Reggae Jam, Bersenbrück, 5.8.18, Highlights Tag 3 tagsüber

Reggae Jam – Der Sonntag von 13 bis 21 Uhr

Sevana hat gerade vor dem Festival eine neue Single ins Internet geworfen. Obwohl sie darüber hinaus bisher nur zwei EPs hat, gelingt es ihr super, die 45 Minuten zu füllen. Besonders der ernste Song “Justice” ist dazu angetan.

Sevana mit Reporter Philipp

Im Interview erzählt sie mir, dass sie als Jugendliche ursprünglich Medizin studieren wollte. Ein Casting-Wettbewerb für Gesang, als sie 16 oder 17 war, hat sie davon abgebracht, erinnert sie sich.

Ras Pacey ist eine Überraschung. Bei ihm sind zwar nicht sehr viele Leute, das Konzert aber ist wunderschöner Vintage Reggae, der sich Zeit nimmt. Gute Songs finden sich auch auf seinem aktuellen Album “Knocking On Your Door”.

Die Hempolics entsprechen wohl nicht der sonst aufgespielten Musikfarbe. Dancehall, Raggamuffin, Pop-Reggae und Roots überwiegen bei diesem 25. Reggae Jam – für Rocksteady, Ska, Lovers Rock, Dub oder eben auch Triphoppiges im Stile von The Hempolics reicht die Zeit auf den Live-Bühnen dagegen kaum. Um die 400 bis 600 Leute sind auf dem Klosterpark-Gelände während des Hempolics-Auftritts verstreut.

The Hempolics im Sommer 2015 @Weedbeat.
Aktuelle Fotos vom Reggae Jam 2018 folgen.

Nubiya, Dan Collie und ihre Band liefern mit Songs wie “Green Line” und “Boss Clock Me Style” ein knackig-funkelndes Konzert mit British Accent. Sängerin Nubiya erzählt mir, dass “Green Line” ursprünglich auf einem Song von Garnett Silk beruht, den die Hempolics abgewandelt haben.

Tippa Irie, Horseman und Starkey Banton teilen sich einen Slot von 90 Minuten. Horseman, ein ‘One Hit Wonder’ der späten ’80er Jahre (“Horseman Giddi Up”), gibt den ausschweifenden MC, fordert “Clean Style” ohne Slackness und läuft im Wechsel mit Tippa Irie oder mit ihm zusammen über die Bühne. Oft wagen sie sich sehr weit nach vorne Richtung Publikum.

Zu dem Song erzählt mir Dancehall-DJ Barney Millah, dass schon damals 1988 auf Jamaika Pferderennen hoch im Kurs gestanden hätten (siehe Video-Clip) und Horseman (daher sein Künstlername) inspiriert davon seinen Tanz entwickelte, den “Horseman Giddi Up”-Tanz.

Höhepunkt in diesem 4er-Segment ist während der letzten zwei, drei Songs das Featuring von Daddy Freddy, der auch noch zu den anderen auf die Bühne kommt und mit umjubelten High Speed-Rap-Einlagen/Toastings das Tempo hochtreibt.

Bevor wir zu Mister Vegas kommen, der die Stunde 20 bis 21 Uhr bespielt, hier der Link zu den zahlreichen Fotos vom Samstag von unserem Fotografen Hans Beyer. Er war u.a. bei Skarra Mucci (Hauptbühne) und bei Exile Di Brave (DaSandwichmaker-Stand) :

25. Reggae Jam Festival – Die Bilder vom Samstag

Mr Vegas @ Reggae Jam 2018

Mr Vegas schließt mit einem für mich unerwartet romantisch orientierten Set an. Coverversionen von Tanto Metro & Devonte (“Everyone Falls In Love”) und Bob Marley werden mit vielen Songschnippseln aufgefüllt, häufiges Pull-Up inklusive.

Die (große) Band mit zwei sehr guten Background-Sängerinnen macht die Achterbahnfahrt sehr geübt und bei hervorragendem Sound mit. Genau diese Mischung kommt als Ausklangmusik nach einem Party-Wochenende bestens an und sorgt für einen brechend vollen Klosterpark in Bersenbrück. Sehr wirkungsvoll mit kraftvollem Schlagzeug reißt die Version von Desmond Dekkers “Israelites” mit. Auch hier ein Lob an die Background-Vokalistinnen. Ich finde sie stimmlich viel besser als Mr Vegas. Darf man das sagen? Auch spannend die Samples von House Of Pains “Jump Around” (Hiphop-Hymne).

Die Temperaturen sind zu diesem Zeitpunkt auf ein angenehmes Maß gesunken – vielleicht deswegen stehen nun bis ganz weit nach hinten, bis zu den Essensständen fast alle und wogen mit; selten so in der Location gesehen.

Philipp Kause

Philipp Kause

About Philipp Kause

Philipp hat Musikethnologie studiert und verschiedenste Berufe in Journalismus, Marketing, Asylsozialberatung und als kaufmännischer Sachbearbeiter ausgeübt – immer jedenfalls stellt er Menschen Fragen. Er lebt zurzeit in Nürnberg, wo er die Sendung „Rastashock“ präsentiert, die seit 1988 auf Radio Z läuft.