Ammoye “The Light” (eOne Entertainment)

Ammoye
“The Light”
(eOne Entertainment – 2017)

Bei meinem letzten Besuch bei Jesse “Dubmatix” King in Toronto kam Ammoye vorbei, um in seinem Studio die Vocals für drei neue Stücke aufzunehmen: “Bloody Fiya”, “Salvation – Redemption” und “Reggae Rockit Boy”. Es war sehr interessant, ihr bei den Aufnahmen zuzugucken. Konzentriert und versiert stand sie am Mikrophon und es hat nicht lange gedauert, bis sie sowohl die Lead- als auch die Backingvocals eingesungen hat. Gut vorbereitet, sympathisch und professionell. Mit Sängerinnen wie Ammoye dürfte es jedem Produzenten leicht fallen, solide, gute bis sehr gute Ergebnisse zu erzielen. Und überhaupt: auch live hat sie viel zu bieten. Davon konnte ich mich u.a. bei ihrem Auftritt im Hard Rock Cafe, Toronto, am 29. Juli 2016 überzeugen.

Mit “The Light” legt sie nun einen neuen Longplayer vor. Die drei oben genannten Tunes sind darauf neben 14 weiteren zu hören. Dabei ist nicht alles Gold was glitzert, aber einige kleinere Perlen sind auf jeden Fall zu finden. Gerade dann, wenn die Riddims in Richtung Ska und Rocksteady unterwegs sind, läuft sie zur Höchstform auf. “Reggae Rockit Boy” ist da auf jeden Fall ganz weit vorne. Herrlich rückwärtsgewandt und stilistisch ansprechend lässt sie hier die edlen Rocksteady-Zeiten wieder aufleben. Das Liebeslied ist mein persönlicher Favorit und Dauerohrwurm des Albums.

Gesellschaftskritischer geht es bei Tunes wie “The Light”, “Soul Rebel” und “Inna Di Ghetto” zu. Die auf Jamaika geborene und mittlerweile seit vielen Jahren in Kanada lebende Künstlerin kann sowohl lyrisch als auch stimmlich eine ganze Bandbreite vorweisen. Sicher geschult in Sachen Reggae, aber auch tief verwurzelt im R’n’B und Soul. Und so verwundertes nicht, dass ein paar der versammelten Tunes deutlich in Richtung Pop steuern – “Are You Ready”, “Honeymoon” und “Good Vibez” zum Beispiel. Dabei kann sie nicht mit jedem Song punkten, bietet aber neben der großen Vielfalt auf jeden Fall genug Qualität, um Beachtung zu verdienen. Einige der Riddims entstanden auf Jamaika, wo sie u.a. auf Donovan Germain traf. Zudem hat sie mit der Di Cru Band zusammengearbeitet. Schade nur, dass Ammoye mit ihrer Musik den Sprung nach Europa noch nicht so richtig geschafft hat. Aber das kann ja noch kommen.

Karsten Frehe

Karsten

About Karsten

Founder of the Irie Ites radio show & the Irie Ites Music label, author, art- and geography-teacher and (very rare) DJ under the name Dub Teacha. Host of the “Foward The Bass”-radio show at ByteFM. And, most of all, father of three wonderful kids.