Susan Cadogan & The Debonaires, Tiki Beat Bar, Regensburg, 19.4.18

Selten, dass man ein so gutes Konzert bekommt. Hier handelte es sich um ein interaktives Quer-durch-die-Diskographie-Konzert.

.

Susan Cadogan (sprich: Ca’douw,gan) hat die Hits dabei (“Nice And Easy”, “Uptown Top Ranking”). Es gibt einige voller Herzblut gecoverte Versionen von “In The Ghetto” (dem Elvis-Hit), “Love So Right” von den Bei Gees,  – Songs, die auf Reggae/Soul “gemacht” werden.

Aus “Hurt So Good” macht sie eine 6:30-Extended Version. Ein Herr wird von Susan auf die Bühne gebeten, doch statt seiner Wenigkeit kommt seine Frau.

Aktives Publikum

Nach einigem Zögern zieht er dann nach, und das Paar macht mit Susan Liebe zu dritt. Gelegenheiten auf körperliche Liebe hinzuweisen, lässt die Sängerin kaum aus.

Nach dieser Einlage wird die Zugabe interaktiv mit dem Publikum gestaltet. Beim Cover von “(Poor Me) Israelites” singt ein Gast aus dem Publikum den Refrain an Susans Mikro.

Als sehr unterhaltsam und spielerisch hervorragend erweisen sich die Debonaires aus Kalifornien. Sie haben auch eigenes Material und fungieren als Vorgruppe. Unten über den Link könnt ihr euch über deren 15 Jahre Bandgeschichte einen Eindruck verschaffen.

Der Trompeter übernimmt bei der Bee Gees-Coverversion spontan den männlichen Falsettgesang. Den Song hatte er vermutlich erst für dieses Konzert – als Premiere – einstudiert. Obwohl, in den USA, wo The Debonaires herkommen, war das immerhin ein Platz 3, in Kanada Platz 2 und Brasilien eine 1 – auf den meisten Bee Gees-Best of’s fehlt er und war in Europa nur mäßig bekannt. Eben darum geht es bei dieser Art von Konzert, die Musikgeschichte aufzurollen, und zwar aus dem Blickwinkel von Susan Cadogan.

Location

Dabei findet sie in Regensburg, Uni-Stadt, Stadt mit extrem hoher Gastronomiedichte, an diesem warmen Abend, wenn man so will dem ersten sommerlichen Abend der Saison, erstaunlich viele junge Leute im Publikum vor. Man könnte es ja auch doof finden, irgendwelche ’70er-Jahre-Covers zu hören, deren Originale man vielleicht nicht einmal kennt. Aber nein, a) ist es witzig gemacht, Susan spart nicht an Bühnenansagen, bezieht die Bläserfraktion der Band mit ein in ihre Witze und Situationskomik, und b) gibt es in dieser Stadt ein Publikum dafür. Hier interessieren sich Zwanzigjährige für Musik der ’50er, wie die Tanzreaktionen auf “Lollipop” zeigten.

A Bierfuizl, wie mia in Bäyarn do herrunt’n sog’n

Da trifft es sich gut, dass die Tiki Beat Bar, wo das Ganze stattfand, eine zuverlässige Anlaufstelle für Musik mit Bezug zu den 1960er/70er Jahren ist. Soul, Garage, Rockabilly, Ska-Punk, Psychedelic Beat und Reggae mit Rocksteady-Elementen finden hier in steter Regelmäßigkeit von September bis April oder Mai statt, dann aber jede Woche zwei, drei Mal.

Zentral in der Altstadt gelegen, schauen die Crowds, die sowieso unterwegs sind, hier rein – um vielleicht danach auch noch woanders hinzugehen oder vorher von woanders her zu kommen. Die niederbayerische Stadt an der Donau bietet da allerhand.

Susan Cadogan und The Debonaires ziehen weiter nach Köln zum Freedom Sounds Festival. Mehr zum Thema und weitere Konzerttermine hier.

Einer, der sie immer mal live sehen wollte: der Autor des Artikels.

Tanzbar & Liebevoll

Fazit vom ersten Konzert 2018 in Deutschland: sehr tanzbar, mit einer entdeckenswerten Begleit- und Vorgruppe, intensiv, Zeitreise, soulful, mit viel Liebe zum Detail, Konzentration und einer schier unglaublichen Stimme. Susan kann wirklich noch singen – kein Autotuning! Und es tut mal gut, bei einer Gelegenheit dieser Art nicht von Religionszitaten wie “Blessed” und “Give thanks to the Almighty” überflutet zu werden. Bei dieser Sängerin, deren erste Single 43 Jahre zurückreicht, geht’s einfach um Partnerschaft, Flirt, Schüchternheit, sexuelle Anziehung, Liebe … diese Dinge.

Nach dem Konzert in Regensburg war ausgiebig Zeit für die Fans für Autogramme & Selfies mit der Künstlerin und um mit ihr zu sprechen. Ihre Platten & Plakate verkauft sie höchstpersönlich selbst: sie, die als eine der wenigen aus dem Reggae mit einer Single in den Top 10 war. Zum Schluss noch ein musikalischer Tipp von ihr, den sie auf der Bühne veredelt – Original: Lorna Bennett & weitere.

Text & Fotos: Philipp Kause

Links: http://susancadogan.com/

http://www.grover.de/moskito/tourdates-d.htm (Konzertpromotion/Tourmanagement)

http://www.tikibeat.de/veranstaltungen

The Debonaires auf ReverbNation

 

Philipp Kause

About Philipp Kause

Philipp hat Musikethnologie studiert und verschiedenste Berufe in Journalismus, Marketing, Asylsozialberatung und als kaufmännischer Sachbearbeiter ausgeübt – immer jedenfalls stellt er Menschen Fragen. Er lebt zurzeit in Nürnberg, wo er die Sendung „Rastashock“ präsentiert, die seit 1988 auf Radio Z läuft.