Buju Banton “Upside Down 2020” (Gargamel Music)

Buju Banton
“Upside Down 2020”
(Gargamel Music – 2020)

Es ist ein schöner Gedanke. Der Enfant terrible und eine der schillerndsten Figuren der jamaikanischen Musik Buju Banton kommt nach einer mehrjährigen Gefängnisstrafe in den Vereinigten Staaten wieder frei und liefert darauf ein superbes Comeback-Album ab, auf das alle gewartet haben. Unter denen, die seine Freilassung nun feiern, sind auch Größen wie Stephen Marley, John Legend oder Pharrell Williams, die auf seinem neuen Album „Upside Down 2020“ ihren Beitrag zur Wiederauferstehung und Rehabilitation von Mark Anthony Myrie, auch Gargamel genannt, leisten.

In „Yes Me Fried“, einem Cover von Bob Marley, stimmen Stephen Marley und Buju zusammen eine Ode an die Freiheit und singen ‚them set me free again‘. ‚I was buried alive, but I’am still breathing‘ singt Buju in der rockigen und energiegeladenen Nummer „Burried Alive“, die jedoch so viel Originalität hat, wie eine gefakte Cola vom Discounter. An Stelle der anfänglichen Euphorie tritt allmählich Ernüchterung ein.

Dabei ist die Welt, in die nun Buju wieder entlassen wurde, nicht mehr dieselbe, wessen er sich bewusst ist und dies in „World is Changing“ zugibt. Die aktuelle Cancel Culture hätte ihn wegen seiner homophoben Aussagen vor sieben Jahren wahrscheinlich mundtot gemacht und die Corona-Pandemie hat ohnehin vieles verändert. Eine auf den Kopf gestellte Welt eben.

Aus dem Knast in die Mittelmäßigkeit

Wie auch immer, von seiner Skandal-umwobenen (frühen) Vergangenheit inzwischen vollständig geläutert, zeigt sich Buju Banton nun viel weiser und mit sich und der Welt versöhnlicher. Mit Songs wie „Helping Hand“, oder „400 Years“ gräbt Buju tief in die Rastafari-Tradition, womit er auch seine stärksten Momente innerhalb von diesem, zwanzig Songs umfassenden Album, verbuchen kann. Und in dem hymnischen Intro „Lamb of God“ hört man schon die Engelchen singen und würde als solches ideal ins Repertoire einer Gospel-Messe passen.

Seine Mr. Loverman-Posse hat Buju auch nicht abgelegt und ein großer Teil des Albums widmet sich den Lovers-Balladen zu, wenn auch manchmal mit unglücklichen Formulierungen wie in dem billigen AutoTune Abklatsch „Cherry Pie“ mit Pharrel Williams. Alles Lieder also, denen immerhin keine Gefahr für Indizierung wegen jugendgefährdender Inhalte droht, was bei Buju Banton nicht immer selbstverständlich war. Bujus kompromisslose Radikalität und die Schneidigkeit seiner Texte, die ihm nicht selten großen Ärger brachten, sowie deren Umsetzung hat in „Upside Down“ deutlich nachgelassen, auch wenn der Buju Banton sich weiterhin engagiert und sozial-kritisch gibt.

Obwohl sich die Musik auf dem neuen Album nicht, wie übrigens bei fast allen Bujus Alben, in eine Schublade stecken lässt; ob rückwärtsgewandter Ska in „Moonlight Lover“, harter Dancehall wie in „Blessed“ oder „Trust“, Afrobeat in „Unity“ und verwässerter Roots Reggae der „Rising Up“ und „Appreciated“, eines haben sie alle gemeinsam: auf den gewöhnlichen Pop-Konsumenten mag das alles wie ein Knaller wirken, für diejenigen jedoch, die tiefer in der jamaikanischen Musik drinstecken, nicht mehr als mittelmäßig.

Zvjezdan Markovic

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About Zvjezdan Markovic

Immer auf der Suche nach neuen und alten Sounds, hat aber auch seit über 10 Jahren die schlechte Angewohnheit, darüber zu schreiben. (E-Mail zvjezdan[at]irieites.de)