Herzberg Festival

Auch in diesem Jahr öffnete das Herzberg Festival zwischen dem 29.7. und 1.8. wieder seine Pforten. Der als Burg Herzberg Festival 1968 gegründete Event gilt als ältestes und größtes Freiluft-Hippie-Festival Europas. Da die Burg irgendwann als Austragungsort zu klein war, findet es schon lange mit Blick auf dieselbe auf ausgedehnten Feldern statt, um den Mengen an Besucher*Innen, Verkaufsständen und, na klar, Bühnen genug Platz zu bieten. Das Spektrum an kulturellen Beiträgen (etwa im Lesezelt) und musikalischen Stilen hat sich über die Jahre mehr und mehr aufgefächert, so dass es viel zu entdecken gibt – klassische Krautrock-Bands, wie in diesem Jahr z.B. Guru Guru, Bluesrockbands und viele Projekte, die man eher abseits von “Hippie-Musik” verorten würde. Angesichts des umfangreichen Programms können hier nur einzelne Spotlights gesetzt werden, die hoffentlich Lust darauf machen, beim nächsten Festival dabei zu sein, so man nicht jetzt schon Dauergast ist.

Fulu Miziki ist ein afrofuturistisches Musikensemble aus der Demokratischen Republik Kongo, das seine eigenen Instrumente (bis auf Bass und Gitarre), Bühnenkostüme und Masken aus Müll herstellt. Ihr Name, Fulu Miziki, bedeutet auf Lingala so viel wie “Musik aus Müll”. Das mag jetzt zunächst einmal etwas “trashig” klingen, geht live aber mächtig in Hüften und Beine. Ihr Auftritt mit energetischen Afrobeats am Donnerstag war ein erstes Highlight des Festivals und wurde ausgiebig gefeiert.

Killabeatmaker ist ein DJ, Produzent und Songwriter aus Kolumbien. Zusammen mit Guadalupe Giraldo (Gesang, Flöte und Perkussion) und Julian Ramirez (Perkussion und Backingvocals) tritt Killabeatmaker als Trio live auf und mixt alte Traditionen mit modernen House-Klängen. Die Melnage funktioniert prima und hat auch beim diesjährigen Festival das Publikum bewegt.

Guru Guru ist in unterschiedlichen Besetzungen seit 1968 aktiv und zählt zweifelsohne zu den Pionieren des Krautrocks. Gegründet wurde die Band u.a. von dem Schlagzeuger Manfred “Mani” Neumeier, der mit mittlerweile 85 Jahren immernoch auf der Bühne steht und seine musikalischen Visionen vertritt. Mit einem so umfassenden Backkatalog konnte Guru Guru auch beim Herzberg Festival aus dem Vollen schöpfen und zeigen, wie experimentell ihr klanglicher Ansatz von Anbeginn an war.

Orange gehören, so wurde mir mitgeteilt, zu den beliebtesten Dauergästen auf dem Herzberg Festival. Und so waren sie auch in diesem Jahr auf der Mainstage zu sehen. Waren sie im letzten Jahr noch mit einem akustischen Set zu erleben, was es mittlerweile auch als Album gibt, haben sie sich dieses Mal auf ihr Kerngeschäft konzentriert und den Mix aus Trance und Weltmusik überzeugend und äußerst wuchtig präsentiert. Wenn man im Publikum steht, ist schnell zu merken, dass hier Traditionen fortgesetzt werden. Als Special Guests haben sie sich dieses Mal den Börwangs Klausen e.V. eingeladen. Mit ihren mächtigen Masken, üppigen Fellen und dem weit hörbaren Glockenspiel bringen sie jahrhundertealte Alpenrituale archaisch auf die Bühne. Das war zugegeben sehr interessant, aber auch ein wenig gruselig.

The Magic Mumble Jumble ist eine weitere Band, die gerne beim Festival begrüßt wird. Irgendwie scheinen sie mit ihrer frischen und alternativen Art den Nerv des Festivals zu treffen. Nicht ohne Grund wurden sie auserkoren, mit dem Track “Mountain Full Of Love” eine Hymne auf das Geschehen zu produzieren. Energetisch passt das auch prima und kommt beim Publikum gut an.

Der vorletzte Act auf der Freak Stage am Sonntag waren Total Hip Replacement & Anyankofo. Was für eine tolle Show mit erstklassiger Musik. Ein schönes Zusammenspiel aller beteiligten Musiker*Innen, treibende Bläsersätze, gute Tanz-Choreographien und eine große Portion Charme haben ihren Auftritt mit neuen, kommenden Tracks zu einem schönen Finale gemacht.

Dennoch, mein persönliches Highlight war die Performance von Wicked Dub Division meets North East Ska Jazz Orchestra aus Italien am Freitag. Eine so unglaublich umfangreiche Produktion mit extrem vielen Musiker*Innen auf der Bühne ist bei Festivals selten. Gemeisam haben sie das Publikum u.a. mit den Tunes “You Can Fly” und “Mama” förmlich weggeblasen.

Text und Fotos: Karsten Frehe

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