Herzberg Festival – Mountain Full Of Love

1968 fand das Herzbarg Festival zum ersten Mal statt – inmitten der Hippie-Zeit. Damals noch in einem deutlich kleineren Rahmen und direkt in der Burg oberhalb von Breitenbach. Später wurde das Festival größer und die Location zu klein, was zu einem Umzug ins Tal führte. Genau dort fand auch in diesem Jahr das älteste Hippie-Festival im Land mit Blick auf die Burg statt. Wieder einmal kamen zwischen dem 24. und 27.7. rund 10.000 Besucher*Innen, um ein wahrlich buntes Programm zu genießen. Auf mehreren Bühnen waren etliche Bands am Start, die ganz unterschiedliche Genres bedienten. Zudem gab es mit dem Lesezelt einen Ort für Geschichten und Kleinkunst, der nicht nur die kleinen Gäste anzog. Und auch das Angebot rings um die offiziellen Veranstaltungsorte war mehr als beachtlich: vom Gastrobereich über Klamotten-Läden, kleine Nebenbühnen bis hin zum Reggae Café, um nur ein paar zu nennen, wurden viele Geschmäcker bedient.

Es bleibt noch zu erwähnen, dass das Herzberg Festival für alle Beteiligten ganz offensichtlich und gut spürbar eine Herzensangelegenheit ist. Die Atmosphäre ist über all die Jahre immer angenehm, vor allem, weil die anwesenden Menschen respektvoll und achtsam miteinander umgehen.

Angesichts des großen Angebots an Eindrücken sollen hier ein paar subjektive Spotlights gesetzt werden, die zugleich ein Bild von dem vielseitigen Klangspektrum abgeben, was zu hören und zu erleben war.

Am Donnerstag war ein Urgestein der deutschen Kraut- und Progrock-Szene auf der Freak Stage zu Gast: Birth Control. Mit ihrem Hit “Gamma Ray” von 1972 gehören sie zweifelsohne zu den gewichtigen Bands dieser Zeit. Und selbstverständlich war dieser Hit gleich zwei Mal Bestandteil der Show, ganz am Anfang etwas reduziert, dann am Ende oppulent. Mit dabei waren aber auch viele andere Hits, wie etwa “Plastic People” vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1975. Die Band hat eine äußerst energetische Show abgelifert, der man die lange Historie ganz und gar nicht angemerkt hat.

Mit Puuluup war zudem am Donnerstag ein estnisches Nu-Folk-Duo am Start. Ramo Teder und Marko Veisson nutzen für ihre Auftritte skandinavische Streichleiern und Loops. Eine interessante Mischung aus Folk und modernen Sounds, die vor allem gepaart mit der komödiantischen Energie des Duos für viel Freude gesorgt hat. Zusammen mit der heimischen Hip Hop-Band 5miinust nahmen sie 2024 am Eurovision Song Contest in Malmö Teil. Ein wirkliches Highlight am ersten Tag des Festivals.

YĪN YĪN aus Holland haben am Freitag für viel Energie gesorgt. Die Band aus Maastricht ist musikalisch eklektisch unterwegs und vermengt psychedelische Klänge mit Funk, Disco und einem leichten Touch asiatischer Musik. Das geht sowohl auf Konserve als auch live direkt in die Beine und macht richtig viel Spaß.

Als zweiter Reggae-Act neben Queen Omega, die bereits am Donnerstag zusammen mit den Royal Souls für angenehme Vibes sorgte, war Marley’s Ghost zu Gast. Die Band aus Deutschland tourt schon eine ganze Weile mit einer Marley-Cover-Show durch die Lande und bedient das, was man gemeinhin unter Reggae versteht. Es gibt in den Hörgewohnheiten der Menschen kaum ein anderes Genre, was viel zu oft auf eine einzelne Person reduziert wird: Bob Marley. Das ist schade, kommt aber aufgrund des Mitsing-Faktors irgendwie immer an. Neben Sebastian Sturm war bei dem Konzert ebenfalls Dellé von Seeed mit am Start, um die Songs des “Kings Of Reggae” zu feiern.

Was für eine Überraschung! Die britische Band Henge sorgte am Sanstag für ein weiteres Highlight des Festivals. Wie schön, dass auch Aliens das Herzberg Festival besuchen! Henge spielt nach eigener Auskunft einen “Electronischen Crossover Rock”, den sie selbst als “Cosmic Dross” bezeichnen. Bei ihren Shows spielen sowohl Fiktion, Oldschool-SiFi-Filme als auch (vermutlich) diverse Drogen eine Rolle.

Das Dubioza Kollketiv aus dem Balkan ist für extrem energetische Shows bekannt. Mag sein, dass manche anwesende Hippies da nicht musikalisch mit gegangen sind, aber der Auftritt war mehr als imposant. Die Band versprühte wie immer sehr viel Kraft, überraschte klanglich und machte mächtig Druck.

The Magic Mumble Jumble sind schon lange ein fester Bestandteil der Herzberg-Familie, genauso wie Orange. Die Band aus Deutschland und den Niederlanden versprüht üppig die Liebe zur Musik. Virtuos vermengen sie diverse Klangfarben zu einer Melange, die bewegt und Freude bereitet. Die extrem virtuosen Musiker*Innen waren sichtlich froh, am Sonntag vor einem großen Publikum auf der Main Stage zu spielen.

Devon Allman ist schon seit Jahren in Sachen Blues unterwegs. Der Sohn vom Gregory „Gregg“ Lenoir Allman hat die Flamme von seinem Vater übernommen und trägt sie weiter. Mit seiner Band Devon Allman’s Blues Summit hat er das Festival gebührlich am Sonntag auf der Main Stage beendet. Als Gäste waren u.a. Jimmy Hall, Mundharmonika und Gesang, sowie die Soul-Sängerin Sierra Green mit dabei.

Text und Fotos: Karsten Frehe

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