Willi Williams
“Glory To The King”
(A-Lone Productions 2020)

Bei all dem spannenden Output, das uns aus Jamaika erreicht, sucht man aktuellen, handgespielten Roots Reggae meist vergebens. Außer McFarlane’s Produktionen (Irie Yute Records), dem Camp um Micah Shemiah oder den wenigen feinen Veteran-Alben wie Inna De Yard, Wailing Souls oder zuletzt Mystic Revealers kommen kaum nennenswerte “Deep Roots” Produktionen von der Insel, was natĂŒrlich der Relevanz und dem Reichtum der alten Klassiker keinen Abbruch tut.

Spannender wird es da schon, wenn man den suchenden Blick international schweifen lĂ€sst. Der bleibt dann nicht nur auf anderen karibischen Inseln hĂ€ngen (ich sag nur Virgin Islands…), sondern eben ganz oft auch in Europa. Mit A-Lone Productions hat sich in den letzten 20 Jahren ein spanisches Label etabliert, das in schöner RegelmĂ€ĂŸigkeit hochkarĂ€tige Singles oder gar Alben veröffentlicht, aufgenommen in dem auf analoge Produktionen spezialisierten A-Lone Ark Muzik Studios. GrĂŒnder und Betreiber Roberto SĂĄnchez scheint genau da weiterzumachen, wo Studio One in den Achtzigern aufgehört hat, und sein Ruf als begnadeter Roots-Produzent wĂ€chst mit jeder neuen Veröffentlichung.

Earl Zero, Alpheus, Linval Thompson, Sylvan White – die Liste der großen Stimmen, mit denen er schon gearbeitet hat, ist lang. Und nun gesellt sich noch eine dazu, die viel zu lange nicht mehr im Rampenlicht stand: Wilbert Keith aka Willi Williams, der mit “Armagideon Time” 1977 Geschichte schrieb.

“Glory To The King”, so der neue Longplayer, beschert uns 45 Minuten Hörgenuss, live eingespielt von der Lone Ark Riddim Force (neben Roberto SĂĄnchez besteht diese aus Reuben ‘Ras’ Telford, Mathias Liengme, Broker Gee, Gorka ‘Junior G’ FernĂĄndez, Saioa JorrĂ­n, Shanti Yalah, Pipe Hero und Dubby Ambassah). Auf dem so ausgerollten Instrumental-Teppich bringt der SĂ€nger seine großartige Stimme ganz entspannt zur Geltung, und das gleich beim ersten StĂŒck “Don’t Show Off”, das zusammen mit dem eher im Rockerz-Style gehaltenen “See It Deh” schon vorab als 7”-Single ausgekoppelt wurde.

Die tief verwurzelte SpiritualitĂ€t des SĂ€ngers kommt auf dem melancholischen “There’s A Place” zum Ausdruck, mehr noch beim Titelsong “Glory To The King”. Das StĂŒck verbindet einen treibenden Drum-Beat, eine warme Bass-Line sowie die sanfte Eindringlichkeit von Willi Williams’ harmonischem Gesang.
Eher sozialkritisch angehaucht ist “What’s Going On”, ein Track, der vielleicht die beste stimmliche Leistung auf dem Album darstellt. Das finale “Here We Are” Ă€hnelt in Aufbau und Rhythmus “Glory To The King”, bringt dabei aber fast ein wenig Black-Uhuru-Feeling rĂŒber und mahnt uns zum lebenslangen Lernen.

Enorm ansprechend sind auch die Dubs, die nicht einfach Versions der gesungenen Titel sind, sondern als eigenstĂ€ndige Kunstwerke verstanden werden wollen. So zaubern Ras Telford und Bass Lee (der kĂŒrzlich das Album “Inna One Drop Style – Melodica Showcase” veröffentlicht hat) mit ihren Melodicas ganz eigene Klangwelten, die auf so schöne Namen wie “The Nansa Heritage”, “Deep Within” oder “Glory To HIM” hören. Junior G besticht mit Posaunen-Soli in “Iration” und “Blow Your Horn”, wĂ€hrend Booker Gee auf “Faith” in die Tasten seiner Orgel haut.

Insgesamt ist “Glory To The King” eine wunderbare Überraschung fĂŒr alle Roots-Liebhaber, die hoffentlich weit ĂŒber Spanien hinaus bekannt wird. Erschienen ist das Album bereits am 12. Oktober und, wie es sich fĂŒr so hervorragenden Roots gehört, ist neben der digitalen Version auch als Vinyl erhĂ€ltlich.

Gardy Stein

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