Bababoom Festival
Fünf Tage lang strictly Red, Gold and Green- Vibes an der Adriaküste in der Nähe der Stadt Fermo in Italien. Das Bababoom Festival bestätigt sich einmal mehr als ein absolutes Muss in der europäischen Festivalszene – dank eines respektablem Line-Ups und einer gut erreichbaren Location, die sowohl Meerliebhaber als auch Fans bewusster Vibes glücklich macht.
Da ich Ende Juli ohnehin in Italien bin, entscheide ich mich dieses Jahr, auch einen Abstecher zum Bababoom zu machen. Ich komme am dritten Tag an – genau rechtzeitig zum Konzert von Alborosie. Nachdem ich meinen Van geparkt habe, laufe ich Richtung Festivalgelände und beginne, die tiefen Frequenzen des Shabada Soundsystems zu spüren, das während des gesamten Events die Beach Yard beschallt. Es ist 19 Uhr, Ghetto Pawa hat gerade seinen Set beendet, und nun übernimmt Lion T (junger Producer und Mitglied des legendären I&I Project Soundsystems) die Kontrolle – mit einem feurigen Set aus ausschließlich eigenen Produktionen und Remixen, strictly inna Stepper Style.
Als mit dem Sonnenuntergang der Vorhang für die frei zugängliche Beach Yard (nur wenige Schritte vom Meer entfernt) fällt, ist es Zeit, das eigentliche Festivalgelände zu betreten. Dort stehen nach den Konzerten von Ras Groove in Up und The Oddroots alle Zeichen auf Puppa Albo, der dem Publikum eine energiegeladene Show schenkt – mit seinen großen Klassikern, begleitet von der wie immer soliden Shengen Clan Band. Da er quasi ein Heimspiel hat, verzichtet Alborosie immer wieder auf das Patwa und spricht direkt auf Italienisch zur Massive – die begeistert antwortet.
Nach dem Live-Teil verlagert sich das Geschehen in die beiden Soundsystem-Areas: der Jamaican Corner mit dem Labo Soundsystem und die Dub Area, wo sechs mächtige Scoops von Bass Quake Soundsystem aufgebaut sind – mein Lieblingsspot während des gesamten Festivals.
Nach den Sets der Vortage mit Solomon Heritage & Ganja Tree am ersten Tag sowie Weeding Dub und Shanti D am zweiten, ist heute der Headliner Killamanzion, Producer und Mitglied des Veroneser Kollektivs Tiberias Towa. In einem über zweistündigen Set, begleitet vom talentierten schottischen Singa Tom Spirals, liefert Killamanzion eine kraftvolle und durchdachte Selection. Sie beginnt mit einer Serie an conscious Digital Tunes, die in Zusammenarbeit mit großen Namen der Szene entstanden sind – darunter ein mächtiger Remix von „Down Deh“ von den Iration Steppas, eine wahre Hymne der englischen und internationalen Soundsystem-Kultur – sowie Originalproduktionen von Tiberias Towa. Fast zum Schluss darf natürlich das Anthem „Righteous Path“ feat. I-Rebel nicht fehlen.
Im Anschluss spielt Steppa Stone, ein junger Producer aus den Marken und Gründer des Bass Quake Soundsystems, ein kraftvolles Live-Set – und feiert dabei auch die Veröffentlichung seiner ersten Single mit Papa Buju für das Label Aluba Quake.
Dann kommt der Samstag – und leider bestätigen sich die ungünstigen Wetterprognosen: Am Vormittag wird sogar eine Zivilschutzwarnung herausgegeben. Am Nachmittag zieht ein starker Regenguss über das Gelände, und der Blick der Crew richtet sich nun auf den Horizont, wo dunkle Wolken und Blitze zu sehen sind. Die Bühne, auf der eigentlich Kabaka Pyramid spielen sollte, wird schließlich gar nicht erst aufgebaut – sehr zum sichtlichen Bedauern vieler Fans.
Die Aufmerksamkeit richtet sich stattdessen auf die Dub Area, wo Buriman von Moa Anbessa mit einer Reihe seiner original Dubs ein feines Warm-Up liefert – kein Bedarf an Vorstellung. Nach etwa einer Stunde dann die Überraschung: Kabaka betritt die Yard und schenkt seinen Fans ein feuriges Soundsystem-Set, das mich persönlich sehr begeistert hat – nicht nur wegen seiner Energie und seines Talents, sondern auch wegen der unmittelbaren Nähe zum Publikum, wie sie nur ein Soundsystem-Style-Show bieten kann. Zum Abschluss kehrt Moa Anbessa zurück und beendet seinen musikalischen Trip mit dem gewohnten Druck – begleitet von Imo und Prince David, die die Massive mit alten und neuen Hits wie „Watch Dem“ oder „I Can’t Breathe“ in Bewegung bringen.
Und schließlich (oder leider…) ist Sonntag, der letzte Tag des Festivals. Live-Shows gibt es keine mehr, alles spielt sich in den zwei Yards ab. Zum ersten Mal höre ich endlich die Selections von Bababoom Hi-Fi live, begleitet am Mic von Mr. Dill aka Lion Warrior: eine lange Auswahl exklusiver Dubplates und Produktionen von Dub Defender, die über das gleichnamige Label erschienen sind – eine gekonnte Mischung aus Roots Vibes und digitalen Produktionen, die die Massive fesselt.
Danach Conscious Way Outernational, ein Kollektiv aus Guadeloupe, bestehend aus den Selectors Abigene und Tikur, begleitet am Mikrofon von Sistah Jahia, Bobo Nattywell und Djahibre. Ein hochspirituelles Set und eine wunderbare Überraschung für die letzten Klänge dieses Bababoom Festivals 2025.
Was hat mir an dieser Erfahrung am meisten gefallen? Abgesehen vom musikalischen Inhalt, der mich und alle Liebhaber der heavyweight Dub Vibes begeistert hat, kann ich definitiv sagen: Die überschaubare Größe des Events, keine Warteschlangen, ein hervorragend organisiertes Catering und ein Team, das zu den freundlichsten gehört, die ich je auf einem Festival getroffen habe – all das hat den Unterschied gemacht. Ebenso wie das durchgehend wehende palästinensische Banner in der Yard, das daran erinnert, dass die militante Botschaft der Roots-Musik nicht nur in den Lyrics liegt, sondern auch in den unterstützten politischen Anliegen – gerade in einer Zeit, in der viele europäische Regierungen sich mitschuldig machen an der Tragödie im Nahen Osten.
Kurzum: Die Dub-Szene in Italien lebt, und dank des Bababoom Festivals sind auch die Marken – oft als Außenseiter gegenüber bekannteren Regionen wie der Toskana oder Umbrien betrachtet – längst ein fester Bestandteil des internationalen Roots & Dub-Zirkels.
Bis zum nächsten Jahr!
Text und Fotos: Andjo LDM































