And the Grammy goes to… Koffee

Koffee gewinnt den Reggae-Grammy 2020. Auf der gestrigen Preisverleihung in Los Angeles wurde die EP “Rapture” überraschend mit der begehrten Trophäe veredelt. Überraschend alleine schon deshalb, weil mit dem Album “As I Am” von Julian Marley mal wieder ein Mitglied des Marley-Klans auf der Liste der Nominierten stand und sicherlich als einer der Top-Favoriten galt. Für die Marleys ist es ja für gewöhnlich immer etwas leichter, bei den Grammys ausgezeichnet zu werden. Zur Auswahl standen auch Sly & Robbie vs. Roots Radics (“The Final Battle”), Steel Pulse mit dem gelungenen Album “Mass Manipulation” und der eher schwache Longplayer “More Work To Be Done” von Third World.

Nun also Koffee mit ihrer ersten umfangreicheren Veröffentlichung. Verdient? Da werden die Meinungen sicher auseinander gehen, wie so oft bei derartigen Preisen. Blickt man auf die anderen Nominierten, so fällt allerdings auf, dass hier eher der klassische Reggae bedient wurde. Insofern mag die Entscheidung für einen deutlich aktuelleren, frischen Sound, der weit über die Reggae- und Dancehall-Szene hinaus auf offene Ohren stieß, auch ein möglicher Verweis darauf sein, wohin die Reise gehen könnte – zumindest in Teilen. Als junge Künstlerin, die mit etlichen anderen, wie Aza Lineage, Hempress Sativa, Sevana und Lila Iké, gerade in letzter Zeit überall für Aufhorchen sorgte, hat sie sich den Grammy auf jeden Fall hart erarbeitet und insofern auch verdient gewonnen.

Fotos: Koffee (Hans Beyer, Dortmund, 2019), Julian Marley (Tom Searcy, Berverly Hills, 2020)

Karsten

About Karsten

Founder of the Irie Ites radio show & the Irie Ites Music label, author, art- and geography-teacher and (very rare) DJ under the name Dub Teacha. Host of the "Foward The Bass"-radio show at ByteFM.