Reggae Jam, 3.-5.8.18, Bersenbrück – alte Bekannte im Line-Up-Puzzle

Was die Homepage des Veranstalters nicht weiß, was die App zum Festival geheim hält und was auch auf der offiziellen Facebook-Seite des Reggae Jam noch fehlt – eine Anzeige im Print-Magazin RIDDIM weiß es: Wer zum Reggae Jam nach Bersenbrück Anfang August kommt. Immer wichtig: Es kann sich noch etwas ändern. Aber das kann es ja immer.

Wir gruppieren die vielen (69!) Namen zwecks Übersichtlichkeit in Blocken und Grüppchen:

1. Teil – Wiederkehrende

Das Festival feiert sein 25. Mal. Es fand jedes Jahr statt, ohne Aussetzer – seit 1994. Damals, vor einem Vierteljahrhundert, war Shaggy gerade mit “Oh Carolina” in den Charts, Diana King – noch – nur Overseas mit ihrem “Shy Guy” bekannt. Dancehall boomte, aber auch R’n’B und Lovers’ Rock-Schmachtballaden. Die Stars damals hießen Beres Hammond, Macka B und Tippa Irie. Die letzteren beiden kommen auch.

Macka B erklärt gerne, was eine 45 rpm-Single ist.

Macka B war 2009 schon einmal in Bersenbrück. Damals hatte er noch ein ganz anderes Song-Repertoire. Jetzt hat er sein Album “Health Is Wealth” im Gepäck. Aus den von Irieites.de präsentierten Konzerten im Mai in Köln, Hamburg, Berlin und Hannover kann man schließen, dass er seine Sache sicher sehr gut macht.

Auf dem Ruhr Reggae Summer in Dortmund zeigte er bereits, wie er mit der Roots Ragga Band vor Open Air-Publikum und am hellichten Tag harmoniert. Die Gemüse-Songs und die neueren Singles wie “Legendary Reggae Icons” und “Never Played A 45” überwiegen. Alte Classics wie “Power Of The Mind” wären mal wieder schön. Macka B ist auf jeden Fall ein Entertainer – wenn man ihm genügend Zeit für Bühnenansagen lässt.

Tippa Irie war 2004, 2007, 2010 und 2015 in Bersenbrück mit dabei. Auch er ein Brite, wie Macka B. Klar, wenn einer das Festival so oft mit gestaltet hat, dann gehört er auch zum runden Jahrgang dazu. Aber, was verbindet man mit Tippa Irie? Ich gebe zu, mir fällt gerade gar nichts ein. Recherche… Klicken… Suchen… Ergebnis: Anstelle eines Songs antworte ich auf meine eigene Frage mit einer Kompetenz des Mannes – er kann super Dancehall freestylen:

Fantan Mojah: 2010 dabei gewesen, 2012 angekündigt und ausgefallen, dafür 2014 und 2015 zwei Mal hintereinander angereist. In den letzten Jahren erschien wenig Neues. Eines ist gewiss – er kann richtig gut singen und toppt mit seinen süßen Melodien einige der Youngsters, die nach oder zeitgleich mit ihm kamen (Romain Virgo kommt auch, also lassen sie sich direkt vergleichen). Anschauen!

Samory I lieferte 2016 seine Reggae Jam-Premiere ab. Inzwischen erschien mit “Black Gold” sein erstes Album. Ich glaube, der Typ wird kein Artist, der am laufenden Band Hit-Singles liefern wird. Seine Talente entfaltet er eher auf der Langstrecke. Auch hier sind die Kollegen von BBC 1Xtra hilfreich – voilà, die 8-Minuten-Fassung von “Rasta Nuh Gangsta”:

Daddy Freddy war – laaaaaaang ist es her – 2006 und 2009 mit an Bord. Zeit, mal wieder zu erläutern, wer er ist. Wikipedia nennt ihn “Begründer des Raggamuffin”. Heeeey! “Raggamuffin Hiphop” war auch einer seiner Hits. Neben “Legal (Illegal)”. Naja, sagt einem jetzt nichts mehr, oder? Hiphop war dann sein Betätigungsfeld. Den Erfolg, als Jamaikaner den Titel “Schnellster Rapper der Welt” zu tragen, sollte man auch ganz klar für sich nutzen.

So ging er mit zahlreichen US-Rappern der ’90er ins Studio oder lieh ihnen Aufnahmen mit seinen absurd schnellen Silbenrekorden. Damit kam er auch ins Guinness-Buch der Rekorde. Wer auf milchige VHS-Video-Mitschnitte und die Mode der frühen ’90er Jahre steht, wird auf dem YouTube-Profil von Daddy Freddy vor Glück strahlen. Die entscheidende Stelle in dem Video kommt natürlich kurz vor Schluss bei 8:05. Aber es ist schon ein ganz gutes, wobei amerikanisch-schräges Kurzporträt dieser Dancehall-Legende:

Cocoa Tea war 2009 geplant, fand aber den Weg zu seinem Flugzeug nicht rechtzeitig. In der von ihm besungenen “New World Order” hätten ihm solche Risiken eigentlich bewusst sein müssen. Dafür versetzte er das Festival dann 2013 gleich ein weiteres Mal.

Die Wahrscheinlichkeit, dass er kommt, mag man nicht gar so hoch finden, wenn man das jetzt so liest. Je kleiner das Festival, desto größer das Risiko: Die süddeutschen “Reggae in Wulf” und “Black Forest On Fire” planen mit ihm – eine Woche vor dem Reggae Jam – als Headliner! Wer mehr über ihn wissen möchte – bitte hier klicken, da geht’s weiter zu ihm.

Jah Mason war 2006 und 2010 mit dabei, ist dieses Jahr bei mehreren Festivals wieder zu sehen, z.B. kommt er im Juli zum Sunrise Reggae & Ska nach Süddeutschland. Ab und zu taucht er zur Zeit wieder auf Riddims auf. Was erwartet uns bei Live-Shows von ihm? Hier hat er selbst eine ganze Show von 90 Minuten ins Netz gestellt – in hervorragender Qualität:

Derrick Morgan ist schon eine Riesen-Sensation bei der Künstlerauswahl. Mit 78 Jahren! Es ist unendlich weit weg, 1961 – Jamaika gehörte noch formal zum United Kingdom – da stand er auf den Plätzen 7, 6, 5, 4, 3, 2 und 1 der jamaikanischen Hitparade. Ooops! Wie kann das sein? Damals gab es doch noch keinen Reggae.

Wo Ska und Rocksteady ihren Lauf nahmen…

Anders herum wird ein Schuh daraus: Derrick Morgan trug massiv dazu bei, dass es Reggae überhaupt gibt, wie wir ihn heute kennen. Die Grundlagen Ska und dann Rocksteady legte unter anderen er. Noch eine Besonderheit: Derrick Morgan erblindete im Laufe seines Lebens. Insofern ist bei seiner Bühnenshow mit zu denken: Die meisten von uns sehen, was er nicht sieht. Für die Musik ist das ja durchaus kein Nachteil.

Etwas jamaikanische Landesgeschichte muss an dieser Stelle sein:

Schon vor drei Jahren – 2015 – und 2005 kam Mark Wonder nach Bersenbrück. Er ist eine Art “verhinderter Star”. Er wollte immer entdeckt werden, sich aber nie selbst beweihräuchern, bewerben, in den Vordergrund rücken. Nun wollen ja viele Jamaikaner mit Musik groß rauskommen. Insoweit hat ihm seine Zurückhaltung angesichts der großen Konkurrenz schon in den ’80er und ’90er Jahren nichts genützt. Heute wird er zumindest in Europa mit der Anerkennung mancher Journalisten belohnt. Was macht er noch mal für Musik?

Schon 2011 gehörte Konshens zum RJ-Aufgebot. Einer der aktuellen Konshens-Hits entzieht sich nur ganz schwer den Tiefen des inneren Harmoniebedürfnisses, sobald der Song einmal beide Ohren durchdrungen hat. Achtung, explicit content! Nur die “Raw Version” ist die echte. Im Radio dürfte ich das gar nicht spielen (zumindest nicht bei mir im Sender):

Der mitreißende Skarra Mucci blüht zur Zeit anscheinend richtig auf. Viele Leute weltweit wollen mit ihm aufnehmen. Eine neue Compilation fasst solche Kollabos gerade zusammen. Auch beim Summerjam in Köln ist er mit dabei, sogar auf der großen Bühne, die dort sonst zuletzt eher dem Hiphop vorbehalten war. Zur Prime Time am Samstag um 21 Uhr wird er die Summerjam-Fans dieses Jahr im Juli in den Sonnenuntergang hineinspielen. Weil man davon nicht genug bekommen kann, kommt er zum Reggae Jam vier Wochen später also auch. 2011 nahm er bei seinem ersten Mal Bersenbrück sogar ein Dubplate fürs Reggae Jam auf:

Johnny Osbourne wird dieses Jahr 70. Beim Reggae Jam 2012 war er auf der Bühne, wie ein Blick in unser Fotoarchiv zeigt. Seine Stimme ist unter Tausenden herauszuhören – ungewöhnlich hoch und hell für einen Dancehall-Sänger.

Fast noch eine Erwähnung mehr ist seine Begleitgruppe wert: DIE Backing Band im Reggae-Kosmos schlechthin. Robbie Shakespeare und Sly Dunbar bilden die rhythmische Grundlage an Bass und Schlagzeug – also Sly & Robbie.

Wo tauchten sie nicht alles in den letzten zwölf Monaten auf den besten Alben des Genres auf? Von Mo’Kalamity bis Havana meets Kingston, eine Geheimwaffe!

Sie “backen” (weitere Instrumente spielt die Taxi Gang), d.h. begleiten auch Bitty McLean. Bitty war 2015 bereits auf dem Line-Up. Mit Junior Natural spielten sie bereits auf seinem aktuellen Album, und auch ihn begleiten sie live. Der junge Schwede, geboren 1995, war 2010 bereits auf dem Reggae Jam Festival als Künstler. Wie das sein kann?

Ein klassischer Frühstarter! Bizarrerweise aber eben aus Schweden, nicht so ohne weiteres als Reggae-Epizentrum bekannt. Und bis zum Festival habe ich noch sechs Wochen Zeit, in Ehrfurcht zu erstarren. Das muss ich erst einmal üben. Bleibt spannend… Aber wenn er das selbst so ganz cool findet, wollen wir gerne eine Kostprobe seines Schaffens zeigen:

Romain Virgo war doch tatsächlich schon zwei Mal in Bersenbrück – 2011 und 2013. Inzwischen liegt sein unglaublich nichtssagendes neues Album “LoveSick” vor. Es erschien im April und war mir hier zu langweilig zum Besprechen auf Irieites.de. Doch der Softsoul-Sänger auf Pop-Reggae-Beat kommt an. Ich habe mir von weiblicher Seite erklären lassen: Das liegt an der Optik. Also: Fotos statt Worte, Fotos statt Musik. Bitteschön:

Quelle: reggaejam.de

Romain Virgo ging aus einem Casting-Wettbewerb siegreich hervor. Und so klingt er auch bis heute. Wobei es durchaus etliche gibt, die über diesen Weg ihre Karriere starteten, z.B. Tessane Chin. Sie fand man auch als Duettpartnerin auf Protojes erstem Album. Meistens gehen diese Artists Richtung smoothen R’n’B. Das kann in Ordnung klingen, manchmal schön, manchmal aber auch seifig.

Aus der Casting-Show auf die Reggae-Bühne

Nice, hat seine Berechtigung, klar. Aber es transportiert dann nicht so recht die Vibes, die man vielleicht hier sucht. Es wirft auch die Frage auf: Wenn schon Casting, wenn schon Massenmedien, wenn schon außermusikalische Kriterien den Einfluss spielen – warum wiederum keine Etana? (terminlich wäre sie verfügbar!) Weshalb keine Italee? (Nach England kommt sie, das Reggae Jam kennt sie von einem Testauftritt.) Wieso keine Hempress Sativa und keine Xana Romeo? (schnupperte hier letztes Jahr an ihres Papas Seite Bühnenluft; sie kann es ja). Fragen über Fragen? Warum so viele Männer? Aus welchem Grund so wenige Frauen?

Sevana ist eine Wiederkehrende. 2016 war sie da, 2018 kommt sie wieder. Dieses Mal ohne ihren Mentor, Protoje (Stand: 21.06.). Dabei hätte der ein neues Album vorzuführen… Um Artists mit neuen Alben geht es hier aber dieses Jahr allgemein so gut wie nicht. Die wenigsten haben da etwas anzubieten. Eher ist das 25. Reggae Jam ein “Best of” der bisherigen Acts. Why not?

Nkulee Dube ist wieder da. Ihr letzter Auftritt datiert schon sechs Jahre zurück – damals mit einer Peter Tosh Tribute-Band. Dieser Job, die Songs eines berühmten Vaters nachzuspielen, kommt nun auch Andrew Tosh zu. Allerdings war er noch nicht in Bersenbrück und kommt daher in einem anderen Artikel dran. Aber: “Happy Birthday!” – Andrew Tosh wurde am Dienstag (19. Juni) 51 Jahre alt. Das Wort “Sohn” klingt immer jung. Als der Vater erschossen wurde, war er 20 – gerade dabei, seine eigene Gesangskarriere zu starten.

Ob man nun die Begeisterung für den – meiner Ansicht nach – chaotischen Mr. Vegas teilt oder nicht, sie ist nun mal da. In Videos zu sehen wie hier von 2015. Auch 2009 war Vegas dabei, bestritt damals den Sonntagabend.

Pass the koutchie, from the left to the right…

Von diesem Star der Phase vor 15 bis 20 Jahren – zu den Stars von vor ungefähr 35 bis 50 Jahren, den Mighty Diamonds. “Pass The Koutchie!” – das ist hier das Stichwort. Sie waren auch schon da, in Norddeutschland. 2012 holte der Sheriff sie. 2017 sprangen sie ab. 2018 soll’s nun klappen. Dass dieser Song ihnen zugeschrieben wird, ist selten; aber sie haben ihn als erste performt – und auch geschrieben. Premiere war 1982 mit diesem Song auf dem Reggae Sunsplash:

Aber eigentlich geht dieser Song auf eine Basslinie von Leroy Sibbles zurück. Praktisch, dass der auch kommt. Im Gefüge der Heptones war er letztes Jahr und 2011 mit dabei. Schon im Rentenalter, weiter auf Tour. Ein interessanter Typ, der zeitweise Jazz gemacht hatte. Und eine wahre Größe in der Offbeat-Musik!

Der Herr ohne Sonnenbrille ist es: Leroy Sibbles, verantwortlich für die ersten von diesen Dingern, die wir heute als “Riddims” bezeichnen.

Neben vielen alten Bekannten spezifisch des Reggae Jam-Festivals ist auch eine Dame gebucht, die zur Geschichte von Reggae-Festivals in Deutschland ganz im Allgemeinen gehört. Summerjam oder Chiemsee Reggae Summer, wer diese Festivals in den mittleren bis späten 1990er und Anfang/Mitte der 200er Jahre besuchte, stieß immer wieder auf die humorvolle Queen of Rocksteady, Dawn Penn. Kein Wunder:

You Don’t Love Me (No, no, no, no) – ein Riesenhit!

Mit “You Don’t Love Me (No, no, no, no)” gehörte sie zur Hot Rotation etlicher Radiostationen, und das lange nach Erscheinen des Songs. Ursprünglich nahm sie den 1973 auf. Ab Mitte der ’70er verschwand sie aus dem Musikgeschäft. Als sie 1992 eine neue Version einsang, wurde – mit etwas Verzögerung – ein Hit daraus.

Und zwar, seltsamerweise, einer der kommerziell größten Reggae-Songs im Crossover-Bereich in der Geschichte. Das war vor YouTube und Spotify, es war vor legalen und illegalen Downloads, es war nach den Jukeboxes. Von diesem Song wurden, ob auf Greatest Hits-Alben, als Single-CD oder auf Compilations unglaublich viele CD-Exemplare verkauft. Dawn Penn machte aber auch generell sehr schöne Aufnahmen, die immer ihre Handschrift tragen. Denn: “Never Hustle The Music!”, wie sie in einem ihrer Songs sagt. Und was macht sie heute?!

Jah9 war im Jahr 2013 bereits Teil des Reggae Jam-Aufgebots. Dieses Mal kündigt sie sich mit der Begleitgruppe The Dub Treatment an. Dub ist hier ja mehr eine Sache der extra-Dub Station. Sie liegt etwas abgelegen am Festivalrand, ich verlaufe mich da immer im Dunkeln. Konkret gestaltet sich ein Jah9-Auftritt in Dub-Instrumentierung dann zum Beispiel so:

Die deutsche Szene

Illbilly Hitec bespielten 2016 die Freitagnacht und waren Magnet für eines der bestbesuchten Konzerte der RJ-Ausgabe vor zwei Jahren. Auch mit auf der Bühne: Longfingah. Ihn gibt’s auch in der Kombination mit der Subpressure Band an den Wochenenden zuvor (Weedbeat Festival, Reggae in Wulf).

Seine Sporen als Reggae Jam-Artist verdiente sich der Berliner MC Longfingah auch 2014 im Dubcamp des Festivals. Denn auch der Veranstalter findet gerade solche Musik persönlich cool, was man so weiß und an seinen eigenen DJ-Auftritten erkennen kann.

Damit klar, sind wir bei Sheriff’s Soundpatrol angekommen, dem Soundsystem von Bernd Lagemann, dem Verantwortlichen des Festivals. Logisch, die Soundpatrol ist auch dabei! Eine Konstante ist auch Ganjaman in der Doppelrolle mal als Moderator auf der Bühne, mal als Sänger. Ganjaman war unzählige Male mit dabei. Dieses Mal in folgender Modifikation: Er tritt mit dem Klub Kartell auf.

Dazu gehören auch Sebastian Sturm (zuletzt 2016 auf dem Reggae Jam), Jahcoustix (auch 2016 gespielt) und Dellé, genau der von Seeed. Seeed waren nie beim Reggae Jam. Aber: Black Kappa, Gastsänger auf einem der Hits: “Dickes B”. 2003 kam der zum Reggae Jam. Das Event umfasste damals noch ein Drittel des Aufgebots und für: 10 Euro, inklusive Camping.

Das Festival dieser Größenordnung wurde es dann in der Zeit 2005/06. In dieser Phase war auch das Irie Ites Soundsystem einige Male Teil des Programms. In dieser Zeit trat Jahcoustix dort auch schon auf. Für Artists wie ihn ist das ein Heimspiel. 2007 kosteten drei Tage Reggae Jam dann 26 Euro, “Smilee Guaranteed”, wie dann das Plakat versprach.

Bunny General kam 2009 mit House of Riddim, auch er kommt wieder. Bei solchen Sprüngen (ich habe von ihm noch nie etwas gehört, bin zu jung), merkt man:

Generationen verschieben sich…

Mit der Einstellung, dass man die Artists von heute gerne sehen will, über die gesprochen wird, die “relevant” in der Szene , der Presse, den Social Media oder auf Jamaika sind, wird das nichts. Es geht hier gar nicht um eine Live-Umsetzung dessen, was man das Jahr über so hört.

Sondern, hier gibt’s die Möglichkeit, losgelöst von Hypes, die Zeit anzuhalten. Dazu trägt auch die dörfliche Umgebung samt Fluss namens Hase bei. Platz für 15.000 Leute ist dabei auch.

Ein paar weitere bekannte Gesichter und Stimmen: Doreen Shaffer, zusammen mit den Skatalites 2014 da gewesen. Die Dub Akom Band, spielte 2011 als Begleitband für Protoje. Der Reggae Hase Boooo, Klassiker in Bersenbrück. House of Riddim als Backing Band gehören wohl zu fast allen Festivals im deutschsprachigen Raum. Pow Pow Movement legt auf, ebenso Silly Walks. Aus Berlin kommt Barney Millah angereist, der immer die entscheidende Prise Soca im Gepäck hat und sehr geschickt einmal quer durch alle Musikstile innerhalb des Reggae-Einzugsbereiches auflegt, Dancehall, Roots, Afrobeats, Soca und seine untergeordneten Stile, das wird hier alles eins. Sehr cool, und jedes Jahr im Dancehall Tent!

Wie man sieht: Viele, viele Konstanten! Und doch, es braucht ein bisschen, bis man da den Überblick beisammen hat. Nachteil: Das geht natürlich zu Lasten der Newcomer-Förderung.

Wunschlisten gäbe es dagegen wohl immer…

Und da stünden viele Schlange, Eesah, Silkki Wonda, Koro Fyah, Lila Iké, Kazam Davis, Amlak Redsquare, Dianne Rutherford, Javada, Jahmiel, Torch, Damas, Da Fuchaman, Xana Romeo, Denyque, Tuff Like Iron, Leilani Wolfgramm, aus Deutschland der ganze Neo-Ska-Bereich von The Unduster über Kreuzwort, Shanti Powa bis Sentilo Sono.

Der Eingang zum Klosterpark von Bersenbrück, der Location – Foto: Daniel Brockpähler [Creative Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0]
Unverändert übernommen aus Wikimedia Commons(https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Andererseits, ist das hier eine Chance für viele ältere Acts, überhaupt noch im Gespräch zu bleiben und für weitere Bookings aktuelles, gutes Videomaterial von einem größeren Festival vorweisen zu können. Auch eine Geldquelle für manche, die selten gebucht werden. Schaut man sich nun die andere Seite an, die Artists, die noch nich in Bersenbrück waren und dieses Jahr dort erstmals auftreten, verspricht es auf jeden Fall eine ungewöhnliche Mischung zu werden.

Schließlich erfüllt man sich dann noch einen Wunsch. Wer schon lange dieses Festival im Internet verfolgt, hat 2009 vielleicht mal eine kurze Zeit lang Kevin Isaacs, den Sohn von Gregory Isaacs gelistet gesehen (neben Daniel Brown, Sohn von Dennis Brown). Die beiden kamen letztlich nicht. Gregory Isaacs starb kurz danach. Fast ein Jahrzehnt später wurde nun mit Marla Brown letztes Jahr ein Dennis Brown-Sprössling zur Festival-Eröffnung geholt, und sie machte ihre Sache sehr gut, spielte überhaupt eines der mitreißendsten Konzerte des Wochenendes. Dieses Jahr nun könnte Kevin Isaacs vielleicht kommen – jetzt, wo der Hype um ihn ‘rum ist.

Philipp Kause

Link: reggaejam.de/artists/

Philipp Kause

About Philipp Kause

Philipp hat Musikethnologie studiert und verschiedenste Berufe in Journalismus, Marketing, Asylsozialberatung und als kaufmännischer Sachbearbeiter ausgeübt – immer jedenfalls stellt er Menschen Fragen. Er lebt zurzeit in Nürnberg, wo er die Sendung „Rastashock“ präsentiert, die seit 1988 auf Radio Z läuft.