Vin Gordon & The Real Rock Band „Heavenless Extended“ (Roots Garden Records)

Vin Gordon & The Real Rock Band
„Heavenless Extended“
(Roots Garden Records – 2020)

Er hat es schon einmal gemacht. Bevor er letztlich mit Alben wie „Sounds Almighty“ und „African Shores“ für eine kleine Sensation sorgte, spielte Vin Gordon den Titel „Heavenless“, das Leitstück seines 2016 erschienen Albums, erstmalig schon 1968 ein. Eine halbe Ewigkeit also, in der dieser jamaikanische Posaunenspieler der alten Garde (und vom alten Schlag genauso) beinahe in Vergessenheit geriet. Nur im Zusammenhang mit Namen wie The Skatalites und Bob Marley, oder nach seiner Übersiedlung nach mittlerweile nicht mehr ganz so Vereinigte Königreich mit Aswad, zu deren Mitgliedern er jeweils zählte, tauchte auch noch das von Vin Gordon auf. Bis vor vier Jahren der englische Produzent Nick Manasseh auf ihn zukam und Gordons Karriere wieder ankurbelte.

Neben der überarbeiteten Version von „Heavenless“ – einem der wenigen Stücke, die unter Gordons eigenem Namen laufen – bot das gleichnamige Album eine musikalische Zeitreise zu Gordons eigenen Anfängen. Der Stil markierte den Übergang von Rocksteady zum Reggae mit seinen luftigen Melodien und leichtfüßigen Rhythmen. Eine Zeit also, in der sich Gordon besonders gut zurechtfindet und sein Posaunenspiel erinnert hier an die musikalische Untermalung für Tanzlokale der Hotels an der jamaikanischen Küste in denen die Alpha Boys School Absolventen damals gelegentlich ihre Brötchen verdienten. Bevor sie sich dann im Laufe der 70-er vollends dem Reggae und Rastafari zuwendeten.

Vin Gordon & The Real Rock Band

Mit Riddims wie dem ominösen Jah Vengeance (in „Revenge“) oder Heavenless, frönen Vin Gordon und seine Real Rock Band, bestehend aus britischen Reggae-Veteranen, den vergangenen Zeiten nach. Auch wenn die Instrumentalstücke ein wenig muffig und ausgeleiert daherkamen, sorgte die aufgeräumte, vom UK Dub herstammende Produktionsweise Nick Manassehs dafür, dass das Album moderner und zeitgemäßer erschien, als es in Wirklichkeit war. Nichtsdestotrotz besticht der warme, analoge Sound des Albums. Genauso wie die jazzigen Instrumentenspiele – allen voran Gordons Posaune – die von verschwurbelt verspielten Improvisationen bis zur hymnisch abgehobenen Melodiösität reichen. Die im Hintergrund vor sich hin brutzelnde Keyboard-Begleitung zusammen mit gummiartigen Bass-Linien und hölzern klingenden Drums geben den Geist der Epoche nahezu unverändert wider.

Dass „Heavenless“ als Album wegen seiner antiquierten Veranlagung nicht so überflüssig wie heutzutage eine Schneeschaufel daherkommt, liegt sowohl an erstklassigen Musikern und Produktion, als auch an dem englischen Sänger Shaka Black, der mit seinen DJ- und Gesangseinlagen für lockere Stimmung sorgt. Doch für größtes Aufsehen dürften die sechs hier neu hinzugefügten Dub-Versionen sorgen. Ein wenig tiefer, dunkler und ernster ging hier Produzent Nick Manasseh zu Werk. In „Outta Jungle Dub“ beispielsweise erinnert er an Burning Spears „Slavery Days (Jungle Dub Mix)“ oder an Prince Far I’s „Ogun Dub“. Es wäre nicht übertrieben zu behaupten, dass diese die tatsächlichen Highlights dieser „Extended“-Neuveröffentlichung sind. Und damit wäre auch der blöde Spruch, dass das Beste immer zum Schluss kommt, nochmals bestätigt.

Zvjezdan Markovic

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About Zvjezdan Markovic

Immer auf der Suche nach neuen und alten Sounds, hat aber auch seit über 10 Jahren die schlechte Angewohnheit, darüber zu schreiben. (E-Mail zvjezdan[at]irieites.de)