Ranking Barnabas
“The Cold Crusher”
(Jamdung/Cinedelic -2026)
Gerade auf Jamaika schien es oft so zu sein, dass Talenten zeitlebens nicht die Ehre zukam, die ihnen gebührte. Stanley Bryan aka Ranking Barnabas oder nur Barnabas gehört dazu. Er arbeitete in den 70er Jahren bei Channel One, einem Hot-Spot der Reggae- und Dubszene zu der Zeit. Er saß zumeist am Mischpult als Toningenieur und war u.a. für den Mix von “Wah Do Dem” verantwortlich, einem der größten Erfolge von Eek-A-Mouse. Gelegentlich wurde er auch als Schlagzeuger bei Sessions im Studio aktiv, während er abends als Ranking Barnabas das Mikro des Channel One Sound Systems ergriff und auf Riddims, die er selbst gerade produziert hatte, seinen Gesang bzw. sein Toasting legte. Ein quirliger Kerl also, den man gerne in der Reggae-Historie übersieht.
Auch seine Dubmixe zeugen von einem guten Ohr und Fingerspitzengefühl. Während frühe Dubproduktionen in der allgemeinen Wahrnehmung gerne auf Ikonen wie King Tubby, Prince Jammy, Scientist oder Lee Perry reduziert werden, war Barnabas auch in diesem Zusammenhang bedeutend. Er war an unzähligen Dubproduktionen beteiligt, oft ohne die Credits dafür zu bekommen. In den 70er Jahren gab es ein einziges Album, eben “The Cold Crusher”, welches in einer Miniauflage unter seinem Namen in den USA veröffentlicht wurde. Es versteht sich von selbst, dass es zu einem raren, viel gesuchten Sammlerstück wurde. Mit dem aktuellen, frisch gemasterten Rerelease wird diese Lücke geschlossen und Ranking Barnabas bekommt zudem eine Würdigung, die ihn als Dubmixer par excellence in Erinnerung ruft. Stanley “Barnabas” Bryan verstarb leider am 18. August 2025 im Alter von 65 Jahren. Er wusste zwar von der Arbeit an der Wiederveröffentlichung, das tatsächliche Erscheinen wird er von einer anderer Sphäre aus beobachten.
“The Cold Crusher” wartet mit insgesamt zehn Dubs auf, die alle von dem bereits weiter oben beschriebenen Fingerspitzengefühl zeugen. Effekte werden dezent und äußerst elegant eingesetzt. Die Spuren der Originale wurden von Barnabas mit einem guten Verständnis für Groove zudem reduziert und verspielt bearbeitet. Die versammelten Musiker waren die Crème de la Crème der damaligen Musikszene auf Jamaika. Mit an Bord waren u.a. Sly Dunbar, Robbie Shakespeare, Jah Bunny, Ansel Collins und Tommy McCook. Insofern dürfte allen Leser*Innen klar sein, dass es besser eigentlich gar nicht ging und die Vorlagen für die Dubmixe großartig waren.
Die LP enthält ausführliche Linernotes mit sehr viel Hintergrundinformationen. Das verwundert nicht, sind hier doch mit Helmut Philipps und David Katz zwei Meister des Fachs gemeinsam am Werk gewesen. Das Gesamtpaket kann auf jeden Fall als “Essential Pic” bezeichnet werden und jeder Dub-Nerd sollte zugreifen, solange es noch Kopien der limitierten Vinyl-Auflage gibt.
Karsten Frehe















