Mark Wonder „Working Wonders in Dub“ (Oneness Records)

Mark Wonder
„Working Wonders in Dub“
(Oneness Records – 2019)

Die klassischen Fehler – all die bedeutungsschweren Umschreibungen wie „ein außergewöhnliches Talent“, „einzigartig“ oder „qualitativ hochwertig“ haben diesen jamaikanischen Sänger ins Abseits manövriert. Nicht der erste Fall, wo übereifrige Rezensenten und Promo-Schreiber einen Künstler tot gelobt haben. Die Selectas und Radio-Promoter wurden regelrecht dazu gedrängt, Mark Wonders Songs zu spielen, weil sie so gut sind. Es fing schon bei den Zeitungen in Jamaika an und den typisch unglücklichen Vergleichen mit Garnett Silk. Und der Trend setzte sich in Europa, genauer gesagt Deutschland weiter fort, nachdem Mark Wonder, bürgerlich Mark Andrew Thompson, den Schwerpunkt seiner Karriere hierher verlagert hatte. Mit dem Münchener Oneness Records und den Musikern von Dub Inc. und Gentleman nahm er 2012 schließlich das Album „Working Wonders“ auf, das seitdem als „Klassiker“ in seiner Diskografie gelistet ist.

Mark Wonder

Es war ein High-End-Modern-Roots-Album, bei dem alles stimmte – vom Gesang und Arrangements bis Produktion – was zu seinem größten Problem wurde. Es war zu perfekt gespielt, zu brav gesungen und zu konservativ produziert. So gut, dass man es ein zweites Mal gar nicht mehr hören brauchte. Bühne frei für Philipp Winter AKA Umberto Echo.

Kill your puppy

Der Münchener Dub-Master war schon damals an der Entstehung des Albums beteiligt und liefert nun, sieben Jahre später, die Dubs dazu. Entgegengesetzt zur damaligen sicherlich penibel ausgeführten Produktion, hat er in nur zwei Tagen die Songs auseinander genommen und live am Analogmischpult durchgemixt. “Hat Riesenspaß gemacht”, sagt er dazu und schickt noch hinterher, “einfach mal ein Album in zwei Tagen frei von der Leber zu dubben war herrlich befreiend.” Und so hört sich das Ganze auch an. Spontanität und Frechheit waren genau das, was dieses Albums gebraucht hätte. Unerbittlich zerhackt er darin immer wieder Mark Wonders geschmeidige Garnett Silk-Stimme, die schön klingenden Harmonien werden gebrochen und aufgeteilt.

UMBERTO ECHO

Philipp Winter AKA Umberto Echo (© Discogs.com)

Umberto Echo vollzieht hier die Umkehr aller Werte und verpasst der Mona Lisa ein blaues Auge. Das tut gut. Freilich geht Umberto Echo in seiner Dekonstruktion nicht so weit wie zum Beispiel Paul ‚Groucho‘ Smykle (Black Uhurus „The Dub Factor“), der ein regelrechter Abriss- und Sprengmeister war. Aber ein Negativbeispiel wie ein Dub Album auch in die Hose gehen kann wäre Burning Spear‘s „Garveys Ghost“ (Dubs vom hervorragenden, nicht perfekten, „Marcus Garvey“-Album), das sich so anhört, als wäre es von Jehovas Zeugen gemixt worden.

Mehr TNT, bitte

Umberto Echo zeigt sich jedenfalls in „Working Wonders in Dub“ risikofreudig, auch wenn er in den, um die Vier-Minuten-Marke langen Tracks, oft die ursprünglichen Songs in Reinform laufen lässt. Dann kommen auch die hymnischen Posaunen zum Einsatz, wie auch die biegsamen Bassgitarrenläufe und die ausgefeilte Offbeat-Akrobatik. Mit seinen Endlosschleifen und Dauerechos traktiert und reduziert er die Arrangements wie ein Getriebener, dem eine kurze Deadline gesetzt wurde. So sollte es auch sein.

Zvjezdan Markovic

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About Zvjezdan Markovic

Immer auf der Suche nach neuen und alten Sounds, hat aber auch seit über 10 Jahren die schlechte Angewohnheit, darüber zu schreiben. (E-Mail zvjezdan[at]irieites.de)