K-Gibi Records

(english version below)

K-Gibi steht für einen sehr persönlichen Zugang zu Roots Reggae – handgemacht, reduziert und fernab von Trends. Aus einem kleinen Studiokontext heraus verbindet K-Gibi die Grundlagen jamaikanischer Musik mit Einflüssen jenseits klarer Genregrenzen. Im Interview spricht er über seine ersten Berührungspunkte mit Reggae, seine minimalistische Arbeitsweise, die zentrale Rolle von Bass und Raum – und darüber, warum Dub für ihn bis heute eine unverzichtbare Ausdrucksform ist.

Wie bist du ganz praktisch zum Reggae gekommen – erinnerst du dich daran, was du am Anfang gehört, gespielt oder gemacht hast?

Wie viele andere habe ich Reggae über Bob Marley entdeckt, ich war etwa zwölf Jahre alt. Aus einer dysfunktionalen Familie kommend, wurde seine Musik für mich zu einem Zufluchtsort – ein ständiger Begleiter in schwierigen Zeiten. Gleichzeitig war sie mein erster Englischlehrer; es gibt keinen besseren Weg, eine Sprache zu lernen, als über Leidenschaft. Noch bevor ich die Texte wirklich verstand, war ich vom Rhythmus fasziniert. Später war der Countryman-Soundtrack eine Offenbarung – mir wurde klar, dass es eine ganze Welt jenseits von Marley gibt. Mit sechzehn spielte ich bereits Gitarre und war regelrecht besessen davon, das „Geheimnis“ des Skanks zu entschlüsseln.

Gab es einen Moment, in dem dir klar wurde, dass Reggae mehr als nur Musik für dich ist – etwas, um das du dein Leben aufbauen möchtest?

Meine Musik ist nicht strikt auf Reggae beschränkt. Ich schöpfe aus vielen Genres – Hip-Hop, Progressive Rock, Jazz, Soul und World Music. Musik funktioniert für mich wie eine Zeitkapsel: Sobald ich in diesem Zustand bin, vergeht die Zeit so schnell, dass es meine Familie oft selbst erstaunt.

Der Name K-Gibi bezeichnet einen kleinen Lager- oder Abstellraum. Was ist dieser Ort für dich – Rückzugsort, Werkstatt oder Schutzraum?

Alles davon. Musik versetzt mich in einen Raum, in dem Zeit keine Rolle mehr spielt. Sobald ich dort bin, blendet sich alles andere aus.

Du arbeitest sehr reduziert und handgemacht. Was gibt dir diese Art der Produktion, was andere Ansätze nicht könnten?

Ehrlich gesagt kenne ich keinen anderen Ansatz. Ich hatte nie Zugang zu High-End-Studios oder professionellem Equipment. Ich arbeite mit sehr wenig, oft mit günstigen Geräten, schlicht weil ich keine andere Wahl habe. Ich habe mich immer geweigert zu glauben, dass fehlende „schicke“ Werkzeuge mich daran hindern sollten, die Musik in meinem Kopf Wirklichkeit werden zu lassen.

Welches Instrument oder welcher Teil des Produktionsprozesses steht meist am Anfang eines Tracks?

Drums und Bass sind mein Fundament – meistens ist es der Bass, wenn ich ehrlich bin. Ich habe ein Aufnahmegerät, in das ich mir meine Basslines vorsinge, damit sie nicht verloren gehen; dort beginnt mein Prozess. In den letzten Monaten arbeite ich außerdem mit meinem Freund aDUBta aus München zusammen, einem sehr talentierten Drummer mit einem unglaublichen Gespür für Groove und Sound. In diesen Fällen beginnt alles mit den Drums, die er mir schickt, und die wiederum viele verschiedene Bassideen in mir auslösen, die ich dann sortieren muss. Ich bin stark von den schweren Wurzeln jamaikanischer Musik geprägt – diese Balance aus scharfen Skanks, marschierendem Bass und körperlich spürbaren Kicks ist für mich die perfekte Mischung.

Deine Musik wirkt nie gehetzt, sie lässt sich Zeit. Ist dieses Tempogefühl vor allem eine ästhetische Entscheidung oder auch ein Statement?

Das ist eng mit den Wurzeln jamaikanischer Musik verbunden. Diese Schwere und dieser Raum brauchen Zeit zum Atmen – das ist essenziell für das Gefühl.

Dub spielt eine wichtige Rolle in deiner Arbeit. Was kannst du im Dub ausdrücken, was in einem Song selbst keinen Platz findet?

Dub ist eine völlig andere Sicht auf einen Song. Dank der jamaikanischen Pioniere wurde der Tontechniker selbst zum Künstler. Dub ist instinktiv und frei – man kann ihn nie exakt reproduzieren. Die kreativen Möglichkeiten sind endlos; es ist pure Magie.

Du arbeitest häufig mit Sängern und Vocalists. Woran merkst du, dass eine Zusammenarbeit musikalisch und menschlich wirklich passt?

Ich arbeite nicht mit vielen Sängern, aber wenn, dann sehr bewusst. Hauptsächlich arbeite ich mit Don Savage. Als ich seine Stimme zum ersten Mal hörte, bekam ich Gänsehaut – da gab es keinen Zweifel, dass ich mit ihm arbeiten musste. Abgesehen von seiner Stimme ist er ein fantastischer, freundlicher und geheimnisvoller Mensch, was der Musik echte Tiefe verleiht. Außerdem arbeite ich sehr gerne mit Easyjoe von Ruff Recordings, weil er Linguist ist und ein tiefes Wissen über jamaikanisches Patois und Musikgeschichte mitbringt.

K-Gibi Records wirkt eher wie ein kleines Universum als wie ein klassisches Label. Ist das Absicht?

K-Gibi Records bin im Grunde nur ich in meinem kleinen Studio, aber gleichzeitig ist es auch ein Kollektiv mit meinen Freunden von Ruff Recordings – Supa Su, King Bee, Ridim One, Baz und Easyjoe. Wenn wir zusammenkommen, sprechen wir dieselbe Sprache, und der kreative Prozess wird instinktiv. Wir sind eigentlich kein Label – wir mögen es, unsere Identität bewusst unscharf zu halten.

Was sind die größten Herausforderungen, heute Roots Reggae zu machen, ohne in reiner Nostalgie zu enden?

Wir machen diese Musik aus Liebe und als Hommage. Die Herausforderung besteht nicht darin, eine vergangene Epoche blind zu reproduzieren, sondern sich von ihr inspirieren zu lassen und gleichzeitig etwas Eigenes, Zeitgemäßes hinzuzufügen. Wir bewundern ein abgeschlossenes Kapitel – und wir sind ehrlich damit.

Gibt es Dinge in der heutigen Reggae-Szene, die dich frustrieren oder müde machen?

Ich bewerte keine anderen Stile. Am Ende ist alles eine Frage des persönlichen Geschmacks und dessen, was die Seele berührt.

Was wünschst du dir von den Menschen, die deine Musik hören – jenseits von Likes, Streams oder Verkäufen?

Dreht die Lautstärke auf, tanzt noch härter und schiebt den Bass so weit nach oben, wie es nur geht.

K-Gibi, danke dir für das Interview.

K-Gibi Records

K-Gibi represents a deeply personal approach to roots reggae — handmade, reduced, and guided by intuition rather than trends. Working from a small studio environment, he draws from the heavy foundations of Jamaican music while allowing influences beyond reggae to quietly shape his sound. In this interview, K-Gibi talks about his first encounters with reggae, his minimalist production process, the central role of bass and space, and why dub remains an essential form of expression for him today.

How did you first get into reggae in a very practical way – do you remember what you played, listened to, or created at the beginning?

Like many people, I discovered reggae through Bob Marley when I was about twelve. Coming from a dysfunctional family, his music became a shelter for me — a constant companion through difficult times. It was also my first English teacher; there’s no better way to learn a language than through passion. Even before I understood the lyrics, I was fascinated by the rhythm. Later, discovering the Countryman soundtrack was a revelation — I realised there was an entire world beyond Marley. By the age of sixteen, I was already playing guitar, obsessed with uncovering the “secret” of the skank.

Was there a moment when you realised that reggae was more than just music for you, but something you wanted to build your life around?

My music isn’t strictly centred on reggae. I draw inspiration from many genres — hip hop, progressive rock, jazz, soul, and world music. Music acts like a time capsule for me; once I enter that headspace, time flies so fast it often baffles my family.

The name K-Gibi refers to a small storage or back room. What kind of place is that for you – a retreat, a workshop, or a safe space?

All of that. Music puts me into a space where time disappears. Once I’m there, everything else fades away.

You work in a very reduced, handmade way. What does this way of producing give you that other approaches wouldn’t?

To be honest, I don’t know any other approach. I’ve never had access to high-end studios or professional gear. I create with very little, often using inexpensive equipment simply because I have no other choice. I’ve always refused to believe that a lack of “fancy” tools should stop me from bringing the music in my head to life.

Which instrument or part of the production process is usually the starting point for a track?

Drums and bass are my foundation — mostly the bass, truth be told. I keep a recorder where I sing the basslines I invent so I don’t lose them; that’s where my process usually begins. Over the past few months, I’ve been collaborating with my friend aDUBta from Munich, a very talented drummer with an incredible sense of groove and sound. In those cases, the process starts with the drums he sends me, which inspire many different basslines that I then have to sort through. I’m deeply influenced by the heavy roots of Jamaican music — that balance between sharp skanks, martial basslines, and bone-shaking kicks is the perfect mix for me.

Your music takes its time and never feels rushed. Is this sense of tempo mainly an aesthetic choice, or also a statement?

It’s closely connected to the roots of Jamaican music. That heaviness and space need time to breathe — it’s essential to the feeling.

Dub plays an important role in your work. What can you express in dub that doesn’t fit into a song itself?

Dub is a completely different vision of a song. Thanks to the Jamaican pioneers, the sound engineer became an artist in their own right. Dub is instinctive and free — you can never recreate the same version twice. The creative possibilities are endless; it’s pure magic.

You often work with singers and vocalists. How do you know when a collaboration really feels right, musically and on a human level?

I don’t work with many singers, but when I do, it’s very intentional. I mainly work with Don Savage. The first time I heard his voice, I got goosebumps — there was no doubt that I needed him in my projects. Beyond his voice, he’s a fantastic, kind, and mysterious person, which adds real character to the music. I also love working with Easyjoe from Ruff Recordings because he’s a linguist with deep knowledge of Jamaican Patois and musical history.

K-Gibi Records feels more like a small universe than a traditional label. Is that intentional?

K-Gibi Records is just me in my small studio, but it’s also a collective formed with my friends from Ruff Recordings — Supa Su, King Bee, Ridim One, Baz, and Easyjoe. When we get together, we speak the same language and creation becomes instinctive. We’re not really a label — we enjoy blurring the lines of our identity.

What are the main challenges of making roots reggae today without turning it into pure nostalgia?

We play this music out of love and as a tribute. The challenge isn’t to foolishly reproduce a bygone era, but to be inspired by that history while adding something modern and original. We are admirers of a closed chapter, and we’re honest about that.

Are there things in today’s reggae scene that frustrate you or make you tired?

I don’t judge other styles. It’s all a matter of personal taste and what resonates with the soul.

What do you hope for from people who listen to your music – beyond likes, streams, or sales?

Turn the volume up, dance even harder, and push that bass as high as it can go.

K-Gibi, thank you very much for the interview.

Interview: Christian Bautze-Boeke (2/2026)

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here