haus aufm Bürgersteig gespielt. Ich habe selber mit 14 im T-Shirt-Druck bei denen gearbeitet und Freunde waren dann da irgendwie auch noch Tourbegleitung. Das ist so diese ganze Punk-Szene von Düsseldorf, die ich von klein auf miterlebt habe.
M: Also wir haben die dann wieder getroffen aufm Chiemsee, die hatten sich da das Konzert angeguckt. Und das war schon sehr lustig als die dann zu Nick sagten „Ah, ich kenn ja deine Mutter“
N: Und außerdem gibt es in Düsseldorf nicht so viele Highlights. Dass man da Bands und so trifft unter Freunden; das ist schon gut.

10. Warum singt ihr auf Deutsch?
N: Ich denk auf Deutsch, ich träum auf Deutsch, ich kann mich auf Deutsch am besten ausdrücken, warum nicht auf Deutsch singen? Und die Leute verstehen mich so am besten.
M (lacht): Ja bei mir ist es vielleicht eher: Warum singe ich nicht auf Österreichisch! Nein, also ich will schon verstanden werden! Da sollte ich aber wohl dran arbeiten. Ich find’s einfach eine schöne Sprache und es ist einfach eine Herausforderung, weil es echt schwierig ist, dass es nicht nach Schlager klingt.
N(lacht): Außerdem kann ich kein Französisch.

11. Mono, wie kommt man auf die Idee, einen Song wie Schwerelos zu schreiben, wenn man selber noch nie, wie Niki im Mai in Hamburg gesagt hat,  high war?
M (lacht): Ich war noch nie High? Gekifft hab ich noch nie! (…) Aber vielleicht kann man das Lied auch als Liebeslied deuten – das weiß nur keiner!

12. 2008  habt ihr in einem Interview, auch mit IrieItes gesagt, ihr hättet mal Lust, ein Livealbum aufzunehmen. Haben sich diese Pläne konkretisiert?
N: Ja! Ende der Tour 2012 wollen wir in Wien in der Arena das Livealbum aufnehmen, und da freuen wir uns schon drauf! Dann werden wir’s mal zusammen schneiden und dann zur gegebenen Zeit rausbringen. Irgendwann 2012 .

Interview: Pauline Betche (12/2011)

Karsten

About Karsten

Founder of the Irie Ites radio show & the Irie Ites Music label, author, art- and geography-teacher and (very rare) DJ under the name Dub Teacha. Host of the "Foward The Bass"-radio show at ByteFM.