Nach unzähligen Sessions und Events im Raum Offenbach/Frankfurt hat sich rund um die Crew über die Jahre eine starke Community entwickelt. Seit der Corona-Zeit bauen die Jungs und Mädels von Armagiddeon Sound nun ihr eigenes Soundsystem – Schritt für Schritt, handgemacht und mit viel Herzblut. Was als klassischer Reggae Dancehall Sound 2001 begann, wächst heute zu einer Plattform für Basskultur, Dub-Vibes und kollektiver Energie zusammen.


Dieses Soundsystem-Interview ist ein Teil einer Reihe. Weitere Interviews findest du fortan in unserer Kategorie Soundsystem Culture.


Seit wann existiert euer Soundsystem, wieviele seid ihr und wo wart ihr bislang aktiv?

Flo und Bo:

Wir haben gegen Ende der 90er Jahre begonnen, Reggae und Dancehall zu hören. Inspiriert von Felix, Flos Bruder, hörten wir dessen Mixtapes rauf und runter, kauften Platten, und gingen in Frankfurt auf die ersten Dances von Riddim Wize und Raggagum Sound im O25 und Space Place. Diese Zeit hat bis heute einen starken Einfluss auf uns. 2001 haben wir beide dann Armagiddeon Sound gegründet und haben bewusst auf das „System“ verzichtet, da wir kein eigenes Soundsystem hatten. Über die Jahre kam dann immer öfter Don Sharicon als MC bzw. Deejay am Mic dazu. Manchmal spontan, manchmal geplant, aber selten ohne ihn.

Als eine musikalische Hauptinspiration immer dabei war Felix. Zunächst eher im Hintergrund, in den letzten Jahren aber immer aktiver an den Effekten und bei der Selection.

Sista K war ab ca 2014 auf fast allen unserer Dances und unterstützt uns bis heute mit Rat und Tat, sicheren Heimfahrten nach einem Dance und seit neustem auch mit Selection.

Irgendwann hatte Ben der bis dato zu Reggae Partys in ganz Deutschland fuhr, von unseren Partys mitbekommen und hatte von Anfang an die Energie und den Drang uns zu unterstützen. Im Jahr 2016 hat er angefangen bei Partys von uns Essen und Cocktails anzubieten, organisierte Orte zum Spielen und fuhr sein kleines Mobiles Soundsystem an öffentliche Orte. Er supported als Networker, Motivator und Sandwichmaker im Offenbach-Style. Doch vor allem fungiert er als treibende Kraft beim Boxenbau und bei der Soundsystem-Entwicklung.

Zwischendurch war auch MikaDub dabei, der beim Boxenbau und Auflegen unterstützt hat, dann aber nach Hamburg gezogen ist, wo er sich der hiesigen Szene um dem Hibration Soundsystem anschloss.

Mittlerweile war Ralf vom Irie Ites Soundsystem (Kassel) und der Bassment Session Crew (FFM) von Frankfurt nach Offenbach gezogen. Er war oft Gast in unserer monatlichen Radiosendung, man kennt sich schon länger, „Armagiddeon Sound and Friends“ auf Radio X und wurde schnell Teil der Family. Seit 2022 führt er die Radiosendung im monatlichen Wechsel mit Konstantin von i_System weiter. , einem wiedererwachtem Frankfurter Reggae-Urgestein weiter.

Axel und Doris, die über unsere Radiosendung auf uns aufmerksam geworden sind, waren schon seit ein paar Jahren regelmäßige Gäste unserer Veranstaltungen und wurden 2022 Teil der Crew. Die beiden sind Soundsystemverrückte, technisch begabte, Reggae liebende Menschen. Seit die beiden dabei sind, hat der Bau unseres Soundsystems eigentlich erst so richtig begonnen, also planvoll und systematisch.

Nächstes Mitglied ist Oli, der in der heißen Phase des Boxenbaus dazu kam und viel daran mitgewirkt und gebaut hat. Er steht als Selector mit Rocksteady, Roots und Dub, aber auch mit aktuellen Steppers Sound an den Decks.

Als neueste Zugänge in der Family sind Miriam Schulte und Horst Senegal (auch bekannt vom Low Frequency Dance Club, Radio X und der Discothèque Africaine) zu begrüßen. Sie erweitern das Team mit langjähriger DJ-Expertise und unterstüt in organisatorischen Belangen.

So sah er aus, der Weg von unserem kleinen „Flo&Bo DJ-Team“ hin zu einem 12-köpfigen Soundystem-Kollektiv.

Habt ihr reguläre Dances, womöglich in einer Homebase?

Flo und Bo:
Wir hatten seit 2003 im Offenbacher Club Rotari und ab 2005 im Hafen 2 unsere ersten regulären Veranstaltungen. Gemeinsam mit bun-A-fire Sound und Double D veranstalteten wir unzählige Dances namens Bashment Boogie, bei denen wir super Kontakte in die regionale und internationale Reggae-Szene knüpfen konnten.

Seit 2006 ist die Veranstaltung Bashment Boogie im „Waggon am Kulturgleis“ in Offenbach zu Hause. Der Waggon ist ein ausgebauter, echter Eisenbahnwaggon mit Terrasse am Offenbacher Mainufer. Hier spielen wir in den wärmeren Monaten und vereinzelt auch im Winter mit wechselnden Gästen. Mit dieser Partyreihe haben wir eine gute Basis geschaffen, um uns mit anderen DJs und Soundsystems zu vernetzen. Allerdings spielen wir im Waggon nicht mit unserem eigenen Soundsystem, sondern auf der (mittlerweile ziemlich guten) „Haus-Anlage“. Der Eintritt ist immer frei!

Eine weitere reguläre Veranstaltung sind unsere Dances in Offenbach-Mühlheim bei der Artificial Family im Uferlos Beachclub. Das ist eine wunderschöne Open Air-Location am Rande eines Naturschutzgebietes mit viel Platz. Hier spielen wir auf unserem eigenen Soundsystem und haben oft auch andere Kollektive zu Gast. Das sind dann Conference Sessions, bei denen zwei Soundsystems von zwei Crews nebeneinander stehen und abwechselnd bespielt werden. Ansonsten spielen wir, wie es sich halt ergibt, zum Beispiel letztes Jahr im Vorprogramm von Skip Marley in Frankfurt und 2022 im Vorprogramm von Horace Andy.

Wo bzw. wie seid ihr das erste Mal mit dem Thema Soundsystem in Berührung gekommen? 

Ben:

Meine Verbindung zur Musik entstand nicht über klassische Wege, sondern durch das Ganja-Rauchen – das spielte schon immer eine große Rolle in meinem Leben. Über diese Kultur bin ich zur Musik und schließlich zur Soundsystem-Bewegung gekommen.

Als ich nach Offenbach zog, lernte ich die Armagiddeon-Crew kennen. Ich wollte mich mehr einbringen, nicht nur tanzen – und hatte die Idee, Essensstände bei Veranstaltungen zu machen. Das kannte ich noch aus meiner Zeit in der Landwirtschaftswehr, wo ich regelmäßig bei solchen Aktionen mitgeholfen hatte. Es ging mir darum, etwas Nachhaltigeres beizutragen, gerade auch als Alternative zu dem vielen Alkohol auf Partys.

So kam ich dem Kollektiv näher – und begann, mich intensiver mit Lautsprechern auseinanderzusetzen. Dabei spielten für mich visuelle und spirituelle Eindrücke eine Rolle: Bilder von alten Soundsystems, der Klang von Trompeten und Hörnern, die schon in religiösen oder kulturellen Traditionen Nachrichten transportieren. Besonders faszinieren mich bis heute die Hochtöner und Trichterlautsprecher – nicht wegen technischer Perfektion, sondern wegen ihrer Ausdruckskraft.

In der Corona-Zeit, als keine Veranstaltungen stattfanden, habe ich einfach angefangen, draußen im Hafengarten meine ersten selbstgebauten Lautsprecher aufzubauen. Zwei 15-Zoller für 40 Euro von eBay – mehr hatte ich nicht. Aber es war ein Anfang. Ich habe gehofft, dass irgendwann andere dazukommen – und so kam es auch.

Mit MikaDub ging es dann weiter. Wir sammelten alte Lautsprecher, bauten Stück für Stück etwas zusammen. Irgendwann sah es tatsächlich wie ein Soundsystem aus. Die Begeisterung blieb, aber ich merkte auch, dass ich es nicht allein stemmen kann – vor allem finanziell. Also wurde das Projekt gemeinschaftlich mit Armagiddeon weiterentwickelt.

Heute ist daraus mehr geworden als nur ein Lautsprecher-Projekt. Es geht um Kultur, Beteiligung, Eigeninitiative – und um die Leidenschaft, Klang auf eine besondere Weise erlebbar zu machen.

Miriam:

Ich komme eigentlich aus der elektronischen Club- und Raveszene und habe viele Jahre Techno und House aufgelegt. Das war für mich als DJ aber irgendwann weitgehend auserzählt und ich habe mich zunehmend für die bassbasierten UK Sounds und Genres interessiert: UK Funky, Dubstep, Garage, UK Bass. Insbesondere Dubstep ist ja tief in der Soundsystem-Kultur verwurzelt, sodass von dort mein Weg zu Reggae, Roots und Dub samt der dazugehörigen Culture nicht weit war. Zurück in die Zukunft sozusagen. Die erste Soundsystem Party, auf der ich getanzt habe, war in Berlin, eine Wax Treatment auf dem Killasan Soundsystem.

Axel:

Früher habe ich hauptsächlich elektronische Musik, Disco und Soul gehört. Zum ersten Mal mit Reggae in Berührung kam ich lustigerweise über eine rororo-Taschenbuchreihe namens „Rock Sessions“. Da waren einzelne Artikel über Reggae und ein Interview mit Lee Perry drin. Auch die Radiosendung von Klaus Walter auf hr3 habe ich gehört, er hat da unter anderem digitalen Reggae und frühen Jungle gespielt. Meine ersten eigenen Reggae-Platten waren „Brutal“ von Black Uhuru und „Super Ape“ von Lee Perry. An Reggae hat mich immer fasziniert, wie innovativ die Produktionen waren. Seit 2010 höre ich fast nur noch Reggae und alten Dub und mag Scientist und King Tubby am liebsten. Außerdem lese ich alles, was ich über Reggae finden kann, mein Lieblingsbuch ist „Dub“ von Michael Veal, in dem er einzelne Dubs analysiert.

Die ersten Soundsystem-Dances, zu denen Doris und ich gegangen sind, waren in Mainz. Dann die Bashment Boogie-Partys von Armagiddeon im Waggon in Offenbach und die Bassment Session-Events von Debbie und Ralf, damals noch im Frankfurter KOZ auf dem alten Uni-Gelände in Bockenheim (heute finden die Bassment Sessions im Club Voltaire in Frankfurter statt). Dass wir dann 2022 von Mainz nach Offenbach gezogen sind, lag auch an Armagiddeon Sound 🙂

Rall-Fi:

Ich habe 1997 in Ostdeutschland als HipHop- und Reggae-DJ angefangen. Mein Ziel war es von Anfang an, Reggae, HipHop und Dub miteinander zu verbinden. Meine erste Dub-Platte war Dub Me Crazy von Mad Professor – ein prägendes Erlebnis. Zum ersten Mal ein echtes Soundsystem erlebt habe ich 2001 bei einer King Shiloh Session in den Niederlanden. Ich erinnere mich noch genau, wie sehr mich die Atmosphäre und der Sound der Anlage geflasht haben. Diese Art der Darbietung war komplett anders als alles, was ich bis dahin aus Deutschland kannte.

Haben euch spezielle Events oder andere Soundsystems dazu inspiriert, ein eigenens System in Angriff zu nehmen?

Axel:

Doris und ich sind einige Male zum Notting Hill Carnival gefahren. Ich war fasziniert, wie wandlungsfähig die Soundsystem-Szene in London ist. Es gibt Soundsystems, die alle Variationen von Reggae, Grime, UK Garage, Drum & Bass und Genres dazwischen spielen.

Das Mangrove Soundsystem hat damals noch in der All Saints Road gespielt. Dort gab es in den Sechzigern ein karibisches Restaurant, das Mangrove, das wichtig für die Bürgerrechtsbewegung in Großbritannien war. Das gleichnamige Soundsystem spielt hauptsächlich Soca. Sie hatten an ihrem alten Ort einen sagenhaft unverzerrten Bass, der laut war ohne die Musik zu überwältigen. Nasty Love hatten eine gute Kombination aus alten Rootsplatten und Dancehall und haben eine sehr lebendige Stimmung verbreitet.

Jedes Soundsystem, das wir auf dem Carnival gehört haben, hatte einen ganz eigenen Klang und hat stark in die Soundgestaltung von einzelnen Platten eingegriffen. Ich sehe ein Soundsystem weniger als eine Anlage zur Musikwiedergabe, sondern mehr als ein Musikinstrument. Das fasziniert mich sehr und darum habe ich schon lange davon geträumt, einmal Lautsprecher für ein Soundsystem zu bauen.

Was begeistert euch an der Soundsystem-Kultur?

Bo:

In der Soundsystem-Kultur ist ein sehr starker Zusammenhalt zu spüren. Die Crews unterstützen sich gegenseitig, buchen sich zu Sessions, bauen ihre Systems nebeneinander auf. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist eine gute Energie, die auf den Veranstaltungen und bei der Planung spürbar ist. Die Magie beginnt bereits, bevor die Musik läuft.

Miriam:

Der Gemeinschafts- und Inklusionsgedanke, die starke Do-it-Yoursef-Kultur, die nicht-kommerzielle Herangehensweise und der intensive Underground-Vibe inspirieren mich sehr. In einer Zeit, in der Clubkultur entweder stirbt oder immer teurer, exklusiver und kommerzieller wird, empfinde ich den Soundsystem-Spirit als extrem fortschrittlich. Es macht mich auch immer wieder glücklich zu sehen, wie auf den Partys die Leute die Boxentürme antanzen anstatt frontal den oder die DJ zu fixieren. Es geht um die Musik, den Bass, die selbstproduzierte Technik, und darum, kulturell was Eigenes auf die Beine zu stellen, was man dann mit der Community teilt, lebt und feiert.

Habt ihr bei euren Selections Vorlieben? Welche Musik ist bei euren Dances zu hören?

Flo und Bo:

Auf unseren Dances war schon immer Dub, Dancehall und Reggae zu hören. Zugleich stimmen wir die Sounds aber auf die jeweils zu erwartende Crowd ab. Partys mit Hip Hop, Electro, Dubstep, Halloween-Styles, Soul & Funk haben wir auch gemacht. Unser Sound war also schon immer Kingston, New York und London.

Seitdem wir mit dem jetzigen Soundsystem und auch den vorherigen kleineren Versionen selbst gebauter Anlagen spielen, hat sich unser Fokus aber doch sehr auf Roots, Dub, Digital und Steppers verschoben. Wir spielen also meistens Sounds, die sehr “reggae-konform” sind. Aber uns ist auch im erweiterten Team wichtig, immer wieder die anderen Spielarten, Neuinterpretaionen und Hybride der „next Generation“ mit einfließen zu lassen, z. b. Soca, Jungle, D&B, Dancehall, Ska, Hip Hop, Bass, Deep Dubstep etc.

Gibt es besondere Künstler*Innen, Produzent*Innen oder Labels, die ihr besonders mögt und dementsprechend auch häufiger spielt?

Bo und Flo:

Uns war es von Anfang an wichtig, dass sowohl bei den Live-Sessions als auch bei den Mixtapes nicht nur die bekanntesten Artists mit vielen Tunes vertreten sind. Wir versuchen, unbekanntere Produktionen und Künstler:innen sowie Sets mit unterschiedlichsten Schwerpunkten zu spielen, damit es fürs Publikum und auch für uns selbst abwechslungsreich und spannend bleibt. Das gelingt im großen Team wunderbar. Auch unsere mittlerweile 16jährige Radiosendung war eine gute Plattform für Tunes fernab des Mainstreams. Allerdings muss unser Publikum teilweise, je nachdem wie offen sie selbst für die verschiedenen Strömungen sind, sich auch mal überraschen lassen können.

Flo:

Ich bin ja über HipHop der frühen 90er zu Reggae , genauer Ragga gekommen. Zu der Zeit war durch die US Rapper, von denen viele Jamaikanische Wurzeln haben (zB. Busta Rhymes & Notorious BIG) auf YO MTV RAPS auch die größten Reggae/Ragga/Dancehall Hits auch zusehen und es gab viele Kollaborationen. Mein ersten Einflüssse in diese Richtung waren dadurch z.B. Cobra (Flex), Super Cat (Don Dada), Barrington Levy (Here I Come), Leaders of the New School, Mad Lion, KRS-1 & Boogie Down Productions (Loves gonna Getcha), Das EFX, Shabba Ranks & Shaggy (Oh Carolina). Einige Reggae Klassiker kannte ich also erstmal nur durch die gesamplete HipHop Version wie z.B. Ring Di Alarm (Fu-Schnickens). Anfang der 90er kamen dann Breakbeats und Jungle aus UK dazu. Zu dem Zeitpunkt war ich ca 11 Jahre und lernte durch die Samples weitere Hits & Klassiker der Reggaekultur kennen. Gegen Ende der 90er wurde für mich Hip Hop uninteressanter und ich widmete mich noch mehr dem Dancehall & Reggae. Durch die Platten- und CD-Sammlung meines Bruders Felix habe ich mein erstes Ragga Tape in der vierten Klasse zusammengestellt. Da waren halt z.b. Cobra, Papa San, Galaxy P, Bounty Killer, Tiger, Beenie Man, Lt Stitchie und so weiter drauf. Das habe ich dann im Schulsport auf einem kleinen protablen roten Fisher Price Tapedeck laufen lassen. Später kam dann auch Dub dazu, nätürlich King Tubby, Scientist & Lee Perry aber auch die On-U Sound Sachen, vor allem Dub Syndicate (Das Echomania Album habe ich damals rauf und runter gehört) und Iration Steppas. Meine Intention war schon immer den Leuten gute Musik zu zeigen die sie vermutlich noch nicht kennen. Das Beste für die Leute ist aber glaube ich ein Mix aus : „Hey das kenn ich!„ und „Wow, was ist das ?“

Das Betreiben eines Soundsystems hat neben der Musik viel mit Technik zu tun. Stellt bitte eure aktuelle Hardware für die technisch interessierten Leser*Innen vor.

Axel:

Da muss ich vorher etwas ausholen, wie es überhaupt zum Bau unseres Soundsystem kam. 2022 hat mich Ben auf das Vorhaben angesprochen, eigene Lautsprecher zu bauen. Ben wollte als erstes mit die Subbässe bauen. Er hatte den Wunsch, dass es full size Scoops werden sollten.

Ich habe mich dann in Bücher und Fachartikel über Lautsprechertechnik eingelesen. An der Hochschule Darmstadt gab es eine Vortragsreihe über Lautsprecher und Messtechnik mit Ingenieuren, die die gegenwärtige Lautsprechertechnik beeinflusst haben. Im Roots & Culture-Forum von Speakerplans schreiben Mitglieder ausführlich über ihre Erfahrungen. Ich habe viele ihrer Berichte miteinander verglichen.

Wir haben uns alle Weihnachten 2022 getroffen und beschlossen, dass wir einen tiefen, vollen Bass anstreben. Wir wollten erreichen, dass keine einzelnen Töne bevorzugt werden. Ein Konstrukteur aus England, der seit den 80er Jahren Soundsystems baut, hat uns sehr viel beim Design unseres Systems beraten. Ich bin ihm sehr dankbar dafür.

Die Treiber für unsere Subwoofer sind LF18X401 von RCF. Sie sind gut für Subwoofer mit einem vollen, runden Klang. Ihre Parameter sind ähnlich dem bekannten Fane 18XB, aber sie vertragen eine größere Auslenkung der Membrane. Sie produzieren sehr niedrige Verzerrungen.

Wir haben eine für 18 Zoll hochskalierte Version der Fane-Scoops aus den 80ern gebaut. Den Bauplan dafür gibt es bei Speakerplans. Er heißt dort Scaled Fane. Wir haben das Gehäuse mit Hornresp simuliert und eine Variante gefunden, die gut zu unserem Treiber passt.

Beim Bau haben alle mitgeholfen. Die Hauptarbeit haben Ben, Oli, Doris und ich gemacht. Oli hat große Erfahrungen in der Bearbeitung von Holz, darum ist es ihm zu verdanken, dass die Lautsprecher handwerklich so ordentlich geworden sind. Doris hat ein gutes technisches Verständnis und hat immer Hand angelegt, wenn etwas zu tun war. Die Bassrutschen haben wir in einer Biegeform aus drei Lagen Flugzeugsperrholz laminiert.

Die Subbässe klingen so, wie wir erhofft hatten und es war ein gutes Gefühl, zum ersten Mal alle vier Subwoofer zu hören. Die Treiber sind noch nicht ganz eingespielt, aber wir erwarten, dass der Klang mit der Zeit noch tiefer wird.

Die Endstufe für die Subwoofer ist eine Camco DX48, die im Sauerland gebaut wurde. Wir haben sie von einem Soundsystem in Birmingham gekauft. In der Endstufe ist sehr viel Eisen und eine Schaltung zur Unterstützung der tiefen Frequenzen verbaut. Unsere bisherigen Endstufen haben bei tiefen Noten immer etwas angestrengt geklungen. Die Camco spielt jedoch ganz mühelos tiefe Töne.

Als Limiter für die Subwoofer benutzen wir einen DBX 1046 Vierkanal-Kompressor/Limiter. Zuerst war ich etwas besorgt, dass er ein zu starkes Signal abgeben könnte. Jetzt sind wir darüber froh, denn unsere Endstufe braucht ein kräftiges Eingangssignal.

Wir haben eine JBL 260 Digitalweiche. Die Laufzeitkorrektur haben wir mit Room EQ Wizard und einem billigen Messmikrophon gemacht.

Wir sind noch dabei zu lernen, wie wir unser System abstimmen. Aber es wird jedes Mal besser! Die Selectors, die gerade auflegen, steuern die Klangregelung am Mischpult und am Controller, bedienen die Dubsirene und fügen Effekte hinzu. Die Anlage bediene meistens ich, aber Ralf hört immer genau hin und sagt, wie es passt. Leute, mit denen wir zusammengearbeitet haben und die Dubstep oder Live Sound machen, haben uns gute Anregungen für den Klang gegeben.

Zur Zeit bauen wir Reflexlautsprecher für den oberen Bass, einen ersten Prototyp haben wir schon. Als Treiber haben wir den 15NW76 von B&C, der einen guten Wirkungsgrad im oberen Bassbereich hat. Im oberen Bassbereich gibt es leicht einen mulmigen Klang. Wir sind so, wie sich unser Prototyp anhört, ganz optimistisch, dass es gut wird.

Für die Höhen benutzen wir manchmal Hörner. Ben borgt uns seinen BMS 4550 für die tieferen Höhen. Die BMS 4550 können für Horntreiber ziemlich tiefe Frequenzen wiedergeben. Als Tweeter benutzen wir manchmal die Beyma CP21 Schlitztöner.

Alleine schon logistisch ist ein Soundsystem herausfordernd. Wer macht bei euch was? Wer legt auf, wer macht die Flyer, wer baut auf etc.?

Flo und Bo:
Beim Auf- und Abbau helfen alle, die Zeit haben. Wir sind genug Leute, sodass sich dafür immer jemand findet. Flyer haben wir früher beide gestaltet, heute ist es zu 99% Ralf, der mit seinem unverwechselbaren Style die Flyer entwirft. Die Texte dazu schreibt meistens Bo. Er bespricht auch meistens mit den Locations das Organisatorische. Der Boxenbau und die technischen Belange sind vor allem Doris‘, Axels und Bens Gefilde.

DJs sind wir beide, außerdem Felix, Rall-Fi, Oli, Sista K, Miriam Schulte und Horst Senegal. Allerdings legen nicht bei jeder Party alle auf 😉 Wir spielen sowohl Vinyl als auch digital.

Welche Visionen habt ihr für euer Soundsystem? Was steht demnächst an?

Flo und Bo:
Weiter bauen, umbauen, ausbauen. Das Projekt fühlt sich noch lange nicht fertig an. Es lässt sich immer etwas optimieren oder umgestalten. Wir sprechen schon viele Jahre darüber, evtentuell einen Verein zu gründen, was neue Möglichkeiten bieten würde. Wir haben mittlerweile Kids, die das System irgendwann gerne übernehmen dürfen. Ansonsten: Den Bass und Offbeat weiter tragen, promoten, Leute inspirieren oder einfach nur erfreuen.

Welche besonders wichtigen Tipps habt ihr parat an diejenigen, die derzeit darüber nachdenken, selbst aktiv zu werden?

Flo und Bo:
Schauen, hören, connecten. Eine eigene Vision entwickeln – und loslegen. Am besten mit viel Liebe und Leidenschaft für das, was ihr tut.

Seit einiger Zeit seit ihr auch als Produzenten in Erscheinung getreten. Könnt ihr uns kurz eure Arbeit vorstellen?

Signal Flow hat 2010 mit Lo Beatz Vybz Cru Records gestartet und ein paar Dancehall Songs Produziert und veröffentlicht. Seit paar Jahren sind die Produktionen auf dem Label Hauptsächlich von Mamba von bunafire produziert. Künstler sind z.b. Don Sharicon,Bobo Niyah, Nedrick, Jah Ghatti, Likke Danny.

Außerdem macht Signal Flow als Sick Moraniz Hip Hop Beats und veröffentlicht mit dem Label DAMW Rap und Hip Hop. Vor allem mit Feng Shustah. Unteranderem aber auch TRON (Mitte der 90er DJ einer der frühesten Rap Ragga Kombos auf Deutsch bei denen Mamba (Bunafire) und Don Sharicon die MCs waren.

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