Zion Train
“Dubs Of Perception”
(Universal Egg – 2025)

Zion Train, gegründet 1988, gehört als Projekt spätestens seit Mitte der 90er Jahre zu den Bastionen, wenn es um feine, tiefe Bässe und (zumeist) Uptempo-Tracks geht, die gerade in der Soundsystem-Szene gefeiert werden. Neue Veröffentlichungen werden stets mit Freude und, bei der langen Historie, na klar auch mit Erwartungen rezipiert. Das gilt auch für den neuen Longplayer “Dubs Of Perception”, der aktuell bei Universal Egg released wurde. Interessanterweise kehrt Neil Perch hier über weite Strecken zu den Wurzeln zurück, da er mit reichlich analogem Dub-Mixing auf seinem TAC Scorpion Vintage-Mischpult gearbeitet hat. Daraus resultierend klingen einige Tracks eine Spur wärmer, als es bei den zuvor oft gehörten, digitalen Produktionen der Fall war. Allen voran ist hier der großartige Tune “Move To Love” zu nennen, auf dem wieder einmal die charmante Cara zu hören ist mit der er auch immer wieder extensiv auf Tour ist.

“Move To Love” ist ein echtes Highlight des Albums. Der Riddim trabt flott voran, wird mit schönen Bläsern untermalt und bietet neben dem schönen Gesang von Cara eine Hookline, die sich im Ohr festsetzt. Doch nun zurück zum Anfang der LP. Mit “Corridors Of Breath” wird der Reigen aus insgesamt 12 Tunes sehr psychedelisch und mit einem Intro eröffnet, das afrikanische Rhythmen und Gesänge einbezieht, um dann in einen rein instrumental gehaltenen, etwas langsameren und recht monotonen, aber durchaus interessanten Riddim überzugehen. Kurz vor Schluss kehren dann die eingangs verwendeten Perkussions- und Gesangselemente zurück. Ein Opener, der richtungsweisend die folgende Bandbreite des Albums vorweg nimmt.

Bei dem folgenden Song “Travelling” werden Teile des gleichnamigen Songs von Burning Spear verwendet – mitsamt seinem charakteristischen Gesang. Ab Sekunde 55 legt Neil Perch dann so richtig los und ergänzt diverse, abstrakte aber auch analoge Sounds und Effekte, um dann einmal wieder kurz zum Original zurückzukehren. Sehr fein ist hier auch das Flötenspiel von Don Fe. Klasse in Szene gesetzt!

Neil Perch präsentiert sich auf der ganzen Länge des Albums wieder einmal sehr experimentierfreudig. Dabei gibt es, neben den eben schon erwähnten, analogeren Herangehensweisen, auch Tunes, die klanglich an die jüngere Vergangenheit von Zion Train anknüpfen. So kommt zum Beispiel der Track “Recession Dub” deutlich digitaler um die Ecke. Zu hören sind hier ein paar Zeilen des Autors und Dub-Poeten Roger Robinson – eingebettet in Uptempo-Steppers-Beats. Wer mehr von diesem poetischen Text hören möchte, möge sich sein Album “Heavy Vibes” vornehmen, das kürzlich bei Jahtari erschien. Der dort zu findende Track “There’s No Recession In A Rich Man’s House” weist deutlich mehr Zeilen auf, die das Thema Ungleichheit anprangern.

Auf dem Album “Dubs Of Perception”, an dem neben Cara und Roger Robinson unter anderem auch Paolo Baldini, Trinny Fingers, Blacka Wilson, Dreada One und Professor Skank mitgewirkt haben, gibt es viel zu entdecken. Um euren Pioniergeist möglicherweise nicht von meiner Seite aus einzufärben, überlasse ich euch nun eigene Expeditionen.

Karsten Frehe, Foto: Tomasz Misztal

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