Mortimer „Fight The Fight“ EP (Easy Star Records)

Mortimer
„Fight The Fight“ EP
(Easy Star Records – 2019)

Ganz so schlechte Erfahrungen mit Freunden wie im warnenden, fulminanten ersten Track „Careful“ seiner neuen EP (nach dem „Message Music“ (VP Records) aus 2014) kann Mortimer doch gar nicht gehabt haben. Er war ein Protegé von Proteje und erst durch die Zusammenarbeit mit ihm bekannt geworden. Es half ihm sicherlich auch die Aufmerksamkeit vom Produzenten Winta James auf sich zu lenken. Demselben Typen, der auch den genannten Protoje, aber auch Chronixx, Jesse Royal und andere jamaikanischen Reggae Revival Artists produzierte, und dabei so einige Hits rausgehauen hat. Davor war Winta James leider auch Keyboard Spieler für Damien Marley, aber no one’s perfect.

Im Hip-Hop-lastigen Track „No Lies“ wird die Connection zu Protoje am deutlichsten. Nimmt er doch darin die genau dieselbe lässig legere Gesangsposition von Protoje ein. Auch wenn er die Tiefe und die Größe vom Anfangslied in den weiteren fünf Tracks nicht wieder erreicht, bietet die EP „Fight The Fight“ mehr als genug WOW-Momente. Dafür ist nicht nur die geerdete, und doch opulent mit ausufernden Bläsersätzen, vibrierenden Orgeln und gefühlsbeladenen Gitarrenbegleitung arrangierte Klangkulisse von Winta James verantwortlich, sondern auch die warme, zum Heulen schön knisternde und melodiöse R’n’B-Stimme von Mortimer selbst, den die Leute vom Detroiter Motown Label ihrer Zeit sicherlich mit einer Pistole an der Schläfe zur Vertragsunterzeichnung gezwungen hätten.

Sehr selbstbewusst, wie bereits ein Großer feiert er in „Lightning“ den Anfang einer Liebe, während im Hintergrund filmisch-theatralisch dahinschmelzende Slide-Gitarre ihr sentimentales Unwesen treibt. Im Lovers-Rührstück „Style & Grace“ widmet sich Mortimer noch einmal dem schönen Geschlecht, diesmal führt jedoch die Regie eine verträumte Akustikgitarre, getragen von eingängigem Reggae-Beat. Dieser jamaikanische Sänger kriegt es sogar hin, dass die Schnulze aufregend klingt! In „Misery“ werden dann nochmals Mortimers Qualitätsgeschütze herausgefahren mit hüpfenden Piano-Einlagen und rhythmischen Gitarren-Parts, wo Mortimer den ganzen Blues und Soul, den er innehat, aus dem Bauch raussingt.

Der Titeltrack „Fight The Fight“ ist mit dem treibenden Beat, den typischen Begleitgesängen und der pulsierenden Gitarre im Hintergrund, ganz offenkundig eine balladeske Huldigung an Bob Marley – und warum auch nicht? Vor allem, wenn es einer dermaßen überzeugend und frisch umsetzt. Mortimers „Fight The Fight“ ist eine ausgewogene Mischung aus Liebes- Kampf- und Erfahrungsliedern in dem er beweist, dass guter Reggae immer noch aus Jamaika kommen kann.

Zvjezdan Markovic

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About Zvjezdan Markovic

Immer auf der Suche nach neuen und alten Sounds, hat aber auch seit über 10 Jahren die schlechte Angewohnheit, darüber zu schreiben. (E-Mail zvjezdan[at]irieites.de)