Nattali Rize, Protoje & Mr. Vegas, Reggaeville Easter Special, Fabrik, Hamburg, 14.4.17

Nattali Rize, Protoje & Mr. Vegas in Hamburg

Eine schöne Tradition! Auch in diesem Jahr machte das Reggaeville Easter Special wieder Halt in der Fabrik. Und erneut mit einem beachtlichen Lineup. Drei Artists mitsamt ihren Bands standen auf dem Programm. Mit Nattali Rize, Protoje und Mr. Vegas war zudem klar, dass die stilistische Bandbreite recht groß werden würde.

Nattali Rize machte mit ihrer Band den Anfang auf der Bühne und präsentierte Songs ihres aktuellen Albums “Rebel Frequency”. Die australische Weltenbummlerin steht für druckvollen, leicht angerockten Reggae mit kritischen, ja kämpferischen Inhalten. Dabei ist schön zu sehen, dass sich die zierliche Nattali sowohl durch ihre Präsenz als auch durch die Inhalte als starke und sympathische Künstlerin zeigt und damit in der von Männern dominierten Reggaewelt ein kraftvolles, feminines Zeichen setzt. Schade nur, dass sich das Mixing vor allem am Anfang eher an Festivals orientiert hat und demnach mächtig ballerte, was Nattalis Stimme etwas untergehen ließ. Der stärkste Moment des Auftritts war der Song “One People”. Während er auf dem Album gänzlich akustisch und von der Stimme her etwas zerbrechlich wirkend daher kommt, setzte live nach und nach die Band ein. Ein Lied, das unter die Haut geht.

Wider Erwarten betrat Protoje zusammen mit seiner Band The Indiggnation als nächster Künstler die Bühne. Man hätte ihn vom Poster her als abschließenden Headliner erwarten können. Rückblickend machte das aber Sinn, da Protoje musikalisch und inhaltlich nur auf Nattali Rize folgen konnte. Ein Mr. Vegas zwischen den beiden hätte den Abend mächtig zerlegen können.

Protoje & The Indiggnation legten den besten Auftritt des Abends hin. Das lag zum einen wieder an der extrem klaren und sympathischen Präsenz von Protoje, zum anderen na klar an den extrem versierten Musikern der Band, die im Laufe der Jahre immer erfahrener und zugleich experimentierfreudiger geworden sind. Ein wuchtiges Gesamtpaket stand also auf der Bühne in der ehrwürdigen Fabrik. Gemeinsam wurde sowohl ein Rückblick auf die ersten drei Alben des Künstlers, als auch ein Ausblick auf den kommenden, vierten Longplayer präsentiert. “Blood Money”, die erste Single, war dabei einer der stärksten, neuen Tunes des Abends.


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Protojes Megahits, wie “Who Knows” und “Kingston Be Wise”, waren selbstverständlich auch mit dabei. Sie bildeten den krönenden Abschluss eines beeindruckenden Sets. Allerdings wurde ausgerechnet “Kingston Be Wise” als Grande Finale von einem unpassenden Heiratsantrag auf der Bühne mächtig gebremst. Vom angehenden Bräutigam unter anderem in Sachen Timing nicht ganz so gelungen.

Mr. Vegas und die 330 Madness Band beendeten den Abend bzw. die Nacht in der Fabrik. Wie zu erwarten war mit wildem Dancehallgeballer. Nach den vorher präsentierten Inhalten wirkte das auch musikalisch etwas deplatziert. Man vergleiche z.B. Protojes “Blood Money” mit “Heads High” von Mr. Vegas. Trotzdem hatte der Dancehall-Artist seine Fans. Mich persönlich hat er allerdings nicht erreichen können, da er gerade am Anfang der Show distanziert gegenüber dem Publikum aufgetreten ist und es so wirkte, als ob das Programm lustlos abgespult wurde. Fraglich auch, warum er so viele Coverversionen in sein Programm eingebaut hatte. Zeit zu gehen also.

Unterm Strich ein feiner Event in der Fabrik, bei dem vor allem Nattali Rize und Protoje klare Zeichen gesetzt haben. Danke an Reggaeville und Revelation Concerts!

Text: Karsten Frehe, Fotos: Gardy Stein

Karsten

About Karsten

Founder of the Irie Ites radio show, author, artteacher and (very rare) DJ under the name Dub Teacha. Host of the "Foward The Bass"-radioshow at ByteFM.