The Bug vs Ghost Dubs
“Implosion”
(Pressure – 2025)

2024 erschien das hochgelobte Album “Damaged” von Ghost Dubs. Michael Fiedler hatte eigens für dieses Release offenbar sein Alias geändert, da sich die Musik von Jah Schulz u.a. mit dem Release “Dub Over Science” (basscomesaveme) zuweilen in reduziertere Richtungen entwickelt hatte. Als Ghost Dubs arbeitet er mit extrem minimalistischen Elementen und einer industriellen Klangästhetik, die immernoch von Dub, Roots, Dub Techno und anderen Spielarten in dieser Richtung inspiriert ist, aber zugleich den vor vielen Jahren begonnenen Weg von Projekten wie etwa Rhythm & Sound weiter austestet und reduziert. Auf “Implosion” wird dieser Ansatz weiter ausgelotet. Damit knüpfen die versammelten Ghost Dubs-Soundscapes nahtlos an “Damaged” und die Fortsetzung “Extended Damaged Versions” an.

So könnten auf “In The Zone”, dem ersten Tune dieses Albums, das er sich mit dem Labelinhaber The Bug teilt, Herzschläge mitsamt Herzklappengeräuschen eine mögliche Basis für den stoisch und minimalistisch voranpumpenden Beat gewesen sein. Ein Track mit einer äußerst düsteren Atmosphäre, die sich auch durch die weiteren Produktionen von Ghost Dubs auf “Implosion” zieht. Kein Dub also, der die Massen auf Soundsystem-Dances zu wilden Bewegungen anregen wird, sondern eher zum intensiven Zuhören einlädt. Und so man sich darauf einlässt, erscheinen Bilder oder ganze Filmsegmente vor dem inneren Auge, die zuweilen unter die Haut gehen. Passend hierzu könnte man auch formulieren, dass sich die Kompositionen von Ghost Dubs bestens für dystopische Filme mit ultra langen Einstellungen eignen würden.

Kevin Martin aka The Bug setzt bei seiner Musik vor allem auf Subbass-Druck, Ansonsten ist seine Herangehensweise mit Ghost Dubs vergleichbar. Minimalistische Kompositionen erschaffen, sehr häufig in Zeitlupe, eine intensive Wirkung. Und manchmal werden vor dem geistigen Auge auch spannende Erwartungen geschürt, die sich über den ganzen Track aufrecht erhalten, dann jedoch nicht eingelöst werden. So z.B. gleich beim ersten Track “Hooked (Hyams Gym, Leytonstone)”. Auch seine Tracks könnten, wie u.a. “Alien Virus (West Indian Centre, Leeds)”, ideal zu Filmen passen, die eher in dunkleren Gefilden spielen.

Die Werke der beiden Klangtüftler – The Bug und Ghost Dubs – passen bestens zueinander. Beide spielen mit Reduktion/Minimalismus, viel Raum und einer Farbskala zwischen Grau über Anthrazit bis hin zu Schwarz. Dadurch wird “Implosion” auf keinen Fall zu einer leichten Kost, was der Titel ja auch nahe legt, sondern zu einem intensiven Erlebnis.

Karsten Frehe

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