Moment mal, war da nicht gerade schon ein neues Album von der Stand High Patrol aus Frankreich – gefühlt vorvorgestern!? Nee, war im Oktober vergangenen Jahres, was aber immernoch eine hohe Schlagzahl an Veröffentlichungen manifestiert. Mit “Underground Oasis” hatte die Stand High Patrol, die sich gerne immer wieder neu erfindet aber unverkennbar in Sachen Klang ist, ein eher introvertiertes Album vorgelegt, dass Charistian vom Irie Ites-Team in seiner Rezension jubeln ließ und oben drein zu einem wunderbaren, auf jeden Fall lesenswerten Interview mit Pupajim führte. Nun also “Skanking & Jacking”, was schon vom Titel her eine andere musikalische Ausrichtung erwarten lässt. Reggae und Dub treffen auf House Music, garniert mit einer kleinen Prise Disco).

Im Infotext wird die neue Ausrichtung folgendermaßen beschrieben: “Dub und House Music. Zwei Ästhetiken, geboren im Schatten, geformt fernab der Mainstream-Musikindustrie. Zwei Underground-Kulturen, in denen Unabhängigkeit oft eine Notwendigkeit und Einfallsreichtum unverzichtbar ist. Zwei Szenen, verwurzelt an den Rändern der Gesellschaft – mit Tanz, Soundsystems und Minderheiten in ihren Herzen”. Besser kann es kaum gesagt werden.

Gleich mit den beiden Openern und Vorabsingles “Walk Walk Walk”, mit dem leicht melancholischen Gesang von Pupajim, und “Too Much Noise” auf dem Joe Yorke gesanglich wieder einmal brilliert und Vincz Zeppo tolle Perkussionen abliefert werden Signale in Richtung Tanzfläche gesendet. Kontemplation in Sachen Lyrics ja, vom Beat her geht es aber ab in die Hüften.

Schon beim ersten Hören fallen mir Ähnlichkeiten zum Ansatz von Noiseshaper auf, deren Kombinationen von Dub und Club seit den 2000ern bis heute funktionieren und von mir persönlich gerne in Selections eingebaut werden. Wer sie nicht kennt, möge da mal ein Ohr hinwerfen.

“Skanking & Jacking” tut gut. Der leichtfüßig tänzelnde Sound führt unmittelbar zum Mitwippen. Gut gemacht, immer wieder mit analogen Sounds angereichert und mit äußerst illustren Gästen, die ihren Part zu einem schönen Album beitragen. Neben den beiden eben erwähnten Artists sind Nazamba, Marina P und Jah Thomas am Mikro zu hören. Hinzu kommen Mixe von Mad Professor, Jeanville und Androo, die den jeweiligen Originalen eigene Interpretationen hinzufügen.

Lediglich bei zwei Tracks gehe ich nicht ganz mit. Auf “This Is Music” hat die Stand High Patrol für meinen Geschmack zu viel Spaß beim Schnippeln/Editieren von Nazambas Vocals gehabt und “Waterhouse Club” ist etwas uninspiriert. Bei zwei kleinen Ausnahmen von insgesamt 12 Tracks kann aber auf jeden Fall von einem sehr gelungenen Album gesprochen werden. Die Stand High Patrol hat definitiv wieder einmal überrascht.

Karsten Frehe

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here