Ostróda Reggae Festival

Das feine Reggae Festival in der idyllisch am Drawenzsee liegenden Stadt Ostróda feierte 2026 ein Jubiläum, denn das 25. Kapitel wurde aufgeschlagen. Grund genug, ausgiebig mit einem äußerst beeindruckenden Lineup zu feiern. Neben polnischen Acts, die immer für kraftvolle und mitreißende Shows stehen, wie etwa Bakshish, Vavamuffin, Shashamane und Tabu, waren u.a. Hempress Sativa, Marcus Gad, The Congos, Alpha Speppa & Nai-Jah, Burning Spear nebst anderen internationalen Artists am Start. Es konnte also nur gut werden!

Donnerstag, 23.7.26

Am Donnerstag fängt as Festival im Amphitheater direkt im Ort an. In der Regel treten dort, wie auch in diesem Jahr, polnische Bands auf, um einen guten Start in die vier Tage zu gestalten. Besonders beeindruckend war dieses Mal die elegante und mit viel Luft und Leichtigkeit dargebotene Show von Shashamane. Die 2015 gegründete, polnische Band steht schon seit vielen Jahren für ihre ganz eigene Interpretation von Roots. Die Performance an diesem Abend war gut auftgebaut und ließ allen beteiligten Musiker*Innen viel Raum, um ihr jeweiliges Können zu präsentieren.

Interessant war auch der vorherige Auftritt von den Konopians aus Czeladź, die mit viel Energie eine lebhafte Show ablieferten. Nach Shashamane traten noch Tumbao mit einem äußerst poppigen Set und die Maleo Reggae Rockers in gewohnt kraftvoller Manier auf. Ein guter Start also in ein Jubiläumswochenende.

Freitag, 24.7.26

Um 14:30 Uhr fing der Freitag u.a. mit der Eröffnung der Ausstellung “Reggae Faces” von Bartek Muracki in Räumen des Amphitheaters an. Der Fotograf aus Warschau fotografiert seit vielen Jahren wichtige Persönlichkeiten des Reggaes und präsentiert die Fotos großformatig in Schwarz-Weiß. Mit dabei waren u.a. Porträts von Lee “Scratch” Perry, Gentleman, Ken Boothe, Chronixx, Marcus Gad und Jah9. Man kann nur hoffen, dass die wirklich beeindruckende Ausstellung auch mal den Weg nach Deutschland findet.

Das Festival zog am Freitag wieder in das das Municipal Stadium OCSiR um, das etwas weiter außerhalb liegt. Damit wird regelmäßig der größere Teil des Festivals Open Air eingeläutet. Schon dieser erste Tag in großem Rahmen bot etliche Highlights. Nach I-Rey und Reggaeside, zwei erfahrenen Bands aus Polen, enterte Tabu die Red Stage. Die aus dem Süden Polens stammende Band wurde bereits 2003 gegründet und ist ein immer wieder gerne gesehener Gast auf dem Festival. Ihr hochenergetischer Stilmix besteht aus Reggae, Ska und einem Touch Balkan-Musik, stark geprägt durch wuchtige Bläsersätze. Ihre Hits, wie etwa “Jak Dobrze Cię Widzieć”, wurden auch in diesem Jahr vom Publikum begeistert mitgesungen.

Auf der Hauptbühne ging es danach Schlag auf Schlag mit Headlinern weiter. Mit Culture feat. Kenyatta Hill wurde das Erbe von Joseph Hill durch seinen Sohn weitergetragen. Joseph Hill verstarb unerwartet 2006 auf einer Europatournee in Berlin. Klar, dass weltbekannte Hits, wie “International Herb” und “See Them A Come”, nichtg fehlen durften. Eine tolle aber auch ehrfürchtige Show mit etlichen Ohrwürmern der Reggaegeschichte.

Nach Culture feat. Kenyatta Hill trat Hempress Sativa mit den Unconquerebels auf die Hauptbühne. Mit ihrem Gesang und ihrer elegant-imposanten Erscheinung zieht sie immer wieder die Menschen in ihren Bann – so auch in Ostróda. Sehr konzentriert präsentierte sie Tunes, wie “Rock It Ina Dance” oder “Boom (Wah Da Da Deng)”, äußerst kraftvoll und wortgewaltig. Ihre Präsenz auf der Bühne ist dabei unglaublich.

The Congos sind seit Mitte der 70er Jahre Ikonen. Gerade das Zusammenspiel der Stimmen von Cedric “Congo” Myton, Roydel „Ashanti“ Johnson und Derrick „Watty“ Burnett entfaltet auch heute noch eine enorme Magie. Ihr Repertoire, beginnend mit den Songs des klassischen Albums “Heart Of The Congos” von 1977, geht immer noch unter die Haut. Schön auch, dass Derrick „Watty“ Burnett aka King Burnett ebenfalls seinen Klassiker “I Man Free” präsentiert hat. Beeindruckend waren ebenfalls die immer wieder integrierten und nicht selten wuchtigen Dub-Parts. Bei dem erwartungsgemäßen 1A-Sound des Festivals ein wahrer Genuss! Cedric “Congo” Myton rief bestens gelaunt immer wieder “It’s alive!”. Was auch immer er genau damit meinte, die Botschaft kam irgendwie an.

Danach musste man sich entscheiden… Entweder den Gig der britischen Dub Pistols genießen oder zu Alpha Steppa und Nai-Jah zur Green Stage gehen, wo zuvor schon der Singledread Sound feat. Malik, Madmajk, Kacezet und Czapla beeindruckt hat. Oder von beidem etwas.

Alpha Steppa und Nai-Jah lieferten das Dub-Highlight des Abends ab. Gut gelaunt legten beide eine sympathische Schow auf die Bühne bei der sie sogar zum Teil ihre Rollen am Mixingdesk oder Bass tauschten. Im Zentrum des Sets stand auf jeden Fall das aktuelle Album “Crowned Eagle” mit den auch live toll rüberkommenden Tracks “Streets Of Africa” und “Breeze At Dawn” nebst anderen. Bei einem etwas über zwei Stunden dauernden Sets kamen selbstverständlich noch weitere Boom-Tunes dazu. So sang etwa Nai-Jah den Part von Pupajim bei “Dear Friend”. Tief beeindruckend und kraftvoll.

Ein recht kurzer Besuch bei den Dub Pistols machte klar, dass die 1996 von Barry Ashworth in London gegründete Band immernoch mit einer kraftvollen Präsenz die Big-Beat-Zeiten aufleben lässt. Da sie schon mal in Ostróda gespielt hatten, haben sich etliche Fans vor der Bühne eingefunden, die das Set mächtig abgefeiert haben. Barry Ashworth und Seanie T lieferten dabei abwechslungsreiche und sich gut ergänzende Parts am Mikro ab und die Band trieb die Riddims galoppierend voran.

Ein toller, erster Tag auf dem Open Air-Gelände also, der keine Wünsche offen ließ. Zudem sei noch das Rahmenprogramm erwähnt, das jedes Jahr u.a. mit Yoga und Perkussions-Workshops, die öffentlich zugänglich sind, für Abwechslung sorgt.

Text: Karsten Frehe (und Foto von Alpha Steppa & Nai-Jah), Rest der Fotos: Tomasz Misztal

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