The Selecter – Interview (Pauline Black, Arthur “Gaps” Hendrickson)

Bei der letzten Tour im Herbst 2017 zur Veröffentlichung des Albums “Daylight” war Gelegenheit für ein Interview mit Sängerin Pauline Black und Sänger Gaps Hendrickson. Beide waren schon auf den ersten beiden Alben (1980/81) The Selecter. Zahlreiche Umbesetzungen später und nach einigen Namensentwendungen vor allem in den ’90er Jahren, als zeitweilig drei verschiedene Bands mit Namen The Selecter aus ehemaligen Mitgliedern existierten sowie nach diversen nicht-autorisierten Bootleg-, Live- und Studio-Restmaterial-Alben macht Pauline heute deutlich, dass sie schon immer die Chefin war. Beim Interview tritt sie dominant und resolut auf. Sie will festlegen, über welche Scheiben geredet wird. Sie will die Fragen bestimmen, fällt mir oft ins Wort und dreht die Fragen in eine andere Richtung.

Am Ende bleibe ich nach 44 temperamentvoll gestalteten Minuten halb-informiert zurück – halte aber ein paar Dinge fest:

Pauline Black & Gaps Hendrickson 2017

1. Die Diskographie von The Selecter wäre ein Thema für eine Master-Arbeit in Cultural Studies (Stichworte “Aneignung”, “Tonträger vs. Ereignisse”) oder in Musikmanagement (Stichworte: Namens- und Verwertungsrecht, Compilations).

2. Für Pauline sind Feminismus und Anti-Rassismus etwas Untrennbares, so dass man weder das eine noch das andere Thema sachlich diskutieren kann. Dass beides zum Ursprung der Ska-Two-Tone-Bewegung gehört, meint sie – ob das auf irgendeine der anderen Bands aus jener Welle zutrifft, bleibt sie aber schuldig zu beweisen.

3. Auf die früheren Zeitgenossen Jerry Dammers und seine Band The Specials, mit denen sie zahlreiche Sampler teilen musste, pfeift sie. Auch ehemalige Kollegen innerhalb ihrer eigenen Band sind für sie Verräter der guten Sache. Nur sie, so ihre Message, verarsche das Publikum nicht.

“Daylight”-Platte, “Daylight”-Shirt und andere Merchandising-Artikel von The Selecter

4. So sehr das neue Album im Vordergrund des Gesprächs stehen soll (Paulines Wunsch), so wenig davon hört man in der Setlist. Drei Songs von “Daylight” standen neben fünfzehn alten Songs sowie diversen ihrer “alten” Instrumental-Klassiker.

Hier ein paar Statements aus dem herausfordernden Dialog.

Stichwort: Prince Buster

Gaps – zur Frage, wer seine Vorbilder sind – über Prince Buster (verstorben am 8. September 2016):

“Prince Buster … because grewn up in England, as a black man, I was never given a playing field. When I started listening to ska music, to reggae music, it influenced me, I had something to hold on culturally.

Gaps, rechts, im Bild, ist die männliche Stimme auf vielen Klassikern wie z.B. der Coverversion “Train To Skaville” auf dem ersten Album der Band.

That’s why I’m here, you know, enjoying what I’m doing at the age that I am. I take great half from that. Prince Buster and people like that … pioneers and all those people kept me in touch with my culture, because I felt that was part of me! That’s not in Europe, and – you know – here I am. […] I mean, I identify with a lot of music that comes from the West Indies, like calypso, soca, merengue, those sorts of music sent me to a certain level … I mean, I grew up in England in the 60’ies when I was listening to bands like The Animals, Dave Dee, Dozy, Biky, Mick & Tich … And then, as things went on, as the world got more and more smaller, then people like James Brown, Carlos Santana, Carole King and Marvin Gaye, things like that, I’ve got a good breathe of music and I think that I sort of betrayed on what we are actually doing now.”

Stichwort: “Daylight”

Pauline über den neuen Song “Paved With Cold” (2017 / Album “Daylight”):

Zwei Konzertgäste aus Passau, die den Weg ca. 150 Kilometer nach Nürnberg gefahren, sowie eine englische Besucherin und ein englischer Fan zum Auftritt von The Selecter in Nürnberg (02.11.2017, Z-Bau):

Stichwort Fantasie & Fernweh

An welchem der folgenden Orte würden sie gerne einen Song aufnehmen? Frankreich, Trinidad & Tobago, Vietnam, Brasilien, Ghana, Neuseeland oder Chicago?

Gaps: “It’s gotta be Brazil for me. I love to put something out of the South American music to ska and see which way comes out.”

Niemals ohne Saxophon! – Ska bleibt eben Live-Musik….

Pauline: “Iceland! I’m a great fan of Björk“.

Stichwort Song-Selection & Setlist

Mit welchen Songs muss man rechnen? (“Daylight”-Tour 2017)

Pauline: “Well, what we play? Well, you want the whole run-down what we’re going to play? We’re going to start with “The Avengers” which is a theme, and then we’re going to do “Too Many Heroes”, then we’re going to do “Frontline”, then we are going to do “Breakdown” from the “Subculture” album, then we do “Daylight”, the title track from the new Album “Daylight”, then we do “Missing Words” from the “Too Much Pressure” album, you did ask … (beide lachen) … 21 songs in the set, you will not be bored!”      Text/Fotos: Philipp Kause

Philipp Kause

About Philipp Kause

Philipp hat Musikethnologie studiert und verschiedenste Berufe in Journalismus, Marketing, Asylsozialberatung und als kaufmännischer Sachbearbeiter ausgeübt – immer jedenfalls stellt er Menschen Fragen. Er lebt zurzeit in Nürnberg, wo er die Sendung „Rastashock“ präsentiert, die seit 1988 auf Radio Z läuft.