Ghost Dubs
“Damaged”
(Pressure – 2024)

Michael Fiedler aka Jah Schulz ist seit Jahren mächtig umtriebig und vielfältig unterwegs. Unter diesem Alias hat er bereits ein breites Spektrum von tanzbarem, eleganten Wohlfühl-Steppers, wie z.B. dem wunderbaren Tune “Chanting” zusammen mit Donovan Kingjay, bis hin zu wuchtigen Instrumentals, wie auf der kürzlich erschienenen 7 Inch “The Elephant” zu hören, abgedeckt. Nebenbei gab es allerdings auch experimentellere Veröffentlichungen. Da sind vor allem die beiden Kapitel “Dub Over Science” zu nennen, die bei basscomesaveme erschienen sind, und deutlich abstrakter gelagert sind. Tief verwurzelt im Dub spielt Michael Fiedler also mit allen möglichen Facetten.

Für seine neue Doppel-LP hat er sich mit Ghost Dubs einen neuen Künstlernamen zugelegt, vielleicht um deutlich zu machen, dass es nun noch deutlicher in eine abstraktere, insgesamt langsamere und deutlich reduziertere Richtung geht. Veröffetlicht werden die 12 Tracks auf dem Pressure-Label des belgischen Artists The Bug. Im Info zum Album heißt es: “Für diejenigen, die der Meinung sind, dass die Verschmelzung von Dub-Techno und Ambient-Drone mit dem Untergang des kurzlebigen, in Berlin ansässigen Labels Chain Reaction ihr kreatives Ende gefunden hat. Ghost Dubs verbessert und erweitert die abstrakte Methodik dieser legendären Blaupause noch weiter und tiefer und schwebt auf einem wunderbar warmen Meer aus Zischen und statischer Glückseligkeit davon”. Bei Chain Reaction, einem Sublabel von Basic Channel, hatte man sich schon Mitte der 90er Jahre auf die Suche nach minimalistischen Dub-Substraten gemacht. Ghost Dubs knüpft unter anderem hier an. Verwandtschaften sind auch zu den Veröffentlichungen von Pole, Nonplace Urban Field und Deadbeat (z.B. auf der feinen Kollaboration mit Paul St. Hilaire auf dem Album “The Infinity Dub Sessions”) sowie anderen Klangästheten festzustellen.

Ghost Dubs befindet sich also in einer guten Tradition und liefert auf “Damaged” 12 tiefer gelegte, etwas düstere Klanglandschaften ab, die einen pulsieren in ihren Bann ziehen. Minimalismus in Perfektion! Allesamt würden sie sich auch für Film Noir-Soundtracks eignen. Um sich ein Bild davon zu machen, möge man exemplarisch in die Tracks “Dub Lobotomy”, “Dub Battle” oder “Hot Wired” hineinhören.

Karsten Frehe

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