Serendubity Festival 2015, Finowfurt, 24.-26.7.15

Beat Orakel - Hangar 2

Serendubity Festival 2015

“Serendipity”
The occurrence and development of events by chance in a happy or beneficial way.

Besser als die Definition des Oxford Dictionairy kann man es eigentlich kaum beschreiben. Vom 24.-26. Juli 2015 fand im brandenburgischen Finowfurt auf einem stillgelegten Militärflughafen das Serendubity Festival statt.

Nachdem es bereits 2013 die erste Edition des Festivals gab und es 2014 aufgrund unglücklicher Umstände nicht stattfinden konnte, habe ich mich dieses Jahr relativ kurzfristig dazu entschieden mein Zelt auszugraben und mir Tickets zu besorgen.

Wie sich herausstellen sollte, war das Serendubity Festival das bisher schönste und entspannteste Festival in meinem Leben – und ich habe bereits einige Dub- und Reggae-Festivals besucht.

Diesen Platz belegte bis dato das alljährlich stattfindende und seit Jahren etablierte Reggaejam Festival in Bersenbrück. Diesen Platz hat es dieses Jahr verloren an das Serendubity. Schauen wir uns also nun an, wie es dazu kam und warum ich jedem Leser die Teilnahme am hoffentlich auch 2016 stattfindenen Festival wärmstens empfehlen möchte.

Beat Orakel - Outdoor

Anreise & Zeltplatz

Die Anreise gestaltete sich zumindest aus Berlin ausgesprochen komplikationsfrei. Innerhalb einer Stunde ist man mit dem Regionalzug vom Hauptbahnhof in Eberswalde angekommen, von dort fuhr dieses Jahr der Bassliner Festivalbus (externer Dienstleister, ich meine für ca. 5 €) zum Festivalgelände. Mit dem Taxi sind es etwa 20 €.
Vor Ort angekommen, galt es noch kurz das im Internet bestellte Ticket abzuholen. Das ging komplikationsfrei und war gut organisiert. Also sogleich auf zum Zeltplatz. Der Zeltplatz war für die ca. 1500 Teilnehmer (nicht alle davon 3 Tage vor Ort, da es auch Tagestickets gab) ausreichend dimensioniert. Der einzige Wermutstropfen waren für mich die auf dem Zeltplatz nicht vorhandenen Sanitäranlagen (ausgenommen Dixi-Kabinen). Es wäre praktisch gewesen, diese direkt vor Ort gehabt zu haben. Auch musste man recht früh aufstehen, um die Duschen noch von innen begutachten zu können. Hier würde ich mir für das nächste Jahr definitv eine Verbesserung im Sinne länger geöffneter Duschen wünschen, denn allgemein, aber gerade bei durchgehend hohen Temperaturen, ist das für mich ein Muss!

Beat Orakel - Hangar

Location & Bühnen

Ein alter Militärflughafen, der heutzutage als Museum betrieben wird und sein Gelände regelmäßig für größere Veranstaltungen öffnet, bildete die Kulisse des Festivals. Grobes Setting also: Rollbahnen, Hangars und einige Grünflächen. Klingt schon spannend? War noch schöner!

Die Serendubity Crew hatte im Vorfeld das gesamte Gelände in eine surreale, einen völlig aus dem Alltag reißende Kulisse verwandelt. Neben selbst konstruierten und kreativen Bühneaufbauten gab es wunderbare Lichtinstallationen, die auch alte Flugzeuge und das Gelände an sich mit einbezogen. Ein fantastisches Farbenspiel in der Nacht und ein riesieges Kompliment an dieser Stelle an alle beteiligten für diese Leistung – dieser Aspekt war verantwortlich für einen guten Teil des Wohlfühlfaktors dieses Festivals.
Die zwei kleinen Waldstücke auf dem Gelände wurden mit Liege- und Sitzgelegenheiten ausgestattet und bei hervorragendem Wetter bot es sich durchaus an, die ein oder andere Stunde einfach in der Hängematte in wundervoll beleuchtetem Ambiente zu verbringen, den was gibt es schöneres als – mit dem in der Ferne gut zu hörendem Bass, bei Vogelgezwitschern und mit dem Blick gen sommerlichen Himmel – in der Hängematte zu schaukeln? Einfach Toll!
Insgesamt gab es vier Bühnen: Dub Saray, Live Stage, die Dome Bar sowie das Beat Orakel.
Da ich fast in Vollzeit auf der Dub Saray Bühne vor dem mächtigen Basskateers Soundsystem verbrachte – dort gab es Dub, Roots und Steppers um die Ohren – vermag ich keinen aussagekräftigen Eindruck von den anderen Bühnen zu vermitteln. Im Beat Orakel gab es wohl hauptsächlich Dubstep und Breakbeats auf die Ohren, in der Dome Bar habe ich ebenfalls Dub & Roots vernommen und auf der Live Stage gab es diverse Live-Auftritte.
Das Lineup für dieses kleine Festival war beachtlich und gerade im Live-Bereich sehr französisch geprägt – niemals eine schlechte Wahl! Besonders gefreut habe ich mich über Leicesters umtriebigsten Dubhead I-Mitri Counteraction – seineszeichens die treibende Kraft hinter dem jährlich stattfindenen United Nations of Dub Weekender in Prestatyn, Wales.
Den Freunden des gepflegten Name-Droppings sei an dieser Stelle die offizielle Timetable empfohlen.
Diese Timetable wurde – entgegen meiner Erfahrungen auf anderen Festivals – erfreulich gut eingehalten, so dass man seine Abendplanung im Grunde fast minutengenau nach der aktuellen Stimmung planen konnte. Besonders praktisch war, dass die Timetable so gestaltet war, dass sich die verschiedenen Bühnen zeitlich überlappten. So musste man sich nicht zwingend für den einen oder den anderen Act entscheiden, sondern konnte durchaus erst zum einen und dann zum anderen Act wechseln. Das sollte sich meines Erachtens auf Festivals mit mehreren Bühnen grundsätzlich etablieren.
Nachdem am späten Abend die letzten Tunes auf den Outdoor-Bühnen gespielt waren, verzog sich die Massive in die ebenfalls toll dekorierten Hangars, in welchen bis in die frühen Morgenstunden getanzt wurde.

Showood Forest

Workshops & Performances

Nach meiner Wahrnehmung versteht sich das Serendubity Festival nicht nur als reines Musikfestival, sondern auch als Ort der Begegnung und des sich Ausprobierens. Hierzu gab es neben den Acts auf den Bühnen diverse Spots, an denen man genau das in verschiedenen Disziplinen machen konnte – im folgenden eine nicht vollständige Liste der nicht-musikalischen Betätigungsmöglichkeiten:

Pizza- und Solarofen-Bau Workshops
Up- und Recycling-Workshops
Urban Gardening Workshop
Improvisationstanz-Workshops
Diverse Yoga-Workshops
Theater-Performances
“Building a Soundsystem”-Workshop
Das muss nicht jederfraus Sache sein, aber das hält ja niemanden davon ab einfach ein Musikfestival zu genießen. Für interessierte ist das aber eine perfekte Ergänzung zu einem ohnehin schon tollen Festival.

Dub Saray - Outdoor 2

Besucher, Essensversorgung & Zukunft

Nicht zuletzt die Besucher haben das Festivals zu dem gemacht was es war: Eine extrem entspannte Angelegenheit! Ich bin für gewöhnlich kein Freund sphärischer Stimmungsbeschreibungen, aber hier waren definitv “Pure Unity Vibes” am Start. Kein Stress, keine Pöbeleien, einzig drei Tage Festival mit vielen lachenden und fröhlichen Menschen. Einer der vielen Gründe hier auch im nächsten Jahr wiedern aufzulaufen!
Auch die Essensversorgung hat mich positiv überrascht. Es gab einen kleinen Food-Court der mit verschiedenen Essensmöglichkeiten aufwartete, unter anderem mit dem besten veganen Burger den ich bisher gegessen habe! Ich habe für meine Versorgung ca. 10-12 € am Tag benötigt. Fair für die gebotene Qualität, wie ich finde.
Neben den Veranstaltern, vor denen ich an dieser Stelle nochmals meinen Hut ziehen möchte, gab es eine vielzahl freiwilliger Helfer. Man konnte sich im Vorfeld des Festivals unter Angabe seiner spezifischen Fähigkeiten als freiwilliger Helfe registrieren. Mehrere Tage in der Natur und Mithilfe bei den Vorbereitungen für das Festival gegen eine Eintrittskarte und (soweit mir bekannt) auch Catering vor dem Festival. Ein faires Angebot, wie ich finde, wenn man ohnehin Zeit hat und mit netten Menschen ein tolles Festival vorbereiten möchte. Aus jenen Helferkreisen wurde mir im Übrigen auch ein neuer, innovativer und im Organisationsteam wohl weitverbreiteter Einsatzzweck für Spirelli-Nudeln zugetragen 😉
Wie geht es weiter mit dem Serendubity Festival? In der “Märkischen Online Zeitung” gibts es hierauf einige Antworten. Die Veranstalter planen eine längerfristige Zusammenarbeit mit dem Flugplatz Finowfurt, vielleicht sogar eine permanente Home-Base für die Serendubity Crew. Das wäre ein tolles Experiment, von dem ich mich freuen würde wenn es gelingt. Mehr dazu aber direkt im Artikel der MOZ.
Ich freue mich schon jetzt auf’s nächste Jahr, bis dahin bleibt mir einzig der Verweis auf den eigens für das Festival produzierten Mix (The Serendubity Preparement Mixtape) zu verweisen und schließe mit einigen Zeilen aus eben jenem:

You better run come, you better run come to the Serendubity.
You better run come, you better run come, make we be a big family!

Ein dickes Heads-Up an die Veranstalter des Festivals, auch für die Organisation diverser Sessions in Berlin über dieses und das letzte Jahr hinweg!

Text: Thomas “TwizzyDizzy” Dalichow (www.thomasdalichow.de), Fotos: Hannes Kutza

Dub Saray - Hangar

Dub Saray - Outdoor

Showood Forest - Daytime

Soul Tempel at Night

Karsten

About Karsten

Founder of the Irie Ites radio show & the Irie Ites Music label, author, art- and geography-teacher and (very rare) DJ under the name Dub Teacha. Host of the "Foward The Bass"-radio show at ByteFM.