Freedom Sounds Festival, Essigfabrik, Köln, 26.-27.4.19

Freedom Sounds Festival 2019

Dieses Jahr ging dieses erlesene Festival in seine siebte Runde. Wie schon in der Vorbesprechung berichtet, gab es eine große Bandbreite an Acts des gesamten Genres zu bestaunen. Die Lokation war diesmal eine andere, da der bisherige Austragungsort, das Gebäude 9, wohl umgebaut wird. So hatte man die alte Essigfabrik gefunden in der sonst eher Techno-Events stattfinden. Größer ist der Laden, was einerseits recht schön ist, da es im Gebäude 9 durchaus zu saunaartigen Temperaturen kommen konnte, jedoch wirkt alles sehr viel professioneller und glatter. Allerdings ist der Keller der Essigfabrik durchaus recht undergroundmäßig und strahlt einen schönen, maroden Charme aus. Schade war auch, dass der Kaffeestand nicht da war. Das Publikum ist ja doch eher etwas gereift und da ist ein guter Kaffee durchaus ein Gewinn, wenn’s mal wieder spät wird. Sonst wieder leckere Foodstalls mit wirklich gutem, vegetarischem Essen. Wieder so ein kleines Plus dieses Festivals. Außerdem gab es Mühlenkölsch, was in Köln fast schon ein Muss ist. So genug der Gastrokritik, was gab es auf die Ohren?

Den bunten Reigen eröffneten die Freedom Sound Allstars als Warm Up-Allstar-Band. Danach kam der original Rude Boy aus London Arthur Kay mit den Clerks aus Köln auf die Bühne, die ja immer wieder für gute Stimmung sorgen. Unten im Club kam es dann zu einem Wiedersehen mit Walter Dunn und Jonny Meyers von den Stingers ATX, die mit einem Acoustic Set im Stil von Straßenmusikern die Herzen höher schlagen ließen. Da sich darunter sicher niemand, der nicht da war, etwas vorstellen kann, habe ich einen Clip verlinkt. Kurz gesagt, sie wussten mit den reduzierten Versionen ihrer Hits um die Jahrtausendwende durchaus zu überzeugen.  Sie kamen mehrmals im Keller auf die Bühne. Mit sehr viel Soul und Leidenschaft!

Danach erklommen die Los Apartamentos mit ihrem neuen Album die Bühne, quasi ein Heimspiel für sie und was für ein schöner Auftritt. Diese Band strahlt einfach eine unbändige Spielfreude aus. Später hatten Eastern Standard Time auf der Hauptbühne einen durchaus sehenswerten Auftritt. Hierauf folgte Thommy Tornado mit den Clerks, auf deren Album man gespannt sein darf. Thommy Tornado stammt aus der Orginalbesetzung der genialen, niderländischen Band Rude Rich and the Highnotes, die sich jetzt leider eher dem Covern verschrieben haben. Sehr schöner jazziger Ska von dieser gelungenen Kombination an diesem Abend. Danach Prince Fatty and Horseman – keine schlechte Idee mal Soundsystemstyle auf die Hauptbühne zu bringen. Dann wurde es im Keller sehr speziell und die Grand Miercoles aus Spanien spielten mit ihrer abgedrehten Surf-Ska Nummer zum Tanz auf. Sie speilten an diesem Abend zwei sehr hörenswerte Sets, auch hier wieder eine gute Idee, so eine spezielle Band zu holen. Die große Stärke des Festivals liegt darin, dass hier immer wieder Bands mit neuen Ideen oder wenig Bekanntheitsgrad in Deutschland auf die Bühne geholt werden. Oben dann die Altmeister von El Bosso und den Ping Pongs – und ja sie waren grandios. Ich habe sie selten so wuchtig und motiviert gesehen, ganz großes Kino! Gefolgt von den Dub Pistols, von denen ich schlicht noch nie etwas gehört hatte, mit einer wirklich abgedrehten frischen Version von Ska mit jeder Menge Reggae und Punk, ach ja und Dub. Müssen in UK relativ groß sein und das zu Recht. Unten mit ihrer Version von “Gangsters”. Später gab es noch Allnighter, die ich aber verpasst habe, da ja noch ein Festivaltag kam.

Am Samstag, nach einem schönen nicht ganz so sonnigen Tag in der Kölner City, ging es wieder in die Essigfabrik. Wirklich wach waren wieder alle nach der unglaublich guten Show von Smiley and the Underclass. Ich hatte das Gefühl The Clash in jung und wütend zu sehen. Wahnsinn waren die gut!

French Boutik spielten auch ein gutes Set, was ich aber schlichtweg verpasst habe. Jesse Wagner mit den Badasonics legten dann einen sehr soliden Gig zwischen Motown-Soul, R&B und frühem Reggae hin. Schön anzusehen. Im Keller spielten nachfolgend Mick Clare mit seinem Kumpel Garry Marshall alte Hotknives-Nummern und sorgte für gute Stimmung. Oben gab es einen schönen Gig der Steady 45s mit authentischen Ska und im Keller die dreckige Latinoversion mit The Void Union mit Ricki Rocksteady. Die Jungs sehen zum Teil aus, als seien sie aus dem US-Knast geflohen, mit Gesichtstatoos usw.. Der Keller kochte zu ihrer heißen Show. Ska ist halt von den richtigen Typen gespielt nach wie vor heftige Musik. Winston Mc Anuff tratt dann mit Fixi auf der Hauptbühne auf. Unten gab es Sebastian Sturm akustisch mit Gitarre in Geburtstagsstimmung zu hören. Ich habe ihn schon besser gesehen, aber er hat sich sehr gefreut dort zu feiern. Oben gab es dann Natty Bo mit seinen Top Cats und einem Prince Buster-Special. Teilweise recht gut, aber mir ist er immer einen Tacken zu affektiert.

Definitiv auch dieses mal ein grandioses Festival, das mit viel Liebe geplant und veranstaltet wurde. Es gibt immer wieder tolle neue Bands zu entdecken. Definitiv eine Pflichtveranstaltung in jedem Jahr.

Text: Georg von Ungern-Sternberg Fotos: Ashley Greb Photography

 

 

Georg (Red Baron)

About Georg (Red Baron)

Legt Platten bei Regensburgs dienstältestem Soundsystem Red Baron & Dr.Till auf. Ansonsten vorher schreibend bei BSE 96-Fanzine und RockingSteady. Verfiel dem Offbeatvirus im zarten Alter von 12 und das soll sich auch nicht mehr ändern.