Kid Gringo – A likkle talk with the artist

Kid Gringo ist einer der kreativsten Köpfe in der deutschen Reggaeszene. Jahrelang er war mit Trettmann auf Tour, ist der Lieblings-Illustrator des Riddim Magazins und gilt als wahre Entertainment-Maschine in der Dancehall. Jetzt hat er seine Zelte in Uganda aufgeschlagen. Was Deutschlands Überselektor und No.1. Reggae-Illustrator so umtreibt hat er uns vor seinem Auftritt in der Frankfurter Innenstadt erzählt.

Wie kommt es, dass du in Uganda gelandet bist?

Weil ich hier nicht hingehöre. Ich weiß das komischerweise schon immer. Ich war ja früher auch oft in Brasilien. Immer mal drei Monate hier, vier Monate da. In der Zeit hab ich halt gemerkt, dass ich hier nicht hingehöre. Dass ich mich woanders viel mehr zuhause fühle. Doch dann kam die Zusammenarbeit mit Trettmann dazwischen. Klar, dann haben wir erstmal das gemacht. Aber ich wusste schon, dass ich eines Tages weg aus Deutschland möchte. Irgendwann kam ein befreundeter Dude auf mich zu, der schon in Uganda war, und schrieb mir, dass ich auf jeden Fall mal runter kommen soll. Als er mir im Februar nochmal schrieb dachte ich mir: Alles klar ich komm runter. Ich hab mir das für einen Monat mal angeschaut und dachte geil….

Was machst du dort?

Ich mache in Uganda so ziemlich dasselbe wie in Deutschland. Viel Grafik für hauptsächlich deutsche Kunden. Und ich leg halt Musik auf, allerdings jetzt noch nicht so viel, weil ich erst mal meine ganzen Basics auf die Reihe kriegen wollte. Das funktioniert ziemlich gut. Gerne mach ich dort auch Siebdruck-Workshops für Kids aus der Umgebung. Ich hab mir eine mobile Siebdruckerei da runter geschafft, mit einem Tisch und ein paar Sieben und und so.

Das meiste was ich mache sind Illustrationen, ab und an auch immer mal ein Design-Projekt. Ich kann auch Kataloge setzten, aber das langweilt mich sehr und ist auch hart viel Arbeit für das Geld, was man dann bekommt. Ich hab irgendwann angefangen, nur noch als Illustrator Aufträge anzunehmen. Das ist auch besser so. Ich kann nun mal krass gut zeichnen und dann sollte ich mir das auch bezahlen lassen. Es ist besser als nur Flyer zu schruppen und dann z.B. 30€ dafür zu kriegen. Meistens mach ich Plattencover oder Plakate. Irgendwann hat sich einer beschwert, dass die Dancehall-Illustrationen alle von mir sind in Deutschland. Das stimmt auch. Zu mindestens war das eine ganze Weile so. Ich hab ja oft für Silly Walks oder Supersonic die Flyer gemacht. Denen, die sich beschweren, würde ich sagen, wenn jemand anderes kommt der gut ist… Why not……

Ich zeichne halt schon seit ich drei bin und mach Flyer seit dem ich 15 war. Als das damals mit den Dancehall-Flyern in Leipzig anfing, war ich schon an der Stelle wo ich genau wusste was ich mache.

Du bist ja auch als Graffiti-Artist unterwegs. Wie hat das damals angefangen?

Ja, das war mit 14 Jahren. Zu der Zeit hatten sich gerade meine Eltern getrennt. Damals konnte ich machen was ich wollte. Ich konnte mir nicht vorstellen, mal eine Nacht nicht rauszugehen und zu Malen. Wir hatten verschiedene Graffiti-Crews damals. Die die noch übrig geblieben ist, nennt sich FOO. Manchmal machen wir noch vereinzelt ein paar Bilder.

Wie kamst du dazu, Dancehall aufzulegen?

Ich fand die Musik halt cool. Ich hab meinen Freunden meine Lieblingslieder vorgespielt und dann haben die gesagt, mach mir das mal auf Kassette. Und dann hab ich denen das auf Kassette zusammen geschnitten, auf Partys von Freunden aufgelegt etc.. Trettmann war irgendwann mal Anfang der 90`s in Jamaika und kam dann wieder mit irgendwelchen Singels. Die Sachen fand ich ziemlich cool. Dann ging es in Leipzig recht schnell. Wir haben angefangen, die Partys zu organisieren. Ich hab dann immer aus Spaß im Warm Up aufgelegt. In der Zeit haben ich und die anderen gemerkt, dass ich das relativ gut kann. Da gab’s auch Sachen, wie den Far East Sound, wo wir den Warm Up gespielt haben oder wir haben uns noch Pow Pow oder Concrete Jungle dazugeholt. Irgendwann hatten wir aber so viele Fans, dass wir unsere eigenen Partys alleine spielen konnten. Kurz darauf bin ich nach Brasilien und hab dort auch manchmal ein bisschen aufgelegt, aber nicht seriös. In der Zwischenzeit kamen diese ersten Comedy-Ronny Trettmann-Tunes auf. Als ich dann wieder kam, haben wir uns getroffen und er hat mich gefragt, ob ich nicht sein Selektor sein will. Wir haben ein Paar Auftritte zusammen gespielt, ein Album angefangen mit Ranking Smo, dann war ich wieder in Brasilien, irgendwann das Album realisiert, was für die Verhältnisse ganz schön durch die Decke ging, zumindest in der Szene. So ging das dann immer weiter. Es war schon fast ein Fulltime-Job. Die letzten 2 Jahre haben wir dann fast jedes Wochenende ein oder zwei Gigs gehabt. Das waren hauptsächlich Dancehall-Partys wo dich der XY Sound aus XY Town einläd. Aber auch mal eine Campus Night, wo wir dann mit unseren Format total dazwischengeknallt haben. Wir waren bei Festivals oder ein Opening Gig bei z.B. Fettes Brot oder so.

Die Dancehall-Szene in Deutschland hat sich ja mittlerweile auch stark verändert. Es gibt immer weniger junge Sounds und die Szene ist eher am schrumpfen. Wie siehst du die Entwicklung?

Die meisten Leute von damals gibt es irgendwo schon noch, ob die noch was machen, sei jetzt mal dahingestellt. Was ich halt immer wieder von den Leuten aus der Generation höre ist, dass die sich über das Fehlen einer jüngeren Generation beschweren. Ich guck halt inzwischen aus ner ganz anderen Ecke auf das hier und ich kann verstehen warum wir das die ganzen Jahre gemacht haben, warum die ganzen Leute das weitermachen oder ihr eure Reggae Partys macht. Aber Prinzipiell, werden nur 10% von den Erlebnissen, die man dabei hat, das Erlebnis sein, was man sich zuvor gedacht hat.

Ich glaub nicht, dass in Deutschland Dancehall tot gespielt wurde. Ich hab mit vielen Leuten darüber gesprochen, seien es die Veranstalter in Berlin oder das Sensi Movement mit “Dutty Wine”, die Augsburger oder die Stuttgarter. Ich glaube, das Problem ist eher ein Generationen-Problem im Unterschied zu Jamaika oder Uganda. Was wir hier in Deutschland machen, ist ein totales Sparten Business. Das bedeutet, du musst dich echt dafür interessieren, hin zu gehen. Es ist in einer gewissen Form ein Movement. Es völlig klar, dass die 20 Jährigen mit den jetzt 40 Jährigen nicht das selbe Movement machen wollen. Es funktionier in Jamaika natürlich und auch in Afrika, aber das funktionier nicht hier.

Das ist Deutschland. Seit dem ich in Afrika bin, finde ich die jamaikanische Art der Dancehall-Partys nicht mehr so cool. Ich fand das schon vorher komisch mit Mädels, die auf dem Kopf stehen und aussehen wie Frösche, die bestimmte Choreographien tanzen weil es ansonsten nicht cool ist. Dieser ganze “Wer ist jetzt hier der Coolste Contest”. Und niemand wird richtig locker. Seit dem ich jetzt in Afrika bin, sehe ich das ganze Dancehall und Reggae Ding nochmal ganz anders. Man kann das auch einfach ganz cool machen. Hier kollidiert dieses Deutschland mit dem Jamaika-Ding. Das ist teilweise ziemlich weard aber auch interressant. Was wir hier machen mit dieser Musik ist schon wichtig und es gibt auch immer wieder Leute, die das hart feiern. Sehr oft ist es aber einfach zu angestrengt und nicht locker. In Uganda geht es lockerer zu. Die Musik ist laut, die Leute tanzen, man trinkt was und hat eine gute Zeit.

Ich hab bis letztes Jahr nicht einmal gewusst, wo Uganda liegt. Das einzige was viele Deutsche über Uganda wissen ist, dass dort damals die Landshut gelandet ist. Das Land ist halt irgendwie vergessen worden. Uganda ist ziemlich klein und hat eigentlich alles. Es gibt kaum Touristen. Musikalisch geht dort ziemlich viel. Wenn man will, könnte man den ganzen Abend nur Uganda-Dancehall spielen. Dancehall läuft überall. Z.B. an der Tankstelle. Während du volltankst läuft dabei Kartel und Signal.

Wenn da so ein Dude mit meinem Gesicht ankommt und sagt, “Hey lasst mich mal spielen. Ich spiele Dancehallmusik schon seit 20 Jahren”, dann sagen die, “AHH OK !? You go white boy….”. Nach fünf Tunes finden das dann alle schon ganz okay oder cool. Mittlerweile hab ich eine ganz gute Uganda-Selection. Auch Dubplates und so, was es dort noch gar nicht so richtig von den anderen DJs gibt. Wenn ich das dann auspacke, sieht man den Leuten ziemlich gut an, wie sie sich wundern. Ich hab es schon ein paar Mal erlebt, dass jemand dann gesagt hat, “You are the best DJ in Uganda”.

Interview: Ralf Neumann

 

Rall-Fi

About Rall-Fi

RALL-FI is an selector, lightman, promoter. He is part of IRIEITES-Germany and BASSMENT SESSION CREW in Frankfurt. Back in the days he started as a graffiti writer and hiphop DJ in 1997 in East Germany.