aDUBta „Drum & Bass müssen allein tragen“

aDUBta arbeitet seit über zwei Jahrzehnten im Hintergrund von Reggae- und Dub-Produktionen – als Schlagzeuger, Multiinstrumentalist und Produzent mit einem klaren Fokus auf Reduktion und Funktion. Im Gespräch geht es um Riddims, um Momente im Studio, um das Zusammenspiel von Drum & Bass – und um die Zusammenarbeit mit Marcus I.

Diesen Freitag erscheint dein gemeinsames Album „Fullness“ mit Marcus I. Wie ist dieses Projekt entstanden und was hat euch beide dazu inspiriert, ein komplettes Album zusammen zu realisieren?

Alles fing damit an, dass ich Marcus’ Single “Soul Warriors” mit Pinnacle Sound entdeckt hatte. Das war zu der Zeit, als ich gerade am “Sounds from the Attic” Showcase gearbeitet habe. Ich war hin und weg von seiner Stimme und seiner Art zu singen und habe ihn direkt angeschrieben und ihm drei Riddims von mir geschickt.

Anfangs wollten wir zwei Tunes zusammen probieren. Dann wurde aber schnell klar, dass diese Zusammenarbeit überaus inspirierend und befruchtend für beide Seiten ist. Ich habe Marcus jede Woche einen neuen Riddim geschickt und er hat die Woche drauf meist ein Vocal Demo zurückgeschickt.

Nachdem wir auf diese Weise über 12 Songs zusammen geschrieben haben, hat er mich in meinem Attic Roots Studio am Ammersee besucht und die Songs bei mir recordet. Ein Großteil der Songs dieser ersten Session, sowie ein paar weitere, die in unserer zweiten Session entstanden, sind jetzt auf “Fullness” erschienen. Am Ende haben wir uns gegenseitig inspiriert, indem wir in relativ kurzer Zeit rund 30 Songs gemeinsam geschrieben und produziert haben.

Der Titel „Fullness“ klingt nach einer starken Botschaft. Welche Bedeutung steckt für dich hinter dem Namen des Albums und welche Themen wollt ihr musikalisch und inhaltlich transportieren?

Der Titel ist eigentlich so entstanden, dass die ganzen Riddims, die ich Marcus geschickt habe, alle Arbeitstitel wie z.B. “Full of love” oder “Full of …” trugen. Dadurch nannten wir die Recording Session auch “Fullness Session”. Der Titel kam uns dann irgendwie passend vor, da er einerseits sehr klar ist und gleichzeitig sehr viel Interpretation erlaubt.

Was dürfen die Hörerinnen und Hörer musikalisch von „Fullness“ erwarten – gibt es bestimmte Sounds, Einflüsse oder Momente auf dem Album, auf die du besonders stolz bist?

Zwölf Hit Songs 😉 Bin ehrlich gesagt auf das ganze Album sehr stolz. Ich glaube wir haben da eine wirklich tolle und zeitlose Scheibe produziert. Eine schöne Mischung aus Early Reggae, Rocksteady, Roots-Reggae und Dub, im charakteristischen Sound-Gewand der Black Oak Roots Allstars.

Wenn Du „Fullness“ nicht als Release, sondern als Zustand beschreiben müsstest: Worum geht es dir darin – rhythmisch, klanglich, vielleicht auch menschlich?

„Fullness“ trifft den Zustand eigentlich sehr treffend 🙂

Im Roots- und Dub-Kontext kann ein Drum-Pattern den ganzen Track setzen. Woran merkst du: Jetzt steht der Groove – jetzt darf der Rest passieren?

Drum & Bass müssen ohne den Rest der Instrumente funktionieren und bereits den Riddim tragen. Nur dann wird auch eine Dub-Version funktionieren. Und dann kann man mit den restlichen Elementen quasi machen, was man will.

Du arbeitest live und im Studio sehr reduziert. Was gibt dir diese Konzentration auf das Wesentliche?

Live war das oft einfach meiner Bequemlichkeit geschuldet, da ich möglichst wenig Equipment mit mir rumschleppen möchte. Und ich mag’s gern reduziert und bewusst. Zuballern ist meist einfacher, als Pausen und Platz – also Stille – mit Energie und Spannung zu füllen.

Was hat dich Ursprünglich an Reggae angezogen – der Groove, der Bass, die Haltung, die Soundsystem-Idee? Und was davon ist wichtiger geworden?

Das war schon der Groove würde ich sagen. Es hat mich fasziniert und begeistert mich bis heute, wie eine teils so reduzierte und langsame Musik eine dermaßene Energie erzeugen kann.

Gibt es eine Session oder Aufnahme, bei der du gemerkt hast: Hier ist etwas passiert, das man nicht planen kann?

Ja, das passiert immer wieder. Spontan fällt mir das Drumtake von „Cool Dong“ (Cut A Wire) ein. Das habe ich im Sommer bei gefühlt 45 Grad im Attic Roots Studio eingespielt. Ich habe genau einen Take gespielt (in Unterhosen) und bin danach schweißgebadet an den See geflüchtet, weil es einfach nicht auszuhalten war.
Abends habe ich dann bei angenehmen 30 Grad die Bassline und die restlichen Instrumente eingespielt. Der ganze Song lebt von diesem Moment, in dem er entstanden ist. Ich finde, man kann die Hitze beim Anhören immer noch spüren.

Auf deinem Album „Fullness“ gibt es auch eine besondere Geschichte mit Marcus I…

Eine andere Geschichte gab es bei einem Vocal-Take auf dem Fullness-Album mit Marcus. Das Take von „Upon The Roof“, das am Ende auf dem Album gelandet ist, war eigentlich gerade erst der Soundcheck. Marcus hat mir den Song dabei das erste Mal präsentiert – ich hatte ihn vorher nicht gehört, weil er mir dafür kein Demo geschickt hatte. Nachdem er gesungen hatte, war klar: Wir brauchen nichts mehr. Das Take war’s.

Dein Spiel wirkt in der Zusammenarbeit mit Sänger*Innen wie Marcus I oder Ammoye oft wie ein Dialog mit der jeweiligen Stimme. Wie entsteht dieser Austausch?

Als Drummer in meinen Bands habe ich schon immer sehr auf den oder die Sänger*In bezogen gespielt und bin oft auch ganz unterbewusst auf die Vocals eingegangen. Bei den Produktionen mit Marcus I spiele ich die Riddims vorher ein, schicke sie ihm und er schreibt darauf. Er ist einer der wenigen Artists, mit denen ich gearbeitet habe, der wirklich komplett auf die Riddims eingeht, sodass es am Ende wirkt, als hätten wir zusammen geschrieben und eingespielt. Das ist allerdings vor allem seinem großen songwriterischen Talent geschuldet.

Was beschäftigt dich aktuell am meisten – musikalisch oder menschlich?

Ich werde weiterhin die unendlichen Schätze der jamaikanischen Musik erforschen, die zwischen den 60er-Jahren und Mitte der 80er entstanden ist. Es ist unglaublich, wie viel Musik in dieser Zeit entstanden ist. Gleichzeitig freue ich mich grundsätzlich immer darauf, auch in anderen Genres zu forschen, die so viel tolle Musik bereithalten.

Also, um es kurz zu sagen: Musik.

Danke dir für das Interview.

Interview: Christian Bautze-Boeke (3/2026)

“Fullness” ist am Freitag 13.März 2026 erschienen, in Europa u.a. erhältlich auf Bandcamp, Juno und HHV. Weitere Informationen zu aDUBta und aktuellen Releases findet ihr bei IrieItes.de und auf adubta-music.de

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